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Prignitz Paraguay trifft Pritzwalker Grundschüler
Lokales Prignitz Paraguay trifft Pritzwalker Grundschüler
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00:30 26.11.2015
Alice Ratzlaff de Dyck (l.) schaut sich in der Quandtschule um. Silke Bräutigam begleitet sie. Quelle: Beate Vogel
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Pritzwalk

Dass die Schulkinder in der Pritzwalker Quandtschule ruhiger und respektvoller seien als die in der paraguayanischen Hauptstadt Asunción, erstaunte dann doch etwas: Das jedenfalls meinte die südamerikanische Lehrerin Alice Ratzlaff de Dyck, die zurzeit ein Hospitationspraktikum an der Schule macht. Nicht nur sie lernt dabei etwas über das deutsche Schulsystem – auch die Gastgeber, Kinder und Lehrer – profitieren von dem dreiwöchigen Besuch, sagt Silke Bräutigam von der Quandtschule, die die Gastlehrerin ein wenig betreut.

Internationaler Austausch gefördert

Der Pädagogische Austauschdienst (PAD) organisiert im Rahmen verschiedener Programme wie Erasmus nicht nur internationale Austauschprojekte für Lehrer, Schulen und Kindergärten, hilft bei weltweiten Schulpartnerschaften und veranstaltet Konferenzen und Vorträge.

Das freiwillige soziale Jahr kann ebenfalls über den PAD absolviert werden. Auch internationale Schülerbegegnungen können gefördert werden. Einzelheiten zu den Programmen und Fördermöglichkeiten für Schulen und Schüler finden sich auf der Homepage www.kmk-pad.org.

Die Pritzwalker Quandtschule hatte erst im Dezember vergangenen Jahres die Georgierin Pikria Kobauri für drei Wochen zu Gast. Auch sie wurde von ihrer deutschen Kollegin Silke Bräutigam betreut.

Die Pritzwalker Quandtschüler werden sich wohl vor allem an die Geschichten und die Gegenstände erinnern, die die 60-Jährige aus ihrer Heimat mitgebracht hat: Indianische Handarbeiten, kleine gehäkelte Taschen zum Beispiel. Am meisten dürfte der getrocknete Klapperschlangenschwanz beeindruckt haben, den Alice Ratzlaff de Dyck bei ihren Besuchen der verschiedenen Klassenstufen zeigte. „Der rasselt sogar noch“, sagte sie. In mehreren Klassen hatte sie ihr Land und das Schulsystem in ihrer Heimat vorgestellt, in dem vom Kindergarten über die Vorschule, die Primaria und die Secundaria unterrichtet wird.

Im Unterricht in der Pritzwalker Schule sitzt die Gastlehrerin meist ganz hinten in der Klasse, erklärt Silke Bräutigam. „Wir haben ihr unsere Schule vorgestellt, die Organisation wie Hefterführung, Tagesplan oder Leseförderung erklärt – eben den ganz normalen Schulalltag.“ Besonders beeindruckt sei Alice Ratzlaff de Dyck davon gewesen, dass die Schüler einen Klassenrat bilden und in Diskussionen selbst ihre Kritikpunkte anbringen und Konflikte zu lösen versuchen.

Das wird sie wohl auch mit nach Hause nehmen, wenn sie am ersten Advent wieder nach Paraguay fliegt. „Ich verspreche mir von dem Besuch neue Ideen, andere Methoden, suche hauptsächlich Anregungen für den Unterricht“, sagt Alice Ratzlaff de Dyck. Außerdem könne sie ihr Deutsch auffrischen. Obwohl an ihrer Aussprache kaum zu merken ist, dass sie aus Südamerika kommt.

Die 60-Jährige findet es sehr interessant, die Klassen im Unterricht von hinten zu beobachten: „Da bekommt man Dinge mit, die der Lehrer vorn oft nicht sieht.“ Zum Beispiel, warum gerade jetzt Unruhe aufkommt. „Manchmal liegt es einfach an der Akustik, weil die Kinder weiter hinten nichts mitbekommen.“ Doch generell habe die Gastlehrerin eben beobachtet, dass die Schüler in der Pritzwalker Schule aufmerksamer seien als an ihrer Schule. „Wir haben deutsche und spanische Lehrer, vielleicht fehlt da ein bisschen die Strenge.“

Aufgewachsen ist Alice Ratzlaff de Dyck in einer deutschen Kolonie auf dem Land. Weil ihre Eltern Deutsche waren, hat sie einen deutschen Pass. Alice Ratzlaff de Dyck ist seit 26 Jahren Lehrerin und unterrichtet in Asunción Deutsch als Muttersprache, Deutsch als Fremdsprache, Mathematik und Sachkunde, beides ebenfalls auf Deutsch. Sie arbeitet am Colegio Alemán Concordia. „Das ist eine deutsche, christliche Privatschule“, erklärt sie.

In der paraguayanische Hauptstadt wohnen viele Deutsche, meist Nachfahren der Einwanderer. Und in den eher ländlich geprägten Kolonien sind die deutschen Einwanderer unter sich. „Da sprechen sie Deutsch“, sagt die Gastlehrerin. Doch auch in der Hauptstadt seien große deutsche Schulen nicht ungewöhnlich: „Es gibt zum Beispiel die Goetheschule mit 450 Schülern.“Zensiert wird mit Noten von 1 bis 5, wobei die 5 die beste Note ist.

Die Gastlehrerin ist über den Pädagogischen Austauschdienst (PAD) der Kultusministerkonferenz nach Deutschland gekommen. Es ist das erste Mal, dass sie eine Reise „über den großen Teich“ macht. Für die Quandtschule ist sie bereits die zweite Hospitationspraktikantin.

Von Beate Vogel

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