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Prignitz Ortsbesuch: So idyllisch lebt es sich in Kuhbier
Lokales Prignitz Ortsbesuch: So idyllisch lebt es sich in Kuhbier
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00:17 12.06.2018
Das Ortseingangsschild von Kuhbier, dem Ort mit dem kuriosesten Namen in Brandenburg. Quelle: Ansgar Nehls
Kuhbier

Wenn Günter Lehmann erklären soll, warum sein Dorf so heißt, wie es heißt, hat er sich einen Satz bereitgelegt. „Ich sage immer: „Wir haben Kühe und wir haben Bier.“

Kuhbier hat 178 Einwohner

So kurz, so bündig. Das reiche meistens, sagt Lehmann, dann lachten alle – und keiner frage mehr nach. Lehmann, 58 Jahre, grauer Bart und freundliches Lächeln, ist Ortsvorsteher von Kuhbier in der Prignitz. Die Kommune liegt zwischen Pritzwalk und Groß Pankow und ist ein typisches Bauerndorf.

So zumindest steht es auf Seite eins der Ortschronik. Kuhbier hat 178 Einwohner, ein jährliches Treckertreffen – und den lustigsten Namen in Brandenburg. Die Abstimmung auf MAZ-online gewann Kuhbier mit 24 Prozent der Stimmen und deutlichem Abstand vor Kotzen und Wassersuppe. Auch Knoblauch, Ranzig und Schabernack hatten keine Chance gegen das Dorf aus der Prignitz.

Für Lehmann und Nachbar Eckhart Raabe ist das keine große Überraschung. Etliche Male schon sei das Ortsschild geklaut worden. „Die wollten das schon festschweißen“, sagt Lehmann. „Das kostet doch richtig Geld“, sagt Raabe. Beide sind in Kuhbier aufgewachsen, wohnen hier ihr ganzes Leben und wissen eigentlich immer noch nicht, warum ihr Dorf so heißt, wie es heißt.

Die MAZ-Leser haben gevotet. Kuhbier ist der kurioseste Ortsname in Brandenburg. Aber wie lebt es sich dort? Unser Autor Ansgar Nehls hat das Dörfchen besucht.

In der mehr als faustdicken Ortschronik wird nur erwähnt, dass es drei Erklärungsansätze gibt. Doch keiner überzeugt so richtig. Raabe glaubt daran, dass der Name von einer alten Beerenart stammt. Lehmann meint, dass es mit der Schwedenschanze zu tun habe, einem Erdwall, der in der Zeit der germanischen Besiedlung im Umfeld des Dorfes entstand. Doch wirklich sicher ist sich niemand.

Das inoffizielle Stadtwappen: Kuh mit Bierkrug

Allgegenwärtig ist der Name trotzdem. An Zäunen, auf Fahnen und Autoaufklebern prangt das inoffizielle Stadtwappen: eine Kuh mit Bierkrug. „Das stammt von Kuhstock“, sagt Lehmann, einem Open-Air-Festival, das sein Sohn einst ins Leben rief.

Gespielt wurde Rock und Heavy Metal – alles mit der saufenden Kuh als Wappentier. Doch einige Jahre mit schlechtem Wetter und Besucherschwund beendeten die Reihe nach der zehnten Auflage. Das Wappen aber blieb – und die Bereitschaft, einander zu helfen.

„Kuhstock wäre damals ohne die etlichen Helfer aus dem Dorf gar nicht möglich gewesen“, sagt Günter Lehmann. Es ist der Vorteil am Dorfleben – wo jeder jeden kennt. „Wenn hier jemand bauen will, dann findet sich immer jemand, der mit anpackt“, sagt Lehmann.

Und so fanden sich auch etliche, die mitzogen, als Kurt Essel, Lehmanns Vorgänger als Ortsvorsteher, das Dorf vor sechs Jahren zusammentrommelte – und zum Protest einschwor.

Denn Kuhbier hatte es satt, dass man nicht mehr Fernsehen konnte, wenn draußen auf der Bundesstraße, die mitten durch den Ort führte, die Lkw vorbeidonnerten. 550 Lastwagen fuhren damals am Tag durch Kuhbier. Dazu kamen 480 Pkw. Zu viel für die Straße, die deutlich litt – und zu viel für die Nerven der Kuhbieraner.

Vereinter Dorfprotest für die Umgehungsstraße

Also stellten sich die Bewohner an der Kirche auf die Straße, nahmen sich an den Händen und bildeten eine Kette. Mehrmals blockierte das Dorf so für 20 Minuten den Verkehr. Die Autos stauten sich teils kilometerweit. „Wir waren selber ein bisschen überrascht, dass die Polizei da so mitgemacht hat“, sagt Eckhard Raabe.

„Aber die Autofahrer waren immer ganz interessiert.“ Und irgendwann war es auch die Politik. Kuhbier blieb hartnäckig – und die Umgehung für die Bundesstraße kam. „Da waren wir noch überraschter“, sagt Lehmann.

Vor zwei Jahren dann wurde auch der Bahnbetrieb eingestellt. Seitdem halten keine Züge mehr in Kuhbier, zwischen den Gleisschwellen wächst längst hohes Gras. Lehmann und Raabe gehen nicht davon aus, dass die Strecke noch einmal aufgenommen wird.

Zu marode seien die Gleise, zu unwirtschaftlich die Verbindung. Für beide sind die fehlenden Züge eine Zäsur. Raabe kennt noch die Zeit, als Dampfloks ins Nachbardorf fuhren. Beide nahmen den Zug, um zur Schule zu kommen.

Dorfidylle in Kuhbier

So ist es ruhiger geworden in Kuhbier. Seit die Bahn nicht mehr fährt und der große Verkehr ums Dorf herumgeleitet wird, ist das Dorfidyll nahezu perfekt. Denn Kuhbier liegt dort, wo sich die Prignitz von ihrer schönsten Seite zeigt: zwischen Weizenfeldern, eingerahmt von Eichenalleen.

Andreas Raabe und Günter Lehmann werden hier nicht mehr wegziehen. Überhaupt gibt es keinen großen Schwund im Dorf. Natürlich – die Jugend zieht es in die Städte. Aber es gibt genügend Nachwuchs. Die Kinderabteilung der Freiwilligen Feuerwehr hat 14 Mitglieder. Lehmann glaubt nicht, dass es jemals so viele gewesen sind.

Nur die Kühe, die werden immer weniger. Aktuell sollen es noch 14 sein, die ein Landwirt hält. Geht dieser Trend so weiter, muss sich Günter Lehmann bald einen neuen Satz überlegen, wenn er erklärt, warum sein Dorf so heißt, wie es heißt.

Von Ansgar Nehls

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