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Perleberg Theater in Perleberg – Der Demenz die Stirn bieten
Lokales Prignitz Perleberg Theater in Perleberg – Der Demenz die Stirn bieten
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14:14 07.10.2018
„Ilse und Margarethe", so, wie man sie kennt. Die beiden „Urgesteine“ der Prignitz, Daniela Dörfel (l.) und Chady Seubert trällern ihr Lied. Quelle: Beck
Perleberg

So viel ist am Samstagabend in Perleberg nicht los – die Straßen sind leer. Bis auf die Karl-Marx-Straße, wo es kurz nach 19 Uhr Gäste ausgerechnet ins alte Fernmeldeamt zieht. Hier gilt auch fast der Spruch „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Aber zum Glück bekommt jeder Besucher in dem kleinen Varieté noch einen Sitzplatz. Noch.

"Margarethe" noch ganz züchtig im Morgenmantel - bald aber mit "viel Haut". Quelle: Kerstin Beck

Gekommen ist ein „durchsetztes“ Publikum. Eine Wittenbergerin, etliche Perleberger und ein Pritzwalker kennen „Ilse und Margarethe“, die beiden „Urgesteine der Prignitz“, die sich hier die Ehre geben, bereits. Einige Groß-Pankower sind einfach nur neugierig, „wir haben schon von den beiden Frauen gehört und haben uns deswegen extra Karten reservieren lassen“, und sitzen erwartungsvoll in der ersten Reihe.

Kampf mit Kompressionsstrümpfen

Punkt 19.30 Uhr ertönt dreimal ein Gong. Licht aus, Spot an. Eine alte Dame, geschätzte Mitte 80, erscheint, um ihren „Überlebenstee“ zu schlürfen und um ein bisschen mit sich selbst zu sprechen. Eine andere Greisin kommt hinzu, nachdem sie den Kampf mit ihren Kompressionsstrümpfen gewonnen hat. Gemeinsam lässt sich dem Alzheimer schließlich besser die Stirn bieten.

"Ilse und Margarethe", so, wie man sie kennt. Die beiden "Urgesteine der Prignitz, Daniela Dörfel und Chady Seubert (v. l. n. r.) trällern ihr Lied. Quelle: Kerstin Beck

Krummnackig, mit gichtverkrümmten Fingern, schütterer Stimme, faltig-grauer Haut und überhaupt ungraziös bis in die unbeweglichen Zehen halten „Ilse und Margarethe“ das Publikum im Bann. Und was nun hier in den nächsten anderthalb Stunden abgeht, ist mitnichten eine komödiantische Veralberung alter Menschen. Es ist ein Appell an die Würde älterer Menschen, an ihre Hoffnungen und Wünsche, aber auch an ihre Ängste und Sorgen, bei denen besonders Erinnerungen und die Erfahrungen vergangener Jahrzehnte eine große Rolle spielen.

Musik aus der vorgeblich siegheilenden Zeit

Da gibt es dann in erster Linie die Erinnerungen an die längst verblichenen Ehemänner: „Mein Mann hat mit jeder Delle an meinem Körper wat zu tun“, „und mein Mann hat immer alle meine Fettwülste jezählt“. Doch auch schlimme Erfahrungen werden gezeigt, wie etwa bei Musik aus der vorgeblich siegheilenden Zeit, die sich in eine tränennasse bittertraurige Verlierer-Unzeit verwandelte – nachdem den beiden damaligen jungen Damen die Masken vom Gesicht gefallen waren. Dann kam die DDR-Zeit und von ihr blieb das Misstrauen. Denn da war doch so ein Brief gekommen, den die beiden Seniorinnen nur so deuten konnten: „Die wollen uns bespitzeln“!

Zuletzt heißt es nur noch: "Ich mag Dich sehr - aber lass uns in der nächsten Woche doch wieder eine Annonce schalten!" Quelle: Kerstin Beck

Aber was solls, bei so viel Daseinsfreude zwischen Überlebenstee und Apfelstücken – die dann auch ins Publikum verteilt wurden – noch mehr Mitstreiter müssen her und dafür soll eine Kontaktanzeige in die Zeitung gesetzt werden. Das Pärchen stellt sich dann auch selbst mit seinem Liedchen „Ilse und Margarethe, die Alten mit ihrem Meckerverein, ohne sie wäre das Leben nur halb so fein!“ vor.

„Ick mag Dich richtich“

Und als dann am Abend der Mond aufgeht, Ilse den Trabanten besingt „Der Mond ist aufgegangen“, und Margarethe sich vor Ärger kaum fassen kann „det is ja kaum noch zum Aushalten, der Mond is doch keen Hefeteig!“ verschwinden die beiden Alten in ihre Heia. Nur die Köpfe sind noch zu sehen und zu hören ist die gegenseitige Beteuerung: „Ick mag Dich richtich, wir brauchen eigentlich keenen Dritten, aber lass’ uns in der nächsten Woche wieder ne Annonce schalten!“

Und ganz zuletzt gibt es lang anhaltenden Beifall vom begeisterten Publikum. Quelle: Kerstin Beck

Dann gibt es nur noch den schallenden Applaus des Publikums. Nun erscheinen Daniela Dörfel und Chady Seubert, um sich zu bedanken und um zu verkünden: „Am 1. Dezember sind wir wieder hier, um ab 19.30 Uhr „Christels 90. Geburtstag“ zu begehen“.

Die Wittenbergerin meint dazu: „Das kenne ich zwar schon, aber da bin ich wieder hier!“

Von Kerstin Beck

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