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Perleberg in Gedenken an die Pogrome

Perleberg Perleberg in Gedenken an die Pogrome

Vier Stolpersteine erinnern in der Altstadt von Perleberg an die Pogromnacht vom 9. November 1938. Anlässlich des Jahrestages am Donnerstagabend hat man an diese grausame Tat mit dem Putzen der Stolpersteinen gedacht. Die Gedenkveranstaltung stand in Kooperation mit Stadt, Kirche, Gymnasium, Kulturverein und dem Bund der Antifaschisten.

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Mit Essigwasser hat man die Stolpersteine wieder ordentlich zum Glänzen gebracht.

Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Perleberg. Man geht oft daran vorbei: Unscheinbar im Boden eingelassen tragen die Gold schimmernden sogenannten Stolpersteine zur Erinnerung an die Reichspogromnacht bei. Sie erinnern mit eingravierten Namen an jene, die in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wegen ihres jüdischen Glaubens vom nationalsozialistischen Regime ermordet oder in den Suizid getrieben wurden. Zudem sind dabei mehr als 1400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie Tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe zerstört worden.

In der Altstand von Perleberg tragen vier Stolpersteine zur Erinnerung bei und werden jährlich am Abend des 9. Novembers besonders hervorgehoben. In Kooperation mit dem Kulturverein und der Arbeitsgruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ des Gottfried-Arnold-Gymnasium veranstaltet die Stadt Perleberg traditionell eine Gedenkveranstaltung. So sind auch in diesem Jahr wieder am Donnerstagabend die Stolpersteine im Stadtgebiet geputzt und gepflegt worden, um sie glänzten zu lassen, jene Familien, die man damals vertrieben oder ermordet hat.

Mit viel Mühe und Fleiß haben die Schüler des Gottfried-Arnold-Gymnasiums den geschichtlichen Hintergrund aufgearbeitet und vorgetragen

Mit viel Mühe und Fleiß haben die Schüler des Gottfried-Arnold-Gymnasiums den geschichtlichen Hintergrund aufgearbeitet und vorgetragen.

Quelle: Marcus J. Pfeiffer

„Es ist ein Gedenken an deutsche Geschichte und eine schöne und wichtige Tradition in Perleberg. Schreckliche Bilder müssen das damals gewesen sein“, sagt Hagen Boddin, der stellvertretend für die Bürgermeisterin anwesend war. „Mit dem Putzen der Steine verbeugen wir uns vor den Opfern des Regimes und zollen ihnen Respekt.“ Unterstützung bekam die Veranstaltung durch die Evangelische Kirchengemeinde Sankt Jacobi, das Gottfried-Arnold Gymnasium sowie durch den Bund der Antifaschisten. So gab es in diesem Jahr eine musikalische Untermalung von dem Irankreis der Kirchengemeinde.

An jedem Stolperstein berichteten die Mitglieder der Schülergruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ über interessante geschichtliche Details zum Gedenken an die Personen und Familien. „Solch ein Ereignis darf sich nie wiederholen, daher wollen wir es immer wieder vor Augen halten“, meint Daniel Pöhl, Leiter der Arbeitsgemeinschaft. Aus diesem Grund unterstützten sie die Veranstaltung bereits zum achten Mal. „Stolpersteine. Ein Kunstprojekt für Europa.“ heißt das Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann und noch immer stetig erweitert wird. Der Künstler selbst verlegte im Jahr 2009 die Steine in Perleberg.

An jedem Stolperstein gaben die Mitglieder der Aktionsgruppen Informationen zu den Personen und den Familien

An jedem Stolperstein gaben die Mitglieder der Aktionsgruppen Informationen zu den Personen und den Familien.

Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Malwine Sternberg ist eines der damaligen Opfer, an die gedacht wird. Sie lebte im Großen Markt 12 im Obergeschoss, gab Klavier- und Gesangsunterricht, vermietete Wohnungen. An jenem Abend des 9. Novembers 1938 hat das Regime ihre Wohnung komplett zerstört. Sie selbst konnte sich glücklicherweise retten und floh ins Ausland. „Sechs Wochen später erhielt die Nachbarin von ihr einen Brief, dass sie noch lebe und ausgewandert sei“, berichtet Franziska Mäker aus der Aktionsgruppe des Gymnasiums. „Doch man hat sie aus ihrem Paradies für immer vertrieben.“

Die Texte und Informationen zu der jüdischen Geschichte in Perleberg stammen zum größten Teil aus einer Arbeit von Schülerinnen des Gottfried-Arnold-Gymnasium aus dem Jahr 1992. „Anlässlich der Namensfindung des Gymnasiums beschäftigten sich die Schüler mit Gottfried Arnold im Zusammenhang mit jüdischer Geschichte und dem Holocaust, und das in relativ kurzer Zeit“, berichtet der damalige Lehrer Hartmut Schneider. Bei einem Wettbewerb bekamen die Teilnehmer für diese Arbeit einen Anerkennungspreis. Erst 25 Jahre später fand man heraus, dass es sich wohl um die erste Arbeit im Osten Deutschlands handle, in der man sich mit jüdischer Geschichte auseinandersetzte. So bekam das Schülerwerk eine besondere Bedeutung.

Von Marcus J. Pfeiffer

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