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Perleberg Altlasten könnten Wohngebiet in Perleberg verhindern
Lokales Prignitz Perleberg Altlasten könnten Wohngebiet in Perleberg verhindern
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00:29 02.11.2018
Auf dem unscheinbaren Gelände sollen 20 000 Tonnen Boden mit gefährlichen Stoffe verunreinigt sein. Quelle: Marcus J. Pfeiffer
Perleberg

Vor einem Jahr begannen die Bauarbeiten auf dem Kasültenplatz in Perleberg. Auf dem Areal an der Quitzower und Dergenthiner Straße sollten Eigentumswohnungen entstehen. Die Stadt kaufte den Boden ohne zu wissen, dass sich im Erdreich große Mengen an Altlasten befinden.

Der Boden ist tief verunreinigt. „Teilweise ist es gefährlicher Abfall“, berichtete Hendrik Hilmer vom Ingenieurbüro Rauchen im September den Vertretern des Stadtparlaments. Nun sind alle sofort eingeleiteten Untersuchungen und Beprobungen des Bodens und des Grundwassers beendet, Ergebnisse liegen vor.

Deponie im Untergrund

Zyanit, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und viele weitere Stoffe konnten detailliert ermittelt werden. Schon vor einem Jahr, kurz nach Bekanntwerden des Problems, nahm die Kreisverwaltung die etwa 10.000 Quadratmeter große Fläche ins Altlastenkataster auf.

Im Untergrund befindet sich eine Deponie, die vermutlich aus den 1920er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammt. Was genau in den zurückliegenden 100 Jahren dort verschüttet wurde, lasse sich aber nur schwer rekonstruieren. Laut Hilmer könne es sich um Kohlenstoff oder Öle gehandelt haben.

20.000 Tonnen verunreinigter Boden

Nun stehen die Stadtverordneten vor einer besonderen Herausforderung. Sie müssen entscheiden, was mit der Fläche passieren soll. Entweder wird der Kasültenplatz für hohe Kosten saniert oder es bleibt alles beim Alten und die Freifläche steht für immer brach, lediglich eine Nutzung als Park wäre denkbar.

Da sich wohl kein dafür Verantwortlicher mehr findet, muss die Stadt Perleberg die Entsorgung in die Hand nehmen, sobald sie dort wie geplant eine Baufläche schafft. In der Summe ist ein Ausbau bis in circa zwei Meter Tiefe in einem Umfang von etwa 20.000 Tonnen Erde erforderlich.

Stadt vor besonderer Herausforderung

„Beim Betreten passiert noch nichts, nur, wenn man längerfristig damit intensiv in Kontakt kommt“, so Hendrik Hilmer im September. Allerdings sei mit den Stoffen auch nicht zu spaßen – es ist Abfall. Niemand wüsste so genau, was nun tatsächlich dort im Boden lagert.

Die Entsorgung wäre eine enorme Herausforderung. Ein geringer Teil ließe sich wieder einbauen. Der große Rest müsse fachgerecht verarbeitet und damit quer durch die Lande, wenn nicht sogar über die Landesgrenzen hinaus transportiert werden. Die gleiche Menge an Boden ist dann auch wieder auf den Kasültenplatz zu bringen.

Kosten von 2,73 Millionen Euro

Die dafür anfallenden Kosten sind wegen der schwierigen Durchmischung im Untergrund, der steigenden Baupreisen sowie geringer werdender Deponiekapazitäten nur schwer einzuschätzen und vorherzusagen. Sicher ist nur, dass das Grundwasser nach ersten Proben nicht belastet ist.

Daher ist eine Beseitigung laut Landkreis nicht zwingend erforderlich und gefordert. Momentan geht die Stadt von einer Bausumme in Höhe von 2,73 Millionen Euro aus. Kostenreduzierungen sind denkbar. Auch eine Förderung durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) scheint möglich.

Stadtverordnete beraten am Dienstag öffentlich

Aus dem Programm „Stadt-Umland“ ist eine Förderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt, heißt es in der aktuellen Beschlussvorlage der Stadtverwaltung. Die Zeit dafür sei aber relativ knapp, eine schnelle Entscheidung für diese einmalige Chance muss her.

Dazu beraten am kommenden Dienstag, 6. November, ab 18 Uhr die Vertreter des Stadtparlaments im Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Verkehr im Rathaus. Dort werden auch weitere Details seitens der Stadtverwaltung vorgestellt. Sollte die Sanierung beschlossen werden, bleibe die weitere Erschließung zu einem Wohngebiet möglich. Das sei aber nicht Teil der aktuellen Diskussion.

Von Marcus J. Pfeiffer

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