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Perleberg Cannabis ist kein Wundermittel
Lokales Prignitz Perleberg Cannabis ist kein Wundermittel
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17:52 16.09.2018
In der mit Zuhörern voll besetzten Cafeteria lauschten die Gäste den Vorträgen der Referenten. Quelle: Jens Wegner
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Perleberg

Am Sonnabend hieß Krankenhaus-Seelsorger Olaf Glomke alle Gäste zum 6. Hospiz- und Palliativtag in der vollen Cafeteria des Kreiskrankenhauses Prignitz in Perleberg willkommen.

„Wir haben heute allerhand vor”, kündigte er an. Schmerz sei etwas, das alle kennen. Schmerzen können die Lebensqualität beeinträchtigen. Darüber gäbe es Vorträge.

Erst Nutzpflanze, dann verboten

In der Pause, so informierte er, stellen sich an Ständen im Innenhof Einrichtungen wie beispielsweise das Awo-Seniorenzentrum Wittenberge, die Seniorenpflegezentren in Perleberg und Wittenberge oder die Diakonie Wittenberge vor. Carmen Koynowski vom Verein Suchthilfe Prignitz hielt einen Vortrag über Hanf (Cannabis).

„Es ist keine Wunderdroge und kein Wunderheilmittel”, stieg sie in den Vortrag ein. Hanf wurde lange als Nutzpflanze verwendet, bevor es verboten wurde. Hanf würde sich gut als Zimmerpflanze eignen wegen seines schönen Grüns, wenn er nicht verboten wäre.

Einstiegsdrogen seien Süßes, Cola und Alkohol

„Im Jahr 2017 haben wir rund 80 Cannabisabhängige behandelt und rund 260 Alkoholabhängige. Die Zahlen sind von Jahr zu Jahr gestiegen. Die Dunkelziffern liegen viele höher”, schätzte sie. Cannabis sei nicht die Einstiegsdroge. Die seien Bonbons, Schokolade, Cola und Alkohol. Cannabis sei aber die Einstiegsdroge, wenn es um illegale Drogen gehe.

Die Hanfpflanze war in China schon 3000 Jahre vor Christi bekannt wegen ihrer psychotischen Wirkung. Neben THC, dem Stoff, der die Rauschwirkung ausmacht, enthalte Cannabis rund 4000 andere Stoffe, erklärte sie den Gästen. „Durch die Konsumierung von Cannabis wird die Grundstimmung verstärkt. Wer also gerade einen schlechten Tag hatte, dem geht’s dann noch schlechter”, warnte sie. „Cannabis macht psychisch abhängig. Wir hatten auch schon Fälle, wo wir eine physische Abhängigkeit hatten.”

Palliativ-Medizin wird immer wichtiger

Über den Umgang mit Schmerzen in der Palliativ-Medizin sprach Christoph Jacobi, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin. Auch in seinem Vortrag ging es unter anderem um die medizinische Anwendung von Cannabis. „Erst 1999 gab es den ersten Lehrstuhl für Palliativ-Medizin”, berichtete er eingangs. Der Stellenwert der Palliativ-Medizin habe sich geändert. Während früher erst die kumulative Behandlung eines Patienten erfolgte, der sich später die palliative Behandlung anschloss, werden heute beide Behandlungen gleichzeitig angewendet.

Patienten profitierten einer Studie zufolge dadurch von einer besseren Lebensqualität und sogar einer längeren Lebensdauer. Grundsätzlich gilt die Palliativ-Medizin der Erhaltung der Autonomie und der Würde des Patienten. Der Tod werde weder beschleunigt noch hinausgezögert. Aktive Sterbehilfe werde strikt abgelehnt. Für Palliativ-Patienten sei es wichtig, dass sie weitestgehend schmerzfrei leben könnten.

„Fragt man Doktor Google, dann ist der Stellenwert von Cannabis fünfmal so hoch wie von Morphin”, stellte der Chefarzt fest. 1061 Menschen in Deutschland verfügten derzeit über die Erlaubnis, medizinisches Cannabis zu erwerben. Am häufigsten wird der Stoff gegen Schmerzen eingesetzt, aber auch gegen ADHS, Spastik und Depressionen. Zusammenfassend stellte er fest, dass vorhandene Schmerzmittel meist ausreichend sind. „Cannabis”, betonte er nochmals, „ist kein pflanzliches Wundermittel.”

Von Jens Wegner

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