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Perleberg Wieder ein Wohnmobil zurückgeholt
Lokales Prignitz Perleberg Wieder ein Wohnmobil zurückgeholt
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00:21 14.07.2018
Wohnmobile sind angesagt – auch bei den Betrügern, denen die Perleberger Detektive auf der Spur sind. Quelle: dpa-tmn
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Perleberg

Mit einen Fall von Unterschlagung eines Wohnmobils in Meyenburg hatte sich die Perleberger Agentur Incognito jüngst beschäftigt (die MAZ berichtete). Auch wenn die Privatermittler das Fahrzeug dem Eigentümer wieder übergeben konnten, so war damit der Fall keineswegs gelöst. Im Gegenteil: Immer noch beschäftigen sich die Detektive aus der Prignitz mit der Bande, die weiter ihr Unwesen treibt.

Das Vorgehen ist immer das gleiche: Die Täter mieten ein Wohnmobil an, geben es aber dann nicht zurück und verkaufen es per Annonce weiter. Mittlerweile beträgt der Wert der Unterschlagungen nach Schätzung der Agentur satte 1,2 Millionen Euro – und das ist nur die Summe für die Fälle, mit denen die Perleberger Detektei befasst war.

Die Perleberger Detektive und ihr Fall

Die Agentur „Incognito“ in Perleberg ist erreichbar unter der Rufnummer 03876/61 85 53 und über die Webseite www.agentur-incognito.de. Wie der Name besagt, möchten die Ermittler im Verborgenen bleiben – daher sind die Namen geändert.

Die vier Privatermittler wollen so lange wie möglich unerkannt agieren und observieren können – nicht leicht in einer dünn besiedelten Region, in der jeder jeden kennt und die soziale Kontrolle groß ist.

Seit dem 1. Februar ist die „Detektei für Wirtschaft und Privat“ hier angesiedelt. Geschäftsführer ist Martin Schmidt. Alle vier Detektive haben Großstadterfahrung, in Berlin, Hamburg oder im süddeutschen Raum. Sie haben Aufträge aus einem Raum von Pritzwalk über Parchim, Havelberg, Ludwigslust bis Wittenberge.

In Sachen unterschlagene Wohnmobile sind sie bereits seit Längerem unterwegs. Am 4. Mai konnten sie einem Meyenburger Autohändler ein Fahrzeug wieder zurückbringen, das die Täter zuvor in den Niederlanden zu verkaufen versucht hatten. Die Tätergruppe konnte aber dabei entwischen (die MAZ berichtete).

Die Täter sind bekannt, es sind, so sagt es ein Mitglied der Detektei, dieselben, die bereits jüngst für den Meyenburger Fall verantwortlich waren. „Wir bearbeiten drei Fälle“, sagt Detektiv Michael Z. (Name von der Redaktion geändert), es sind immer dieselben Leute.“

„Die machen einen großen Bogen um professionelle Vermieter“

Dass die Masche weiter funktioniert, liegt an der Art des Vorgehens der Täter. „Die machen einen großen Bogen um professionelle Vermieter“, erklärt Ermittlerin Rosi L. Schließlich gebe es auch viele Leute, die ihr Wohnmobil privat vermieten. Und das ist wohl genau die Zielgruppe: So rufen die Täter, wie es die Ermittler schildern, private Vermieter an und fragen, ob diese ganz schnell ein Wohnmobil frei hätten. Dass es sich um Betrüger handelt, merken viele Vermieter erst am vereinbarten Rückgabetag.

So ist es in einem Fall in der Nähe von Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern geschehen, bei dem letztlich die Detektive eingeschaltet wurden. Dort sei ein Wohnmobil am 30. Mai gemietet worden, die Mieterin habe einen österreichischen Pass vorgelegt und vorgegeben, Urlaub an der Ostsee machen zu wollen. Am 6. Juni sollte sie es zurückgeben – dann erst bekam der Vermieter mit, was eigentlich los ist. Die Papiere der Frau erwiesen sich als gefälscht. Am 13. Juni wiederum schalteten die Täter eine Anzeige, um das unterschlagene Fahrzeug zu verkaufen.

Gescheiterte Aktion in Frankreich

Dabei kamen ihnen die Perleberger Detektive, die inzwischen eingeschaltet worden waren, insofern auf die Schliche, als sie anhand eines Fotos von dem Wohnmobil in der Anzeige herausfinden konnten, wo sich das Fahrzeug befand. „Im Wohnmobil spiegelte sich auf dem Foto die Front eines Supermarktes.“ Dieser befand sich in Allonnes in Frankreich. „Wir sind nach Frankreich gefahren und haben genau diesen Platz gefunden“, erzählt Michael Z. weiter. Das Wohnmobil dort direkt zu finden, erwies sich aber als schwer, denn gerade lief das 24-Stunden-Rennen im nahegelegenen Le Mans, und „da waren hier Wohnmobile ohne Ende“.

Aber offenbar hatten die Täter dort das Fahrzeug noch nicht verkauft. Per Google-Maps machten die Mitarbeiter der Agentur das Wohnmobil in Lyon aus. Über einen Mittelsmann aus dem Ausland nahmen die Ermittler Kontakt mit den Tätern auf, vorgeblich um das Wohnmobil zu erwerben.

Die Täter gaben sich dabei als Familie aus, die das Wohnmobil nach einem Urlaub in Frankreich gelassen hat und es an interessierte Käufer abgeben würde. Interessenten legen sie auch hier gefälschte Fahrzeugpapiere vor. Doch scheiterte die Übergabe und Rückholaktion in Frankreich.

Erfolg in den Niederlanden

Dafür konnte jetzt ein Fall aus Nienburg aufgeklärt werden. Das dort unterschlagene Wohnmobil wurde im niederländischen Ort Coevorden gefunden und zurückgeholt. Einfach war dies aber auch in diesem Falle nicht. „Der Käufer hatte es in gutem Glauben erworben und wollte es nicht mehr herausrücken“, erklärten die Privatermittler. Die Polizei hat das Fahrzeug dann aber sichergestellt. Möglich war dies aufgrund einer Fahrlässigkeit: Im gefälschten Fahrzeugbrief fehlte die Fahrgestellnummer.

Von deutschen Behörden, egal ob Polizei oder Staatsanwaltschaft, hat Michael Z. bei der Abwicklung der Angelegenheit keine gute Meinung. „Alle Informationen in Boizenburg hat die Polizei von uns“, erzählt er, „der gesamte Ermittlungsstand fußt auf unseren Ermittlungen“, ist er sich sicher.

„Wir waren ja jeden Tag da, das hatte nichts gebracht“

Offenbar aber ist es für die Polizei schwierig, mit diesen Erkenntnissen etwas anzufangen, was zur Ergreifung der Täter führt. Zum Beispiel liegt den Privatermittlern eine Täter-Kreditkarte vor, über die sich die wahre Identität des Täters herausfinden ließe – eine Bankenabfrage scheint aber ein schwieriges Unterfangen zu sein, auch die gegenseitige Informationen von Dienststellen in unterschiedlichen Bundesländern, so jedenfalls die Erfahrung von Rosi L. und Michael Z. „Wir waren ja jeden Tag da, das hatte nichts gebracht“, sagte auch der betroffene Wohnmobilbesitzer. Die betroffene Polizei äußerte sich dazu auf Anfrage nicht, weitere Anfragen bei der Polizei zum Sachverhalt laufen aber noch.

Im übrigen: Versicherungen zahlen bei der Unterschlagung solcher Wohnmobile nicht, so Michael Z.. Um nicht auf solche Täter hereinzufallen, raten die Detektive dazu, sich immer die Meldebescheinigung und die Kreditkarte vorlegen zu lassen, das sei der beste Schutz.

Von Bernd Atzenroth

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