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Perleberg: Auf der Spur des Vorfahren

Familie von Max Theiß besucht Regionalmuseum Perleberg: Auf der Spur des Vorfahren

Max Theiß ist als Kommunist in den ersten Wochen der Machtergreifung durch die Nazis in eines der frühen Konzentrationslager gesteckt worden. Dokumentiert ist dies in der aktuellen Ausstellung „Terror in der Provinz Brandenburg“, die jetzt im Perleberger Regionalmuseum zu sehen ist. Nachkommen von Max Theiß sind dort jetzt zusammengekommen.

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Juliane Doehler, Thomas Bergmann und Frank Bergmann (v. l.).

Perleberg. Einen Tagesausflug nach Perleberg unternahmen am Sonntag einige Nachkommen des Perleberger Kommunisten und Widerstandskämpfers Max Theiß (1902-1974). Ihr Ziel war das Stadt- und Regionalmuseum der Rolandstadt, in dem noch bis zum 10. April die Wanderausstellung „Terror in der Provinz Brandenburg. Frühe Konzentrationslager 1933/34” zu sehen ist. Die Wanderausstellung thematisiert die Anfänge der Naziherrschaft nach dem 30. Januar 1933. Gegner der Nationalsozialisten wurden verhaftet, so auch in der Nacht vom 10. zum 11. Mai 1933 der Kommunist Max Theiß und weitere 25 Männer. Nachdem später zehn der 26 Häftlinge entlassen wurden, brachte man die übrigen mit fünf weiteren Häftlingen aus Lenzen am 29. Mai 1933 in das KZ Perleberg, darunter Max Theiß. Am 24. Juni wurde das Lager, das sich in der Feldstraße befand, aufgelöst und die 40 Gefangenen ins KZ Oranienburg überführt.

Urenkelin Juliane Doehler (geborene Theiß) ist sehr interessiert an ihrer Familiengeschichte und forschte im Internet, ob etwas über ihren Urgroßvater aufzuspüren war. „An dritter Stelle unter den Suchergebnissen fand ich den Eintrag über die Ausstellung im Perleberger Museum, in der auch Max Theiß erwähnt wird”, berichtete sie über ihre Recherche. Sie rief die in Perleberg lebende Nichte von Max Theiß, Gertraud Kuse, an, die das Familientreffen organisierte. Neben den beiden Frauen kamen die Enkel Frank und Thomas Bergmann aus Töplitz bei Werder sowie Peter Theiß aus der Schweiz mit Frau Iris und Max Theiß Tochter Annemarie Bergmann. Juliane Doehler, die heute in Dresden lebt, verbrachte ihre Kindheit in Töplitz, wo Max Theiß beerdigt ist: „Meine Uroma Hildegard Theiß habe ich noch erleben dürfen.”

„Es ist schön, dass sich unsere Tochter Gedanken über unsere Vergangenheit macht”, fand Peter Theiß. „Mein Großvater war eine Person, die für ihre Sache stand. Nach der Wende 1989 wurde alles ausgelöscht, was aus der DDR stammt. Schade!”, sagte er und spielt damit auf die Umbenennung der heutigen Friedrich-Gedicke-Oberschule in Perleberg an. Am 30. August 1983 erhielt die damalige Polytechnische Oberschule IV den Namen Max Theiß. Die ganze Familie Theiß war zum Festakt anwesend. 1991 wurde sie in Realschule Perleberg und 2005 in Friedrich-Gedicke-Oberschule umbenannt. Museumsleiter Frank Riedel dankte den Nachkommen: „Es ist schön, dass sich die Zeitzeugen treffen, mit denen man diskutieren kann. Es ist spannend zu hören, wie sie ihre Familiengeschichte reflektieren.” Er übergab der Familie Kopien von Skizzen, persönlichen Dokumenten wie ein Lebenslauf aus dem Jahr 1953, Fotos und eine Entlassungsbeurteilung aus dem Gefängnis, in dem Theiß 1923 inhaftiert war, weil er Flugblätter verteilte. Darin heißt es unter anderem: „Theiß ist verschlossen aber ehrlich. Er scheint technisch ein findiger Kopf zu sein.“ Es wurden einige alte Dokumente gesichtet, so seine Todesanzeige in der Schweriner Volkszeitung (SVZ) und ein Nachruf des Sekretariats der Kreisleitung Perleberg der SED.

Peter Theiß reichte am Sonntag den in Familienbesitz befindlichen Vaterländische Verdienstorden in Gold herum, der Max Theiß 1965 für sein Engagement als Widerstandskämpfer sowie als Aufbauhelfer der DDR verliehen wurde. Nach dem Krieg arbeitete Theiß in der SED-Kreisleitung Perleberg und als Rangierer bei der Bahn, erinnerten sich die Verwandten. Gewohnt habe er in der Lenzener Straße 10, im Tonkital und am Grahlplatz, wo er verhaftet wurde. Gertraud Kruse erinnerte sich: „Er hatte für jeden ein offenes Ohr und erklärende Worte. Wenn ich etwas nicht verstand, habe ich immer gesagt, ich gehe zu Onkel Max. Der erklärt es mir.” Einig waren sich die Familienmitglieder, dass man durch dieses Treffen im Museum tiefer in die Familiengeschichte eingedrungen sei und sich intensiver damit beschäftigte habe.

Von Jens Wegner

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