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Perleberg Auf den Spuren der alten Transitstrecke
Lokales Prignitz Perleberg Auf den Spuren der alten Transitstrecke
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01:15 17.03.2019
Zwei Sowjetsoldaten, aufgenommen 1982 an der Transitstrecke in Perleberg. Quelle: Harald Schmitt
Perleberg

Es sieht recht harmlos aus, wie die beiden Sowjetsoldaten da so in Perleberg sitzen. Doch das Foto, das im September 1982 entstanden ist, hätte für den Fotografen Harald Schmitt durchaus Folgen haben – es wäre zu jenem Zeitpunkt als „Spionage“ eingeschätzt worden.

Und so hätte es mit einigen Aufnahmen gehen können, die vor mehr als 36 Jahren entlang der alten Transitstrecke F 5, der heutigen Bundesstraße  5, entstanden sind.

Harald Schmitt arbeitete damals als Korrespondent für den Stern in der DDR und wollte die Strecke nochmal abfahren, bevor die Autobahn Hamburg-Berlin eröffnet wurde, die sie als Transitstrecke ablöste.

„Für einige Bilder wäre ich in den Knast gekommen“

Er hat illegal fotografiert: „Für einige Bilder wäre ich in den Knast gekommen“, erzählte er am Mittwoch einer großen Besucherschar im Dokumentationszentrum Perleberg.

Es ist ein Blick in eine andere Zeit. Er habe oft „geflucht, weil die Straßen so eng gewesen sind“, bekannte der Fotoreporter. Harald Schmitt wollte im vergangenen Jahr noch einmal die Orte entlang der Strecke besuchen, an denen er 1982 gewesen ist.

Die alte Transitstraße F5 im September 1982 am Bahnübergang in Karstädt, den es mittlerweile gar nicht mehr gibt. Damals war aber hier die Hauptdurchgangsstrecke.. Quelle: Harald Schmitt

Zwei Mitstreiter hatte er dafür gefunden: die im Iran geborene Berliner Fotografin Ladan Rezaeian und den Historiker Ulrich Mählert. Sie waren, so Mählert, „überrascht, wie schon das alles geworden ist“.

Mancher Ort ist nach fast 40 Jahren verschwunden

Manchen Ort fanden die drei aber gar nicht mehr. Etwa den Bahnübergang in Karstädt, der noch viele Jahre nach der Wende und erst recht zu DDR-Zeiten gefühlt mehr geschlossen als offen war, bis ihn die Ortsumgehung überflüssig machte.

Die drei waren nach Perleberg gekommen, um in einer ersten Werkschau zu zeigen, was das Ergebnis ihres Trips war. Eine Entdeckungstour, für die sie im vorigen Sommer zwei Tage auf der B5 von Berlin über Nauen, Kyritz, Perleberg und Ludwigslust bis Boizenburg unterwegs waren.

Gemeinsam mit der im Iran geborenen Berliner Fotografin Ladan Rezaeian und dem Historiker Ulrich Mählert (l.) hat Harald Schmitt die Reise entlang der alten Transitstrecke nochmal unternommen. Daraus entsteht jetzt ein neues Fotoprojekt.    Quelle: Bernd Atzenroth

Ganz anders als Schmitt im September 1982, als er jeden fotografierten Ort dreimal aufsuchte. Ihre 35-minütige, mit Musik von Silly, Stern Meißen, Gerhard Gundermann und anderen Ost-Musikgrößen untermalte Dia-Schau reicherten sie mit den Bildern von 1982 an.

Als der Transit mitten durch Perleberg lief

Das Publikum hätte sich davon allerdings mehr gewünscht – was die unterschiedlichen Erwartungen an diesen Abend deutlich macht. Denn während die drei mehr die Veränderung zeigen wollten, löste das Thema bei den alten Prignitzern Erinnerungen an Zeiten aus, die so lange noch gar nicht her, aber doch kaum noch vorstellbar sind.

Die alte Beschilderung an der Transitstrecke von Perleberg steht mittlerweile am DDR-Geschichtsmuseum. Quelle: Ulrich Mählert

Das machte die Einführung von Gastgeber Hans-Peter Freimark deutlich, der sich an die Zeit erinnert, als die Transitstrecke mitten durch Perleberg verlief – über Hamburger Straße, Am Hohen Ende, Poststraße, zeitweise auf dem Großen Markt zwischen Rathaus und Kirche hindurch und über Krämer- und Bäckerstraße an der Polizei vorbei wieder aus der Stadt hinaus.

Der Blick in die andere Welt

„Wenn in Quitzow ein Bus anhielt, dann war das für uns als Kinder ein Blick in die andere Welt“, erinnert er sich, „die schmissen die Colabüchsen weg, und wir wollten sie haben.“ Die riesige Freude darüber, etwas ergattert zu haben, währte nicht lange, dann nahm ihnen die Volkspolizei alles wieder weg.

Und so kamen sie, die Erinnerungen der Menschen, etwa an noch härtere Winter, auf denen Lkws über das Pflaster in der Innenstadt rutschten und so manche Schaufensterscheibe mitnahmen.

Dass zwischen dem Perleberger Rathaus und der Kirche einmal die Transitstrecke durchführte, mag man sich heute kaum noch vorstellen. Quelle: Harald Schmitt / Stern

Oder die Erinnerung daran, dass die heute sanfte Kurve bei Groß Werzin einmal sehr viel schärfer war: „Wir haben alles eingesammelt, was da runtergefallen war“, erinnert sich ein Mann. Einmal war auch Whisky dabei, den der örtliche Gastwirt dann ausschenkte – was ihn ins Gefängnis brachte.

Ein Lkw-Unfall sicherte auf Monate die Kaffeeversorgung

Eine vergleichbare Geschichte hatte der Glövziner Arnold Blum auf Lager: Er erinnerte sich an einen mit Kaffee beladenen Lkw, der umgekippt war. „Da sind die Leute mit Schubkarre gekommen und haben die Kaffeepakete eingesammelt – die Versorgung mit Kaffee war über Monate gesichert“, erinnert er sich.

Blum erinnerte sich wie Freimark noch daran, dass an Feiertagen wie Pfingsten nichts mehr ging auf der Transistrecke, manchmal die Fahrzeuge nicht aneinander vorbeikamen und man den Menschen aus dem anderen Deutschland unerwartet nahe kam.

Treffen im Gasthof bei Quitzow – und die Stasi war dabei

Helmut Petrick, ein ehemaliger Journalist, der aus Perleberg stammt, aber schon vor dem Abitur gen Westen geflohen ist, erzählte davon, dass der Gasthof Quitzow an der Transitstrecke auch Treffpunkt war. Er konnte genau die Stasi-Überwachung auf dem Gelände beschreiben und auch, wie er beim Grenzübergang wegen des Treffens in Quitzow Schwierigkeiten bekam – dabei wollte er nur aus Anlass seiner Hochzeit die Eltern seiner Frau kennenlernen.

Dass zwischen dem Perleberger Rathaus und der Kirche einmal die Transitstrecke durchführte, mag man sich heute kaum noch vorstellen. Quelle: Harald Schmitt / Stern

Aus den alten Bildern von der Transistrecke hatte Schmitt für das Jahr 1985 einen Kalender angefertigt, der heute ein Bilddokument ist. Das Dokumentationszentrum Perleberg hat die Bestände erworben. Wer sich dafür interessiert, kann ein Exemplar für drei Euro kaufen.

Kontakt: Hans-Peter Freimark, 0162/5 88 76 40.

Von Bernd Atzenroth

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