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Prignitz Pflege Todkranker: Das Herz muss dabei sein
Lokales Prignitz Pflege Todkranker: Das Herz muss dabei sein
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05:26 27.02.2018
Uta Spieker zeigt den Snoezelraum für die Palliativpflege im Seniorenheim Pritzwalk. Quelle: Claudia Bihler
Pritzwalk

„Dem Thema gehen wir gerne aus dem Weg“, sagte am Donnerstag der Pritzwalker Bürgermeister Ronald Thiel im KMG Seniorenheim, „Dennoch gehört das Sterben zum Lebenskreis dazu.“ Menschen, die sich um Todkranke kümmerten, gehöre sein Dank, sagte er, und meinte damit ganz konkret die Mitarbeiter des Seniorenheimes.

Die nämlich hatten eingeladen, um nun auch offiziell eine neue Abteilung vorzustellen, die allerdings bereits seit rund eineinhalb Jahren arbeitet: die Abteilung für Palliativmedizin. „Ursprünglich wollten wir ein Hospiz einrichten“, sagte die Geschäftsführerin des KMG Seniorenheims Sigrun Merten. Doch nachdem klar war, dass es zum einen in Neuruppin bereits ein Hospiz gibt und zum anderen pro 200 000 Einwohner nur ein Hospiz eingerichtet werden kann, war klar, dass in Pritzwalk kein Hospiz möglich sein würde.

„Dennoch wollten wir einen Weg finden, damit Angehörige Todkranke auf ihrem letzten Weg begleiten können – Neuruppin ist dafür einfach zu weit weg“, sagte die Geschäftsführerin.

Palliativ-Pflege statt Hospiz

Gemeinsam mit dem Groß Pankower Palliativmediziner Hartmut Parthe wurde ein Konzept aus der Taufe gehoben: Das Pritzwalker Heim sollte – integriert in den normalen Betreuungsbetrieb – eine Palliativbetreuung bekommen. „Bei der Dr.-Wolfgang-Neubert-Stiftung, der ich auch angehöre, fanden wir die Unterstützung, die wir benötigten“, sagte Sigrun Merten. Mit 40 000 Euro unterstützte die Stiftung aus Bad Wilsnack nicht nur die Anschaffung eines speziellen Bettenlifts und eines so genannten Snoezelraumes (Ruheraum), sondern auch die Ausbildung zweier von drei Kolleginnen für die Palliativbetreuung, eine finanziert die Pflegekasse.

Bei Bedarf auch Opiate

Im Mittelpunkt der Palliativ-Medizin steht, unheilbar Kranken durch verschiedenste Maßnahmen möglichst viel Lebensqualität zu ermöglichen. „83 Prozent aller Tumorkranker leiden vor allem an Schmerzen“, sagte Hartmut Parthe in einem Vortrag. Die gelte es zu lindern – bei Bedarf auch mit Opiaten. „Schmerzfreiheit ist möglich“, bestätigte auch Kathrin Leu, „und sie führt unter Umständen sogar zu einer Lebensverlängerung.“

So lange wie möglich sollen die Menschen zudem selbst über sich und ihr Leben entscheiden können. Neben den Angehörigen – Merten: „Den wichtigsten Menschen vor allem in Zeiten des Pflegenotstandes.“ – stehen den Patienten Pflegekräfte, Seelsorger und zudem Hartmut Parthe als Facharzt in ihren letzten Wochen zur Seite.

Mitarbeiterin Uta Spieker führt den Snoezelraum vor, in dem Todkranke Entspannung finden können: Bei leiser Musik und Lichtspielen und mit Hilfe homöopathischer Entspannungsmittel. Vor allem aber auch durch den Kontakt zu anderen. „Man muss mit dem Herzen bei den Menschen sein, wenn man ihre Hand streichelt.“ Dennoch ist die Belastung für die Pflegekräfte hoch, sagt Kathrin Leu: „Sie können Supervision erhalten, wenn eine Situation sie überfordert.“

Seit 2017 haben bereits 23 Patienten das Angebot in Anspruch genommen, derzeit werden fünf Menschen gepflegt.

Von Claudia Bihler

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