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Perleberg Perleberg erinnert an Benjamin Perlmann
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00:21 31.01.2019
Bürgermeisterin Annett Jura bei der Gedenkveranstaltung zum Gedenktag der Opfer des Holocaust im Perleberger Gymnasium. Quelle: Marcus J. Pfeiffer
Perleberg

Es war im Sommer 1942, der 11. Juli. „Vielleicht ein sonniger Tag, wir wissen es nicht. Aber das ist auch gar nicht so wichtig“, erzählt Bürgermeisterin Annett Jura bei der zentralen Gedenkveranstaltung der Stadt Perleberg und des Landrates am Sonntag zum Internationalen Gedenken der Opfer des Holocaust. Am 11. Juli 1942 wurden Benjamin Jakob Perlmann und seine Frau mit vielen weiteren jüdischen Menschen durch die Nationalsozialisten nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Benjamin Jakob Perlamm ist ein Perleberger. Er kam 1876 in der Rolandstadt zur Welt. Sein Vater war Rabbinersohn und Religionslehrer. Zur Familie gehörten später drei Brüder. Anlässlich des Holocaustgedenktages am 27. Januar, an dem vor 74 Jahren die letzten 7000 Häftlinge des Konzentrationslagers in Auschwitz von der Roten Armee befreit wurden, erinnert nun die Stadt Perleberg mit einem Erinnerungsblättchen an diese Persönlichkeit der Stadtgeschichte.

Eine ganze Familie wurde ausgelöscht

1905 heiratete Benjamin in Hamburg Elsa van Son aus einer angesehenen jüdischen Familie. Inzwischen war die Familie Perlamm in Hamburg etabliert und führte ein Geschäft mit Uhren, Gold und Valuten. 1933 änderte sich das Leben der jüdischen Familie jedoch einschneidend. Benjamin verlor seine Tätigkeit als Bankier. Nach der Pogromnacht 1938 wurden beide Söhne verhaftet und ins Konzentrationslager nach Sachsenhausen deportiert, jedoch kurz darauf auch wieder, wie ein Wunder, entlassen.

Ein Jahr später folgte ein Sohn seiner bereits 1931 ausgewanderten Schwester nach Palästina. Kurz darauf gelang dem anderen Sohn die Flucht nach Schweden. Die Eltern hingegen wurden aus ihrer Wohnung verdrängt, hatten keine Einkommen mehr, kaum noch Eigentum und Lebensmittel. In zahllosen Briefen an ihre erwachsenen Kinder gaben sie der Hoffnung Ausdruck, das Ende der Barbarei in Deutschland zu erleben, jedoch vergebens. Fast alle Mitglieder dieser Großfamilie – Schwäger, Nichten und Neffen – sie alle wurden ausgelöscht.

Der Nationalsozialismus hat dem Leben frühzeitig ein Ende gesetzt

Benjamin Jakob Perlmann gibt dem Holocaust ein Gesicht“, so Annett Jura. Das Perleberger Erinnerungsblättchen soll dazu beitragen, das Schicksal Perleberger Opfer des Nationalsozialismus nicht zu vergessen und Ausdruck zu geben. Gleichzeitig wird in dem Schriftstück, das ab sofort in der Stadtinformation erhältlich ist, auf den Judenhof in Perleberg hingewiesen. In Hamburg erinnern Stolpersteine an das Ehepaar Perlmann und eine historische Aufarbeitung der Familiengeschichte sorgt dort für Erinnerung. Über 100 Briefe der Perlmanns sind erhalten und erzählen von ihrem friedfertigen Glauben, ihrer Not und Bedrängnis.

Zwischen den beiden Weltkriegen zog es aus Perleberg viele Menschen jüdischer Religion in die Großstädte Berlin und Hamburg. Sie haben dort geheiratet, eine Familie gegründet und sich beruflich etabliert. Der Nationalsozialismus hat ihrem Leben frühzeitig ein gewaltsames Ende gesetzt. Das Dritte reich sei laut Jura auch Perleberger Stadtgeschichte und jüdische Familiengeschichte. „Ihre Wurzeln, ihre Herkunft gehören zur Kleinstadt Perleberg. Ihre Spuren verlieren sich jedoch auf den Güterbahnhöfen der Großstädte.“

Enorme Last auf den Nachkriegsgenerationen

Die Überlebenden hingegen mussten ihr Leben lang die Blicke ihrer umgekommenen Leidensgenossen ertragen, wie Piotr Cywinski, Leiter der Gedenkstätte und des Museums Auschwitz, meint. „Wir, die Nachkriegsgenerationen, werden immer einsamer mit der Last der Erfahrung jener Menschen. Und es lässt sich nicht leugnen, dass uns diese Last nach wie vor zu schaffen macht.“

Von Marcus J. Pfeiffer

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