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Perleberg Schüler waren die perfekten Gastgeber
Lokales Prignitz Perleberg Schüler waren die perfekten Gastgeber
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00:22 16.12.2018
Pauline, Darlyn, Paulina und Klara übten sich im Falten von Servietten. Quelle: Bernd Atzenroth
Bad Wilsnack

„Die Servietten!“ Die Antwort eines Mädchens kaum wie aus der Pistole geschossen. Doch die Frage, mit was man sich am Esstisch die Nase putzt, hatte sie damit leider falsch beantwortet. Dafür gibt es andere Hilfsmittel. „Die Servietten sind nur zum Abwischen für Finger, Mund und Hände“, erklärte Hoteldirektorin Marlen Wege vom Vitalhotel Ambiente in Bad Wilsnack. Man sieht: Es gab durchaus Aufklärungsbedarf in Sachen richtige Tischmanieren. Dem wollten am Mittwoch in der Bad Wilsnacker Elbtalgrundschule Marlen Wege und Restaurantfachfrau Stefanie Zielasko abhelfen.

Von den guten Tischmanieren bis zum respektvollen Auftreten: Sechstklässler aus bad Wilsnack wurden gut vorbereitet, um die ganze Schule beim Weihnachtsessen perfekt zu bewirten, und lernten dabei gleichzeitig etwas für das Leben. Hier ein paar Bilder davon.

Seit sechs Jahren bereits veranstaltet die Elbtalgrundschule für Schülerinnen und Schüler der sechsten Klassenstufe einen Benimmkurs, so auch in diesem Jahr wieder. Und Tradition ist es, dass die Kinder das erlernte Wissen auch gleich wieder anwenden können. Denn direkt im Anschluss ist das alljährliche Weihnachtsessen angesetzt, und da bedienen die frisch geschulten Jung-Fachkräfte aus der sechsten Klasse alle ihre Mitschüler.

Auf dem Speiseplan stand diesmal Hähnchenbrust mit Rotkohl, Kartoffeln mit Soße und ein Schokopudding zum Nachtisch. Aufgetragen werden sollte das Essen in großen Schüsseln. In zwei Durchgängen waren hier etwa 120 Menschen zu bewirten. Darauf hatte sich auch der Schulversorger Prignitz-Menü wie in jedem Jahr vorab gut eingestellt.

Adib (l.) ließ sich von Johannes beim Falten der Servietten helfen. Quelle: Bernd Atzenroth

Und die Kinder waren top vorbereitet „vier Stunden Vorbereitungsarbeit, damit das heute richtig läuft“, so Schulsozialarbeiterin Ramona Winter vom SOS Kinderdorf, die zusammen mit Klassenlehrerin Karin Friemel daran beteiligt war. Das Hotel Ambiente war in diesem Jahr zum zweiten Mal dabei – in den vergangenen vier Jahren hatten Kräfte des Hotels an der Therme die Mädchen und Jungen den richtigen Schliff beigebracht. Das ging in diesem Jahr nicht und so übernahmen Marlen Wege und Stefanie Zielasko gerne die Aufgabe.

Vor den staunenden Kindern – 18 nahmen an dem Kurs teil – demonstrierte Stefanie Zielasko, wie man eine Tischdecke richtig auflegt und an welcher Stelle sich ein Kellner beim Bedienen postiert. Marlen Wege erklärte dann das Auflegen von Tellern. Beide zusammen zeigten darauf, wie man Besteck richtig positioniert. Dafür gibt es auch Faustregeln, etwa die kleine von den Kindern belächelte Eselsbrücke „Er liegt über ihr“ für das Dessertbesteck. Was bedeutet, dass der Löffel über der Gabel liegt, wobei der Griff der Gabel nach links zeigt und der Griff des Löffels nach rechts. All dies war auf einem Merkzettel mit der Überschrift „Eine Einladung ins Restaurant – wie verhalte ich mich richtig“ vermerkt.

Am Ende lief alles perfekt beim Weihnachtsessen in der Elbtalgrundschule. Quelle: E-Mail-MVD

Anschauungsunterricht konnten die Schülerinnen und Schüler aber auch schon in den Vorjahren nehmen. Auf die Frage „Wisst Ihr etwas, das ihr besser machen werdet?“ gab es aus einem Mädchen-Quartett die einhellige Antwort „Ja!“ Darlyn, Pauline, Paulina und Klara waren gerade dabei, Servietten schön zu falten, als sie dies unisono sagten. Sie haben sich vorgenommen, andere nicht beim Essen zu stören und beim Bedienen mit den Haaren aufzupassen.

Gegenüber, an einem Jungen-Tisch, hat man sich darüber noch nicht so richtig Gedanken gemacht. „Ich habe keine Ahnung, was man besser machen würde“, meinte zum Beispiel Johannes, der aber immerhin seinem Tischnachbarn Adib dabei helfen konnte die Servietten richtig zu falten. „Du musst die linke Hand nehmen“, erklärte er, und dann klappte es bei Adib auch gleich besser. Das taten am Tisch auch Miká und Hans. Später sollten sie als Bedienung beide einen guten Auftritt hinlegen. Andere Jungs wiederum wollten nicht so richtig einsehen, warum Messer und Gabel genau einen Daumenbreit von der Tischkante entfernt hingelegt werden sollen.

„Es geht dabei auch um Respekt“

„Die Kinder wissen heute auch, dass sie einen anderen Ton anschlagen müssen“, ergänzt Ramona Winter. Bei all dem geht es eben nicht nur darum, ob man Gabel, Löffel richtig hinlegt oder das Glas an der richtigen Stelle anfasst (nämlich möglichst weit unten). Schulsozialarbeiterin Ramona Winter: „Es geht dabei auch um Respekt, den man anderen entgegenbringt“, sagt sie. Weitere Aspekte sind das Benehmen als Gast oder in der Klasse.

Selbst das Thema Mobbing wird dabei angesprochen, zuvorderst aber ein höflicher Umgang im Miteinander. Die Worte Bitte, Danke und Entschuldigung sollen dabei für die Jugendlichen keine Fremdworte bleiben. Das Handy sollte lautlos und in der Tasche bleiben, der Kaugummi ist aus dem Mund zu nehmen. Und selbstverständlich hält man Eltern und Großeltern die Tür auf und hilft den Gästen auch in die Jacken.

Alle Schüler sind top gekleidet

Ein anderer Aspekt, der gerade an diesem Tag wichtig wird, ist die Hygiene – was ein durchaus heikler Punkt sein kann. Tatsächlich waren die jungen Leute gefordert, gerade an diesem Tag extrem auf die Sauberkeit zu achten und sich schick zu kleiden. Das hat schon einmal gut geklappt: „Alle Schüler sind top gekleidet“, freute sich die Schulsozialarbeiterin, „und die Mädchen haben ihre Haare vernünftig.“

Was auch immer an Benimmregeln letztlich hängenbleibt: Für die Kinder dürfte dieses Ereignis zu bleibenden Erinnerung werden, da ist sich Ramona Winter ganz sicher: „Das Schöne ist: Die ehemaligen Schüler fragen mich: Ramona, machst Du das noch?“ Die Antwort ist klar: Auf ein Neues im kommenden Jahr.

Von Bernd Atzenroth

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