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Perleberg Vom Absturz des Kandidaten Martin Schulz
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04:21 12.10.2018
Der Spiegel-Autor Markus Feldenkirchen las in Perleberg aus seinem Buch „Die Schulz-Story". Quelle: Bernd Atzenroth
Perleberg

Eigentlich müsste es im Wahlkampf ja erstmal um inhaltliche Dinge gehen. Das findet auch Markus Feldenkirchen. „Man kann ja über das Programm einer Partei wie der SPD denken, wie man will“, sagt der Spiegel-Journalist, „aber es ist allemal besser, sich einmal mit dem Programm auseinanderzusetzen, statt sich nur über die oberflächlichen Pannen zu unterhalten.“ Doch er weiß selbst nur zu genau, dass dies in der heutigen Medienwelt ein frommer Wunsch ist.

Der Pannen gab es im Bundeswahlkampf 2017 ein paar, und Feldenkirchen hat sie und ihre Auswirkungen hautnah bekommen. Fünf Monate lang begleitete er den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz im Wahlkampf. 80 Termine absolvierten sie gemeinsam, ein bis zwei Tage pro Woche war Feldenkirchen damit beschäftigt. Auch nach der Wahl ging das weiter, wenn auch nicht mit ganz so hoher Intensität.

Martin Schulz ließ ihm freie Hand

Über all das hat Feldenkirchen ein Buch geschrieben. Am Montagabend las er im Perleberger Judenhof aus seiner „Schulz-Story“, eingeladen hatte ihn dazu der Bürgerverein Perleberg. Für diejenigen, die gekommen waren, war dies ein spannender Abend. Schließlich konnte Feldenkirchen Einblicke in die Bundespolitik aus erster Hand liefern.

Und das gänzlich unautorisiert: Denn während schon auf lokaler Ebene der ein oder andere Würdenträger dazu neigt, alles kontrollieren zu wollen, was über ihn veröffentlicht wird, ließ Martin Schulz seinem journalistischen Begleiter freie Hand – mit allen Konsequenzen.

Feldenkirchen hielt sich umgekehrt an die Abmachung, nichts in irgendeiner Form vor dem Ende des Wahlkampfs zu veröffentlichen. Nach der ersten Kurzveröffentlichung direkt nach der Wahl sei er oft darauf angesprochen worden: „Viele fragten mich, warum das erst nach der Wahl zu lesen ist.“ Erst jetzt sei der Kandidat Schulz menschlich greifbar gewesen.

„Bessere Berater sind immer gut“

Feldenkirchen liest aus seinem Buch Szenen vor, die den Sinn oder Unsinn einer Wahlkampagne beleuchten, etwa als er eine Stunde für einen Wahltrailer das Wort manche, das beim Rheinländer Schulz eher wie „mansche“ klingt, mit einem ch sprechen muss – unter Protest, weil er dies als Verstellung empfand. Oder die satirefähige Probe vor dem Fernsehduell mit einem Merkel-Double, dem zwei Tage später das Original erschreckend nahe kam.

Es war ziemlich einmalig in der bundesdeutschen Geschichte, dass ein Kanzlerkandidat nach einem Höhenflug zu Beginn seiner Kandidatur schließlich so abstürzte, dass er letztlich gänzlich ohne Amt dastand. Im Publikum saßen viele lokale SPD-Vertreter, die von Feldenkirchen wissen wollten, woran dies seiner Meinung nach lag und welchen Anteil daran der Kandidat selbst verschuldet hat.

Der Spiegel-Autor Markus Feldenkirchen las in Perleberg aus seinem Buch "Die Schulz-Story". Quelle: Bernd Atzenroth

„Sigmar Gabriel hat diesen Wahlkampf grauenhaft vorbereitet“, findet Feldenkirchen. Schulz’ Vorgänger im Parteivorsitz trägt nach Feldenkirchens Einschätzung die Schuld dafür, dass ein langfristig angelegter Wahlkampf für Schulz gar nicht mehr möglich war – gute Agenturen brauchen drei Jahre Vorlauf.

„Bessere Berater sind immer gut“, meinte Feldenkirchen dann noch. Bei Schulz sei die Truppe aber wild zusammengewürfelt gewesen. „In dem Moment, wo es bergab ging, war der Kandidat verunsichert und versuchte die Verunsicherung mit mehr Beratern zu kompensieren.“

Bürgermeister von Würselen statt angesehener Europäer

„Er hat sich zu viel reinquatschen lassen“, findet Feldenkirchen, „man hätte ihn als angesehenen Europäer präsentieren können, man hat sich aber entschieden, ihn als Bürgermeister von Würselen zu zeigen.“

Den anfänglichen Schulz-Hype erklärte Feldenkirchen damit, dass Martin Schulz zuerst eine distanziertere Haltung zur Agenda 2010 einnahm, die viele traditionelle SPD-Wähler ja verärgert hatte – spätestens mit der Einladung des Ex-Bundeskanzlers Gerhard Schröder, Hauptprotagonist jener Agenda, auf den SPD-Bundesparteitag als Schulz-Unterstützer sei das nicht mehr glaubwürdig gewesen.

Das Ende der Kanzlerambitionen markierten für Feldenkirchen die drei im Frühjahr 2017 kurz nacheinander für die SPD verlorenen Landtagswahlen.

Nach der Lesung signierte der Journalist Markus Feldenkirchen (r.) Bücher.  Quelle: Bernd Atzenroth

Auf die Frage, was das alles mit ihm selbst gemacht hat, hat Feldenkirchen eine zweigeteilte Antwort: „Mich hat das emotional manchmal auch sehr bewegt“, gab Feldenkirchen zu, um dann einzuwenden: „Trotzdem muss ich, wenn ich nach Hause gehe, emotional Distanz reinbringen.“ So wie das ein guter Journalist halt tun muss, um seiner Aufgabe gerecht zu werden.

Das Projekt hat Markus Feldenkirchen aber auch dazu gebracht, den eigenen Berufsstand kritisch zu reflektieren. „Ich habe jetzt mal mitbekommen, dass, wenn wir draufhauen, das auch immer einen Adressaten hat. Das hat mich nachdenklicher gemacht über die Wirkung dessen, was wir tun.“ Was nicht heiße, dass man Missstände und Fehlentwicklungen nicht auch weiterhin klar benennen müsse.

„Wir sind nach wie vor in einem guten Gespräch miteinander“

Auf sein journalistisches Handwerk bezog sich eine weitere Frage. Wie er denn die vielen Zitate im Buch erfasst habe. Feldenkirchens Antwort verblüffte: Längst nicht immer per Bandaufnahme – er beherrscht noch Steno.

Wissen wollte das Publikum, wie er nach dem für den Kandidaten nicht immer schmeichelhaften Buch jetzt zu diesem stehe. „Wir sind nach wie vor in einem guten Gespräch miteinander“, sagt Feldenkirchen, „und er steht nach wie vor dazu.“ Und: „Wäre er bei 29 Prozent herausgekommen, wäre der Plot des Buchs ein anderer gewesen.“

Von Bernd Atzenroth

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