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Prignitz Oper über eine Selbstfindung
Lokales Prignitz Oper über eine Selbstfindung
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16:37 03.09.2017
Tabea Gebauer ist die verführerische Elfe Angelica und die Himmelsbraut. Hier mit Jens Reulecke, der die Oper schrieb und den Visatori spielt. Quelle: Jens Wegner
Groß Lüben

Am Sonnabend gab es in der Kirche Groß Lüben die Hauptprobe zum Opernprojekt „Fernklänge”. Skizzen einer Oper oder performative Oper, so bezeichnet es deren Erfinder, Jens Reulecke. Für ihn ist es eine Prignitzer Geschichte über Sehnsüchte, Hoffnungen, Gefahren, auch über die Selbstfindung im Leben, die kurz bevor steht. Es dreht sich darum, dass alles wieder lebendig wird.

Chormitglieder des Wilsnack Cantabile stellen den Spiritus dar. Quelle: Jens Wegner

Im November 2015 besuchte der Berliner Künstler erstmals die Prignitz. Er erfuhr vom Wilsnacker Wunderblut und lernte bei einer Rundfahrt die Prignitz kennen. „Dabei habe ich viel Energie gespürt. Die Kraft der ganzen Gegend hier, nicht nur das Wunderblut. Die Landschaft zieht mich hinein. Am zweiten Tag hörte ich den Ruf – du musst eine Oper schreiben. Und das, obwohl ich kein Musiker bin”, schwärmte er. „Das Thema der Freisetzung hat mich begeistert. Es geht um einen Grundimpuls, der Menschen in Bewegung setzt. Das Moor, das es in Wilsnack wirklich gab, bedeutet in dem Stück Gefahr. Das Blut steht für Kraft”, sagte er. Eine Oper wollte er schreiben, weil sie einen Ausdruck mit viel Kraft habe. Im Januar 2016 war sie zunächst fertig. Dann arbeitete er sie mehrmals um. Seit März 2017 wird fast jedes Wochenende geprobt.

Lose Orgelpfeifen als Instrumente

In der Oper spielen nun Laien und Profis zusammen. Eine der professionellen Mitwirkenden ist Tabea Gebauer. „Ich komme eigentlich aus dem Jazz. Doch das hier hat mich sehr fasziniert. Wir bedienen uns vieler Stilistiken. Das Duett mit Birgit Bockler haben wir beide zusammen erfunden”, berichtete sie. Als Tabea Gebauer und Jens Reulecke die Orgel der Kirche untersuchten, fanden sie in deren Inneren mehrere lose Orgelpfeifen. Sie bargen sie und erweckten sie für das Stück zu neuem Leben.

Tabea Gebauer an den Orgelpfeifen. Quelle: Jens Wegner

Teils werden sie während der Aufführung geblasen, teils wurden die Pfeifentöne aufgenommen und von Florian Erdle gesampelt. „Auch das ist ein Ausdruck von Lebendigkeit”, sagte Jens Reuleke. Die Orgel sei sehr wichtig, so Reulecke. Deren Pfeifen bilden im Stück das Orchester. Auch mit der Struktur des Raumes wollte er arbeiten. So wurde das Innere der Kirche nicht verkleidet, sondern in die Inszenierung mit einbezogen. Chormitglieder des Wilsnack Cantabile stellen den Spiritus dar, der durch den Raum zieht. Barbara Schindler und Chady Seubert sind abwechselnd die Erzählerinnen Fabularia. Jens Reulecke spielt den Visatori, Tabea Gebauer die verführerische Elfe Angelica und die Himmelsbraut.

Premiere am 10. September

Ob das Projekt nach der Uraufführung beendet sei oder weitergehe, sei noch offen. „Ich würde auch gern mit dem Klang der Wilsnacker Kirche arbeiten. Auch Klein Leppin hat Interesse an der Oper gezeigt. Das Konzept entwickle ich immer auf den speziellen Ort der Aufführung hin. Eine besondere Kraftentfaltung wird damit möglich”, so Reulecke. Die Premiere findet am Sonntag, 10. September, ab 16 Uhr in der Kirche Groß Lüben statt. Unterstützt wird die Veranstaltung durch den Prignitz-Sommer und regionale Unternehmen.

Mehr Informationen zur Oper im Internet: fernklaenge.grosslueben.eu.

Von Jens Wegner

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