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Prignitz Opernstar fördert Lotte-Lehmann-Akademie
Lokales Prignitz Opernstar fördert Lotte-Lehmann-Akademie
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00:31 27.08.2015
Karan Armstrong am Flügel in der Akademie, an dem sie einst von Lotte Lehmann Unterricht erhielt. Quelle: Michael Beeskow
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Perleberg

Einen Opernstar, der die großen Bühnen der Welt kennt, stellt man sich anders vor. Vielleicht etwas ehrwürdig, vielleicht etwas entrückt. Karan Armstrong hingegen verströmt eine Lebensfreude und eine Jugendlichkeit, dass man sich fragt, ist das nicht vielleicht doch eine Teilnehmerin der Lotte-Lehmann-Akademie? Und tatsächlich mischt sich die Kammersängerin unter die jungen Sänger und unterzieht sich morgens ab 8 Uhr in der Turnhalle dem täglichen Körpertraining. Wenn sie durch die Stadt geht, sieht man ihr die berühmte Dozentin der Meisterklasse ebenfalls nicht an; vielleicht denkt man, ja, eine Perlebergerin.

„Wir alle lieben Perleberg“

Und so fühlt sie sich tatsächlich. „Wir alle lieben Perleberg“, sagt Karan Armstrong und schließt das „fabelhafte Dozententeam“ in ihre Worte ein. Vor sieben Jahren hatten ihr Angelo Raciti, heute der künstlerische Leiter der Lotte-Lehmann-Akademie, und Pianist Scott Curry das Akademie-Projekt vorgestellt. „Das war so schön, was sie vorhatten,“ erinnert sich Karan Armstrong an die Gespräche. Eine neue Oper, eine Akademie auf die Beine stellen – von dieser Idee ist die Opernsängerin begeistert.

„Ich möchte etwas zurück geben“, sagt Karan Armstrong. Sie habe ein glückliches Leben. „Eine Karriere kann jeder machen“, ist die Kammersängerin überzeugt. Aber auch Ehefrau und Mutter sein zu können, das sei ein Glück.

Ein Privileg: Einzelunterricht bei Lotte Lehmann

Glück war auch im Spiel, als sie durch Vermittlung von Freunden 1965 Lotte Lehmann kennenlernen durfte. Die in Perleberg geborene Opernsängerin hatte in Santa Barbara bei Los Angelas eine Akademie gegründet und bildete jungen Sänger aus. Karan Armstrong erhielt das Privileg, von Lotte Lehmann Einzelunterricht zu erhalten. „Das war etwas anderes als in den Gruppen, wo man 15 bis 20 Minuten bei Lotte Lehmann bekam.“ Zwei bis drei Stunden dauerte der Unterricht für Karan Armstrong. Sie war eine von zwei Meisterschülerinnen von Lotte Lehmann. Von ihr habe sie gelernt, wie man eine Stimme bauen muss, berichtet Karan Armstrong. Wie man vom Kopf und vom Herzen in eine Rolle hinein kommt. „Jeden Tag hat man andere Gefühle, und die muss man einbringen.“ Für Lotte Lehmann gab es keine richtige oder falsche Interpretation. Von ihr habe sie gelernt, aus sich selbst etwas zu holen, zu einer eigenen Interpretation zu finden.

Karan Armstrong beschreibt ihre große Lehrerin als „lieb und süß“, die aber auch bissig sein konnte. Zehn Jahre lang arbeitete Lotte Lehmann mit Karan Armstrong. In den letzten Jahren habe Lotte Lehmann aber unter Arthrose gelitten und starke Schmerzen gehabt. Kürzer und knapper seien die Äußerungen von Lotte Lehmann geworden. Es habe auch mal ein bissiges So-nicht gegeben.

Erfolge an den größten Opernhäusern

Doch Lotte Lehmann hielt viel von Karan Armstrong, freute sich über ihre Erfolge an der Oper in Los Angelos und an der Metropolitan Opera in New York. Als Karan Armstrong 1974 nach Europa ging und mit der Salome von Richard Strauß riesige Erfolge feierte und sich ihr alle Opernhäuser öffneten, nahm Lotte Lehmann daran großen Anteil. Per Brief adelte sie Karan Armstrong als „unser Kind“.

Der Weg war Karan Armstrong nicht vorgezeichnet. Sie wuchs in einem 60 Seelen zählenden Ort in Montana (USA) auf. An Oper sei da nicht zu denken gewesen. Als sie einmal im Radio ihr unbekannten Gesang hörte und ihren Großvater fragte, was das sei, da habe er die Musik abgedreht. „Das sind alte fette Weiber mit Hörnern auf dem Kopf. Oper, das ist schrecklich.“

Karan Armstrong kennt auch die Schattenseiten. „Nach dem Tod meines Mannes wollte ich mit Musik nichts mehr zu tun haben.“ 2000 war Götz Friedrich, der langjährige Generalintendant und Chefregisseur der Deutschen Oper Berlin gestorben. Seit einigen Jahren tritt Karan Armstrong wieder auf. „Ich singe jetzt Mamas und Hexen“, freut sich Karan Armstrong. Nachdem sie die Melisande viele Mal gesungen hat, gibt sie demnächst in Turin die Mama.

Und sie bleibt der Lotte-Lehmann-Akademie zugetan. „Ich habe viele Freunde hier gefunden. Ich habe Pläne zur Entwicklung der Akademie,“ sagte sie. „Es lohnt sich, etwas zu machen.“

Von Michael Beeskow

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