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Perleberg „Arbeit statt Strafe“ – eine Alternative zum Gefängnis
Lokales Prignitz Perleberg „Arbeit statt Strafe“ – eine Alternative zum Gefängnis
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01:15 15.03.2019
Andrea Lind-Wetzlmair (M.) erläuterte den Besuchern der Ausstellungseröffnung, was es mit dem Projekt Haftvermeidung auf sich hat. Links von ihr hört Anne-Katrin Escher-Lorenz zu, rechts Mike Balzuweit. Quelle: Bernd Atzenroth
Perleberg

Wer sich über das CJD-Projekt „Haftvermeidung durch soziale Integration“ (HSI) informieren will, kann dies in den kommenden zwei Monaten im Foyer der Prignitzer Kreisverwaltung in Perleberg zu deren Öffnungszeiten tun.

Dort wurde am Dienstag die Wanderausstellung eröffnet, die vor allem das gesellschaftliche Engagement der gemeinnützigen Beschäftigungsstellen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken und würdigen will.

Gemeinnützige Arbeit statt Ersatzhaftstrafe

Die Ausstellung trägt den Titel „Arbeit statt Strafe – Wir sind dabei!“ und war bereits in Kyritz zu sehen. Jetzt freuen sich Projektleiterin Andrea Lind-Wetzlmair und ihre Mitarbeiterin Sandra Arndt, auch in der Prignitz-Kreisstadt die Schau mit zwölf Postern zeigen zu können. „Wir sind froh, dass wir jetzt auch in der Prignitz ausstellen“, sagt Lind-Wetzlmair.

Inhalt von HSI ist es, dass Menschen, die mit einer Geldstrafe belegt worden sind, diese aber nicht zahlen können, keine Ersatzhaftstrafe antreten müssen, sondern statt dessen ihre Strafe in Arbeit für gemeinnützige Vereine und Organisationen ableisten können – etwa 660 Menschen werden allein im Landgerichtsbezirk Neuruppin jährlich auf diese Art betreut.

Ein Dankeschön an alle, die unentgeltlich helfen

Das Projekt wird gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg.

Kern der Ausstellung ist es, die Projektpartner vorzustellen und für die aufwendige Arbeit Danke zu sagen. Die Straffälligen müssen schließlich eingearbeitet werden. Anleiter haben den ordnungsgemäßen Ablauf zu überwachen und halten mit dem HSI-Team Kontakt.

Für all dies erhalten die Beschäftigungsstellen keine Vergütungen.

Porträts von zehn Beschäftigungsstellen

Porträtiert werden auf insgesamt zwölf Tafeln zehn Beschäftigungsstellen aus allen vier Landgerichtsbezirken, die das Projekt mittlerweile umfasst.

Darunter ist der Boxsportclub Veritas Wittenberge, den bei der Eröffnung der Vorsitzende Mike Balzuweit vertrat. Dort können Projektteilnehmer ihre Strafe ableisten, etwa mit Gartenarbeiten, Baumschnitt, Pflege und Wartung der Sportanlagen sowie Reinigungsarbeiten im Sozialtrakt und in der Sporthalle.

Mike Balzuweit: „Manchmal muss man etwas Geduld haben“

Balzuweit ist ihr ehrenamtlicher Anleiter. Er kann auch davon berichten, dass dies nicht immer leicht ist. Etwa im Fall eines Mannes, der wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz Sozialstunden ableisten musste, aber aufgrund seines Drogenkonsums anfangs Probleme mit der Pünktlichkeit und der Zuverlässigkeit hatte.

Zunächst bot ihm Balzuweit an, versäumte Arbeitszeit flexibel bis in die späten Abendstunden nachzuholen. Mit der Zeit lernte der Mann wieder Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Doch das bedeutet für Anleiter wie Balzuweit auch, sich immer kümmern zu müssen, wie er bei der Ausstellungseröffnung bekannte. „Manchmal muss man etwas Geduld haben“, sagt er.

Andrea Lind-Wetzlmair erläuterte den Besuchern der Ausstellungseröffnung, was es mit dem Projekt Haftvermeidung auf sich hat. Quelle: Bernd Atzenroth

Die Kooperation zwischen CJD und Boxsportclub währt schon 13 Jahre. 60 Menschen wurden dabei betreut und begleitet.

Neben den Wittenbergern sind in der Ausstellung aus dem Landgerichtsbezirk Neuruppin, in dem das CJD Berlin-Brandenburg Träger von HSI ist, noch die Kyritzer Kulturgemeinschaft „Jung und Alt“ sowie die gemeinnützige Projekt- und soziale Regionalentwicklungsgesellschaft Pur aus Hennigsdorf vertreten.

Andrea Lind-Wetzlmair: „Alles, was gemeinnützig ist“

Insgesamt gibt es derzeit etwa 50 solche Beschäftigungsstellen. Sie reichen von der Friedhofsverwaltung über Kirchengemeinden, Jugendclubs wie den Wittenberger „Würfel“ über Bauhöfe (ebenfalls in Wittenberge) bis hin zum Perleberger Tierpark. Letztlich komme dafür, so Andrea Lind-Wetzlmair, „alles in Frage, was gemeinnützig ist“.

Natürlich gehört auch das CJD selbst zu den Beschäftigungsstellen. Anleiter ist in Perleberg Falk Schumacher, für den dies eine doppelte Belastung bedeutet, wie Andrea Lind-Wetzlmair im Gespräch mit der MAZ betonte.

Viele Gäste bei der Ausstellungseröffnung

Zur Eröffnung der Ausstellung, die die HSI-Macher auch als Dankeschön an ihr zumeist ehrenamtliches Netzwerk und die Anleiter verstehen, kamen unter anderem auch Landrat Torsten Uhe, der Prignitzer Polizeichef Dieter Umlauf sowie die Gesamtleiter des Christlichen Jugenddorfwerks (CJD) Berlin-Brandenburg, Anne-Katrin Escher-Lorenz und Wolfgang Bergner.

Telefonisch erreicht man die Mitarbeitenden des Projektes Haftvermeidung durch soziale Integration unter 0 38 76/ 78 34 28 sowie mobil unter 01 73 / 7 45 82 62.

Von Bernd Atzenroth

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