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Perleberg Europa in der Altstadt
Lokales Prignitz Perleberg Europa in der Altstadt
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10:30 29.07.2018
Annett Jura hält zusammen mit Jens-Peter Golde die Plakette „Denkmal des Monats“ an das Haus Großer Markt 4. Quelle: Wolfram Hennies
Perleberg

„Die Kreativität Perlebergs ist beispielgebend für alle 31 brandenburgischen Mitgliedsstädte der AG Städte mit historischem Stadtkern“, sagte Michael Knape, Bürgermeister der Stadt Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, am Sonnabend bei der Eröffnung des Perleberger Beitrages zur Kulturlandausstellung „Europa ist hier“. Zusammen mit den Ausstellungstafeln vergangener Jahre könne man die Altstadt besser erleben.

In der Stadt stehen die Aufsteller für die Kulturlandausstellung „Europa ist hier". Quelle: Wolfram Hennies

Knape rief auf, jetzt die europäischen Spuren in Perleberg zu entdecken. Perlebergs Bürgermeisterin Annett Jura verwies auf zahlreiche europäische Einflüsse, die ihren Niederschlag in der Altstadt gefunden haben: Baumaterial aus Skandinavien, Baustile aus verschiedenen Epochen europäischer Kunstgeschichte und europäisch geprägte Biografien einstiger Perleberger. Die fünf Ausstellungstafeln rund um das Perleberger Rathaus möchten den Besucher zu einem Stadtrundgang anregen, um die gezeigten Bildbeispiele zu entdecken – sei es Bauwerke von Stüler oder klassischen Stilformen an Gebäuden des 19. Jahrhunderts.

Ines Jesse, Staatssekretärin des Landesministeriums für Infrastruktur und Landesplanung, sprach ihren Dank an die Bürger aus, die dazu beigetragen haben, dass sich die Innenstadt so weiterentwickelt hat, dass Menschen hier gern wohnen. Die Strategie des Landes sei „Eine Stadt für alle“.

Starkes Europa als Solidargemeinschaft

Dabei wird „das europäische Kulturerbe auch in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen.“ Sie forderte: „Wir brauchen ein starkes Europa als Solidargemeinschaft, denn nur gemeinsam sind wir stark.“ Jesse unterstrich damit die Mahnung der Bürgermeisterin, dass die Stadtentwicklung nur mit gemeinschaftlichem Engagement funktioniere.

Das Tätigsein der Bürger rückte auch Brigitte Faber-Schmidt, Geschäftsführerin von Kulturland, in den Fokus ihres Grußwortes. Sie forderte dazu auf, die kulturellen Wurzeln in Europa aufzuspüren, deren Werte erlebbar zu machen und sie zu gestalten.

Das Haus Großer Markt 4 ist das Denkmal des Monats. Quelle: Wolfram Hennies

Der Neuruppiner Bürgermeister Jens-Peter Golde hielt dann mit Annett Jura die Plakette „Denkmal des Monats“ der AG Städte mit ­historischem Stadtkern an das Haus Großer Markt 4, das 1525 errichtet wurde und durch seine Knaggenfiguren bekannt ist. Die monatlich ausgewählten Einzeldenkmale oder Ensembles machen in ­besonderer Weise die Vielfalt der kulturellen Tradition erlebbar und stärken die Verbundenheit der Bürger mit ihrer Stadt. Sie wurden beispielhaft saniert oder stehen für besondere Herausforderungen der Erneuerung der historischen Stadtkerne.

Der Außenbereich von Großer Markt 4 wurde zwischen 1996 und 1999 denkmalgerecht saniert und ist heute Sitz des Tourismusverbandes und der Wirtschaftsfördergesellschaft Prignitz. An die Auszeichnung schloss sich eine „Europäische Kaffetafel“ des Bürgervereins Perleberg an – es gab europäische Kuchensorten.

Der Bürgerverein spendete übrigens zur Restaurierung der Knaggenfiguren und der Spruchbalken. Deren Worte: „Disteln und Dornen stechen sehr, ein falsche Zunge noch viel mehr. Darum will ich lieber in Disteln und Dornen baden als mit einer falschen Zunge sein beladen“ findet sich an einem fast zeitgleichen Haus im böhmischen Prachatitz wieder – ein Beleg für gemeinsame europäische Wertvorstellungen, die sich in der Inschrift zeigen.

Diskussion zum Thema „Europa, und wir da unten“

Der Architekturkritiker und Stadtplaner Dieter Hoffmann-Axthelm lud abschließend zu einer Lesung aus seinem 2016 erschienenen Buch „Lokaldemokratie und Europäisches Haus“ mit Diskussion zum Thema „Europa, und wir da unten“ ein. Er wandte sich den Fragen zu „Haben wir wirklich eine Beziehung zu Europa“ und „Wie könnte unsere Rolle aussehen?“ Was Europa zusammenhält ist die gemeinsame Kultur, „das muss aber auch politisch untersetzt werden, denn wir müssen Europa als Machtzusammenhang akzeptieren“.

Der Nationalstaats und sein politischen Ordnungssystems, die repräsentativen Demokratie, stecken in einer Krise. Europa, gemeint ist die Europäische Union, könnte dagegen die Chance der Demokratie sein, sich noch einmal neu zu erfinden. Anzusetzen wäre dafür laut Dieter Hoffmann-Axthelm ganz oben – und ganz unten: Abgabe nationalstaatlicher Macht nach oben zugunsten einer handlungsfähigen EU, und nach unten zugunsten freigestellter lokaler Selbstbestimmung.

Von Wolfram Hennies

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