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Perleberg Ein Stück Prignitz von oben
Lokales Prignitz Perleberg Ein Stück Prignitz von oben
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08:03 13.10.2018
Mit Ballonfahrer Frank Fano (r.) aus Kyritz ging es luftwärts durch die Prignitz. Quelle: Christian Bark
Wittenberge

Es ist 6.30 Uhr morgens am Einkaufszentrum WEZ in Wittenberge – noch überlegen Ballonfahrer Frank Fano und sein Kollege Enrico Siebrecht, ob sie mit ihrer Gruppe in die Luft gehen wollen oder nicht. „Der Wind scheint noch zu stark zu sein“, sagt Karin Diedrichs. Sie kommt aus Seehausen auf der anderen Seite der Elbe. Seit vielen Monaten wartet sie darauf, endlich abheben zu können – heute könnte es endlich klappen.

Ballonfahrer Frank Fano startete seine Tour von Wittenberge nach Perleberg. Das der Ballon überhaupt aufsteigen und fahren kann, hängt von vielen Faktoren ab.

„Wenn der Wind zu schwach ist, kommen wir nicht weit, ist er zu stark, können wir auch nicht abheben“, erklärt Ballonfahrer Frank. Sicherheit geht vor, das weiß auch Karin Diederichs. „Und außerdem will ich für mein Geld ja auch was sehen“, sagt sie.

Neben mir und meiner Freundin aus Wittstock ist am Morgen noch ein weiteres Pärchen am Start. Martin Beye aus Hinzdorf und Jeanette Buknowitz aus Breese hoffen ebenso wie wir, dass es diesmal klappt.

Wittenberge von oben: Das Rathaus haben aus dieser Perspektive wohl nur wenige gesehen. Quelle: Christian Bark

Und die Himmelsgötter scheinen ein Einsehen mit uns zu haben. „Einsteigen, es geht los“, ruft Frank. Mit dem Kleinbus, der den Hänger mit dem Ballonkorb zieht, geht es über die Elbbrücke. Gleich dahinter fahren wir auf eine Wiese. „Hier war 2013 Land unter“, erinnert sich Karin an das jüngste Elbe-Hochwasser.

Nun ist unsere Hilfe gefragt. Während Frank schon den Brenner am Ballonkorb ausprobiert, rollt Enrico den Ballon aus. Martin hilft ihm dabei, muss dann ein Tau halten. Meine Freundin und ich halten zwei Taue, die wir nach und nach durch unsere Hände fahren lassen müssen, während sich der Ballon mit heißer Luft durch den Brenner füllt.

Auch de MAZ war mit oben. Quelle: Privat

Die Vorbereitungen dauern gut eine halbe Stunde, dann können wir einsteigen. Zuvor hatte uns Frank über die richtige Position im Korb beim Landen aufgeklärt – immer mit dem Rücken zum Korb, egal ob bei einer „sportlichen“ oder „Altherrenlandung“.

Und schon steigen wir auf, ebenso wie die Sonne. „Glück ab, gut Land“, gibt uns Enrico den alten Ballonfahrergruß mit auf den Weg. „Luftdruck, Temperatur und natürlich der Wind spielen beim Ballonfahren eine Rolle“, erklärt Frank. Die Höhe und auch die Position des Korbes kann er etwas durch den Brenner regulieren, ansonsten sind wir von besagten Verhältnissen abhängig.

Perleberg ist nahe. Quelle: Christian Bark

Drei Gasflaschen hat Frank an Bord, jede mit gut 30 Litern gefüllt. Über 20 Jahre war er hauptberuflicher Ballonfahrer. Jetzt macht er das noch als „Hobby“ und ist eigentlich Flugplatzleiter in Kyritz. „Das Wetter hat sich in den vergangenen 13 Jahren so verändert, dass unsere Starts rapide abgenommen haben“, sagt er.

Ballonfahrer ist die richtige Bezeichnung für den Kyritzer. „Allerdings haben mich die Leute auch schon Fahrer oder Heizer genannt“, erinnert sich Frank.

Unter uns liegt die Elbe, darin spiegelt sich der rote Ballon. Wir überfahren Wittenberge und Breese. „Die Heimat von oben zu sehen ist schon was Besonderes“, sagt Jeanette. Über den Wäldern sehen wir den Schatten des Ballons. Wir sind jetzt etwa 400 Meter hoch.

Die richtige Landeposition. Quelle: Christian Bark

Gut 45 Minuten sind wir in der Luft. Fahren in Richtung Perleberg. Dann verlieren wir an Höhe. Frank schaut sich schon nach einer passenden Landewiese um. „Wir sind auch schon mal in einem Tümpel und in der Havel runtergekommen“, sagt er.

Diesmal läuft aber alles glatt. In Düpow bei Perleberg nähern wir uns einer Wiese. Die ersten Anwohner, die ihre Gänse füttern, grüßt Frank von oben. Dann hüpft der Ballon von einer Stelle der Wiese zur anderen.

Enrico ist mittlerweile mit dem Auto gekommen. Die Frauen steigen zuletzt aus und verharren auf dem Rücken liegend in der Landeposition. Nachdem alles überstanden ist, geht es noch darum, den 30 Meter langen Ballon einzurollen - wir helfen wieder fleißig mit und werden belohnt.

Frisch geadelt: die Passagiere. Quelle: Christian Bark

Nach einem kurzen Vortrag über die Geschichte des Ballonfahrens, werden wir in den Adelsstand erhoben. Zur Taufe werden unsere Haarschöpfe angezündet und im Sektglas gelöscht. Jeder erhält eine Taufurkunde.

Ich bin nun „königlicher Hofberichterstatter Christian interessiert die Gegend knipsend zur Wiese“. „Den müsst ihr drauf haben, wenn Euch jemand danach fragt“, sagt Frank. Sonst wird eine Runde fällig. Ebenso sind wir nun verpflichtet, immer wenn wir in der Nähe sind, Ballonfahrern beim Starten und Landen zu helfen. Und ganz wichtig. „Sagt niemals ’fliegen’, es heißt ’Ballonfahren’“, mahnt Frank. Sonst – na Sie wissen schon.

Von Christian Bark

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