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Prignitz Palliativmediziner helfen Sterbenskranken
Lokales Prignitz Palliativmediziner helfen Sterbenskranken
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00:21 08.09.2017
Schmerztherapeut und Palliativmediziner Hartmut Parthe aus Groß Pankow war am Aufbau des Palliativnetzes in der Region beteiligt. Quelle: Beate Vogel
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Groß Pankow/Neuruppin

Zehn Jahre ist es gerade her, dass ein Gesetz als Grundlage für die ambulante Palliativversorgung verabschiedet wurde. Seitdem hat sich enorm viel getan im Nordwesten Brandenburgs: In der relativ kurzen Zeitspanne wurde ein eng gestricktes und gut funktionierendes Netz aus Pflegediensten, speziell ausgebildeten Palliativmedizinern und Palliativschwestern und einer Verwaltung aufgebaut, das den betroffenen Patienten in der Region zugute kommt. Einer der ersten Männer der Stunde war der Mediziner Hartmut Parthe. Er ist Leiter des Palliativ-Care-Teams Prignitz, nachdem er mehrere Jahre lang auch als ärztlicher Leiter des übergeordneten Palliativstützpunktes Neuruppin gearbeitet hat.

Die Palliativmedizin umfasst die Behandlung schwerst und unheilbar kranker Patienten. Ihr Ziel ist es, diesen Menschen den Rest ihres Lebens so erträglich wie möglich zu machen, ihnen Schmerzen und Ängste zu nehmen und Leid zu ersparen. 2007 war vom Gesetzgeber beschlossen worden, dass jeder Mensch in Deutschland Anspruch auf palliativmedizinische Betreuung auch in seinem Zuhause hat. „Aber es gab überhaupt keine Struktur“, erinnert sich Parthe, „nur vereinzelte Hospizeinrichtungen.“

Anrecht auf palliative Behandlung

Dass heute 35 Palliativmediziner, 36 Pflegedienste, 100 Hausärzte, ambulante Hospizdienste, Sozialarbeiter, Seelsorger und Physiotherapeuten im Palliativnetz Brandenburg/Nordwest miteinander korrespondieren, ist das Produkt harter Arbeit, erinnert sich Parthe. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: „2008 haben wir im Palliativnetz 31 Patienten geholfen, 2016 waren es 2477.“ Die Zahlen zeigen, wie wichtig dieser Bereich der Medizin ist. „Viele Menschen haben begriffen, dass sie ein Anrecht auf die palliative Behandlung haben“, sagt Parthe..

Die meisten Palliativmediziner machen ihre Arbeit zusätzlich zu ihrem Beruf: Sie haben Haus- oder Facharztpraxen oder sind in einem Krankenhaus angestellt. Parthe etwa hat eine Praxis für Schmerztherapie in Groß Pankow, ist Intensivmediziner und als Facharzt für Anästhesiologie in der Augen- und Tagesklinik in Groß Pankow tätig. 2008 ließ er sich in der spezialisierten ambulanten Palliativmedizin ausbilden. Dazu gehört neben der Behandlung von Schmerzen auch ein psychologischer, seelsorgerischer Teil. Dass die Tätigkeit im Netzwerk parallel laufen muss, spürten die Mediziner vom Palliativstützpunkt Neuruppin, als das Netz aufgebaut wurde: „Es gab Kollegen, die haben sich sehr interessiert. Andere hatten einfach mit ihrer Praxis genug zu tun“, erinnert sich der Schmerztherapeut.

Rasanter Aufbau

Seit 1. April 2007 hat jeder Versicherte mit einer schweren, weit fortgeschrittenen, nicht heilbaren Erkrankung einen gesetzlichen Anspruch auf eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung.

Der Palliativstützpunkt Neuruppin nahm dank der Initiative des Vereins Hospa/Ruppiner Hospiz im April 2007 als erster in Brandenburg als Modellprojekt die Arbeit auf. Zwölf solcher Stützpunkte sollte es im Land geben. Über zwei Jahre werden Strukturen mit einem Palliative-Care-Team, in dem ambulant arbeitende Palliativmediziner und ein Pflegedienst (Hospa Mobil) zusammenarbeiten, für die Region Neuruppin aufgebaut.

2009 beziehungsweise 2010 konnten die Strukturen auch auf die Prignitz und Oberhavel ausgedehnt werden. Unter der Führung des Stützpunktes Neuruppin, den aktuell Maren Thierock leitet, und den Pallitative-Care-Teams. 2010 wird das Palliativnetz Brandenburg/Nordwest gegründet, dem die Palliativ-Care-Teams Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel angehören.

Zum Team Neuruppin gehören 16 Palliativmediziner und neun Pflegedienste, in der Prignitz arbeiten neun Mediziner und 16 Pflegedienste im Team mit, in Oberhavel sind es zehn Mediziner und elf Pflegedienste.

Einfach ist die Arbeit in dem Bereich nicht. „Sterben hat nichts Schönes“, sagt Parthe, „es ist immer mit Leid und Schmerzen verbunden.“ Und es ist endgültig. Da gehe es um Tage, Wochen, manchmal auch Monate. Das Ziel ist nicht, das Leben mit Macht zu verlängern. Aber auch nicht vorzeitig zu beenden: „Für aktive Sterbehilfe stehen wir nicht zur Verfügung“, betont Parthe. Die Mitglieder des Netzwerkes versuchen vielmehr, Schmerzen zu lindern oder zu nehmen. Da ist heute viel möglich – ob nun eine Palliative-Care-Schwester ein Medikament verabreicht oder der Patient eine Schmerzpumpe nutzen kann.

Der Patient steht mit seinen Angehörigen im Vordergrund. Neben der Schmerztherapie geht es laut Parthe auch um die pflegenden Familienmitglieder. „Manchmal müssen wir auch da Maßnahmen ergreifen, weil die Angehörigen überfordert sind“, erzählt der Mediziner. Dann rate das Team der Familie, den Patienten in ein Hospiz oder ein Krankenhaus zu geben. Parthe staunt oft, wie manche der Angehörigen in dieser schwierigen Situation über sich hinauswachsen.

Schmerz verursacht Stress

Manche Betroffenen haben ganz eigene spirituelle Vorstellungen, weiß Parthe: „Das muss man respektieren.“ Der eine will zuhause sterben, der andere ins Krankenhaus. Der eine will Schmerzmittel, ein anderer lehnt sie ab. „Auch das muss man akzeptieren.“ Ebenso, dass ein todkranker Krebspatient eben keine quälende Chemotherapie mehr will. „Die Regel ist, dass es keine Regel gibt“, sagt der Arzt. „Wir sind dafür da, jeden Patienten individuell nach seinen Bedürfnissen zu behandeln.“ Seine Erfahrung: „Wer Schmerzen hat, stirbt früher. Auch wenn es dafür keinen wissenschaftlichen Beweis gibt.“ Schmerz versetzt den Körper in einen permanenten Stresszustand.

Damit die Patienten so wenig wie möglich leiden, arbeiten Hausärzte, Onkologen, Pflegedienste, Seniorenheime, Apotheken, die Kliniken in Neuruppin, Perleberg oder Kyritz und Pritzwalk, die ambulanten Hospizdienste und die ausgebildeten Palliativmediziner und -schwestern eng zusammen. Turnusmäßige Besprechungen in den drei Teams Prignitz, Neuruppin und Oberhavel, aber auch auf der Ebene des Palliativnetzes Brandenburg/Nordwest verbessern die Arbeit. „Wichtig dabei ist die Wertschätzung des anderen und gegenseitiges Vertrauen“, ist Parthe überzeugt.

Wie wichtig das Thema ist, zeigen regelmäßige Veranstaltungen auch in der Region: So gab es am gestrigen Dienstag einen Hospiz- und Palliativtag im Awo-Seniorenzentrum in Wittenberge. Mit einem Palliativtag soll das zehnjährige Bestehen des Palliativstützpunktes Neuruppin am 15. September in der Kulturkirche begangen werden. Veranstalter sind der Pflegedienst Hospa und der Palliativstützpunkt in Neuruppin. Zu den Referenten gehört neben anderen Palliativmedizinern auch Hartmut Parthe.

Von Beate Vogel

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