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Operngala im Zeichen von Lotte Lehmann

Perleberg Operngala im Zeichen von Lotte Lehmann

„Lotte Lehmann mag gestorben sein, aber sie ist nicht tot“, sagt Angelo Raciti, künstlerischer Leiter der Lotte-Lehmann-Akademie. Die Operngala zum Abschluss der diesjährigen Sommerakademie machte am Freitag klar, wie recht er hat – von der Qualität, vom Programm und von der Resonanz des Publikums her.

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Ismael Latrach aus Chile singt mit Nicole Nudelman (nicht im Bild) „Mir anvertraut“ aus „Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strauß.

Quelle: Bernd Atzenroth

Perleberg. Noch besser, noch intensiver und festlicher – zum Abschluss erlebten die Besucher des „Gran Finales“ der 8. Lotte-Lehmann-Sommerakademie am Freitagabend noch eine Steigerung gegenüber den vielen eindrucksvollen Konzerte der vergangenen Wochen. Die Fortschritte, die viele der 13 hochbegabten jungen Sängerinnen und Sänger in dieser vergleichsweise kurzen Zeit gemacht haben, waren unüberhör- und –sehbar. Denn es ist nicht nur stimmliche Präsenz, auf die es im Genre Oper ankommt. Auch die darstellerischen Fähigkeiten wurden geschult, und das konnte das gesamte Ensemble auf der Bühne im Hotel „Deutscher Kaiser“ gestisch, mimisch und in der oft originellen Präsentation des Stoffs unter Beweis stellen.

Dabei ging es an diesem noch mehr als sonst um die Frau, die der Akademie ihren Namen gab. „Lotte Lehmann mag gestorben sein, aber sie ist nicht tot“, findet Angelo Raciti, künstlerischer Leiter der Lotte-Lehmann-Akademie, und den Beweis dafür tritt er selbst seit Jahren an. In ihrer Heimatstadt Perleberg scheint Lotte Lehmann 40 Jahre nach ihrem Ableben lebendiger denn je. Zum 40. Todestag der Opernsängerin hatten die Absolventen der Akademie beim „Gran Finale“ eine Operngala gestaltet, und der Saal im „Deutschen Kaiser“ war dabei brechend voll. Wie überhaupt alle Konzerte mit Schülern der Akademie in diesem Jahr ausverkauft waren, was Perlebergs Bürgermeisterin Annett Jura bei ihrer Begrüßung mit großer Freude kundtat. Im Publikum waren auch mehrere Bürgermeister aus der Arbeitsgemeinschaft der Städte mit historischen Stadtkernen, die sich nach einem Arbeitstreffen diesen Abend nicht entgehen ließen, und natürlich die Amtsinhaber aus den Nachbarkommunen.

Einen weiteren Gast hatte Annett Jura begrüßt: Frank Matthus, künstlerischer Leiter und Geschäftsführer der Kammeroper Schloss Rheinsberg. Zwischen Rheinsberg und Perleberg gibt es Gespräche über eine Kooperation der beiden jeweiligen Einrichtungen, die sich der Oper widmen.

Voller Einsatz zur Lotte-Lehmann-Akademie

Voller Einsatz zur Lotte-Lehmann-Akademie.

Quelle: Bernd Atzenroth

Das Leben und Schaffen der Lotte Lehmann war der rote Faden dieses Abends, durch den Angelo Raciti gemeinsam mit einer Weggefährtin von Lotte Lehmann führte. Karan Armstrong-Friedrich, selbst noch eine Operndiva der alten Schule, ist längst ein ständiger und gefeierter Gast in Perleberg und gibt hier das weiter, was sie selbst bei der großen Lotte Lehmann in Santa Barbara gelernt hat. Ihr oblag die Konzeption und Regie der Gala, die im ersten Teil den Anfang von Lotte Lehmanns Karriere und ihren Aufstieg nachvollzog. Ihre ersten großen Partien wurden mit wichtigen Stationen ihres Lebens verbunden. So ging es los mit ihrer ersten größeren Rolle in Hamburg, der Anna Reich in die lustigen Weiber von Windsor, hier dargebracht von Anne Martha Schuitemaker aus den Niederlanden, gemeinsam mit dem brasilianischen Tenor Wagner Moreira. Ein zentrales Werk für Lotte Lehmanns Karriere war die Oper „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauß – wie dem ausführlichen Beiblatt zur Aufführung zu entnehmen war, ha sie daraus alle großen Partien einmal gesungen. Zwei sollten davon am Freitag zur Aufführung kommen, und Kelsey Robertson aus den USA gab dabei schon zu Beginn einen sehr überzeugenden Rosenkavalier. Gleich bei diesem Beitrag wurde auch deutlich, wie wichtig Scott Curry für Qualität und Erfolg der Darbietung ist. Er war mit seinem vielseitigen und in diesem Fall sehr lyrischen Klavierspiel ein Begleiter im besten Sinne des Wortes, zwar nie im Vordergrund, aber immer präsent. Curry hat in den vergangenen drei Wochen als musikalischer Leiter mehr oder weniger „durchgespielt“ und bildete auch an diesem Abend das Rückgrat der ganzen Aufführung.

Es folgten bis zur Pause Darbietungen, die an Lotte Lehmanns große Zeit als Opernsängerin in Wien erinnerten, zunächst aus „Die Meistersinger von Nürnberg“ und dann aus gleich mehreren Opern von Richard Strauß, die thematisch auch Themen ihres eigenen Lebens in Wien widerspiegeln sollten – vom Hineinfinden in die dortige Gesellschaft bis hin zu ihrem Ehealltag. Mitunter war dies auf der Bühne auch sehr humorvoll, etwa beim gemeinsamen Spiel von Nicole Nudelman aus den USA und Thomas Roeshol bei einem Auszug aus der Oper „Intermezzo“. Eine intensive künstlerische Zusammenarbeit verband Lotte Lehmann auch mit dem Komponisten Erich Wolfgang Korngold, aus dessen Schaffen im Laufe des Abends mehrfach Kompositionen zu Gehör kamen.

Zäsuren im Leben der Lotte Lehmann

Der zweite Teil des Abends behandelte dann die Zäsuren im Leben der Lotte Lehmann ab den 30er Jahren. Sie schlug in der beginnenden Nazizeit das Angebot aus, Reichsnationalsängerin zu werden, und wurde mit einem Auftrittsverbot belegt, entschloss sich dann zur Emigration in die USA. Dort stirbt ihr Mann Otto Krause 1939. Ihr Leben verbringt sie später dann mit einer Frau, der Psychologin Frances Holden. All dies wird gespiegelt im Bühnenprogramm, das mit einer furiosen Interpretation aus „Orpheus in der Unterwelt“ von der Chilenin Gabriela Dossow und Christoph Sauer beginnt. Ein absoluter Höhepunkt ist spielerisch wie gesanglich die Szene „Ah, che tutta in un momento“ aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Cosí fan tutte“, dargeboten von einem Gesangssextett. Es folgen kaum minder beieindruckende Interpretationen von Stoff aus Giacomo Puccinis „Madame Butterfly“ und Ludwig van Beethovens „Fidelio“, bevor wieder Korngold („Die tote Stadt“) und Richard Strauß (erneut der „Rosenkavalier“) zu Ehren kommen. Zum Schluss sangen alle gemeinsam eine Chorversion von Franz Schuberts „An die Musik“. Es war die Zugabe, mit der sich dereinst Lotte Lehmann 1951 von der Bühne verabschiedet hatte. Passender hätte das Ende des Abends kaum sein können.

Von Bernd Atzenroth

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