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Perleberger malt noch mit 95 Jahren

Hans Seiler schuf Tausende Bilder Perleberger malt noch mit 95 Jahren

Obwohl Hans Seiler aus der Lausitz stammt, ist der Maler eng mit der Prignitz und mit Perleberg verbunden, wo er seit 1946 lebt. Der 95-Jährige hat ein schier unübersehbare Zahl von Bilder, vor allem mit Landschaftsmotiven geschaffen. Er selbst spricht von Tausenden, denn gezählt hat er sie nicht.

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Zuhause bei Hans Seiler: der Maler gibt Einblick in sein jahrzehntelanges Schaffen.

Quelle: Michael Beeskow

Perleberg. Ihm fällt es nicht ganz leicht, den Überblick in seinem Reich zu wahren. „Tausende Bilder habe ich gemalt, viele Aquarelle“, sagt Hans Seiler. Der 95-Jährige beugt sich über die auf dem Fußboden stehende Reihe seiner Mappen, zieht eine heraus.

Bevor er sie aber öffnet, erinnert er an seine Mutter: „Von ihr habe ich das. Und vom Großvater.“ Der Großvater war Maler in Seifhennersdorf in der Lausitz. Doch er gestaltete auch Plastiken. Ob als Grabschmuck oder für den Garten, das weiß Hans Seiler nicht zu sagen. „Schon als Kind hatte ich eine Unruhe, einen Bewegungsdrang in der Hand“, erzählt der Maler.

Den ersten Unterricht erhielt er bei seiner Mutter

Er habe immer etwas auf die Ränder der Zeitung zeichnen müssen, die sein Vater las. Als er sechs war, legte seine Mutter fest: Jetzt wird zweimal in der Woche gemalt. „Sie stellte eine Tasse auf den Tisch, und ich sollte sie zeichnen“, erzählt Hans Seiler. „Das war schwierig.“ Als der 95-Jährige das ausspricht, klingt es, als hätte er sich vor einer Minute erst von der Bürde seiner Aufgabe befreit. Auch noch Jahre später fragte er sich: „Wie hätte Mutter das jetzt gemacht?“ Dabei bekam er erst nach ihrem Tod in den 1970er Jahren, Bilder von ihr zu sehen.

Eine Rolle mit Aquarellen, die die Mutter als 15-Jährige malte, hat er auf dem Dachboden seines Elternhauses gefunden. Hans Seiler war so begeistert von den Arbeiten seiner Mutter, dass er sie in einer Ausstellung in Perleberg der Öffentlichkeit vorstellte.

Die Farbe ist für Hans Seiler nicht alles, aber doch das eigentliche Geheimnis der Malerei. Er war Malerlehrling, als die Nazi-Zeit begann. Hans Seiler ging seinem Meister Paul Langer zur Hand. In der Lausitz war es Brauch, dass die Gasthäuser in den Wintermonaten mit vielfältiger Dekoration ausgestattet wurden. Weil so viel zu tun war, kam Max Langer, ein Absolvent der Dresdner Kunstakademie, nach Eibau, um seinen Bruder bei der Dekorationsmalerei für die Gaststuben zu helfen. Der Lehrling beobachte den aus Dresden kommenden Künstler. „Er wählte immer eine andere Farbe.“ Hans Seiler sah, was gemalt werden sollte, und er sah auch die zur Verfügung stehende Palette der Farben. Er begriff nicht, warum dieser Maler eine andere Farbe nahm, und nicht die, die er selbst genommen hätte.

„Die Natur ändert sich ständig“

Hans Seiler schlägt nun doch die Mappe mit seinen Bildern auf. Er nimmt ein Aquarell in die Hand. Viele feine Farbtöne gehen ineinander über, verschwimmen. Zu erkennen ist ein Gehöft am Elbdeich. „Das war ein heller, freundlicher Tag“, erklärt Hans Seiler. Aber er habe nicht malen wollen, was er in diesem einem Moment sah. Der Himmel verändert sich, hat seine verschiedenen Töne. Auch die Elbe ist nicht immer gleich, sie tritt auch über das Ufer und überschwemmt das Land bis zum Deich. „Die Natur ändert sich ständig“, erklärt der 95-Jährige. „Mit dem Kopf muss man dabei sein“, setzt er seinen Gedankengang fort. Er frage sich: „Was erregt mich am stärksten in dieser Situation, in der ich die Landschaft sehe?“

Für den Lehrling Hans Seiler stand bald fest, dass er „kein Stubenmaler“ werden wollte. Zweimal in der Woche setzte er sich auf sein Rad und fuhr 20 Kilometer nach Zittau, wo er einen Lehrer gefunden hatte, der ihn in der figürlichen Darstellung unterwies. „Ich habe mit Tusche und Kohle gearbeitet“, erinnert sich Seiler. Das Wetter spielte für ihn keine Rolle. Auch Regen und Schnee hielten ihn nicht ab, zum Unterricht zu fahren. In beschäftigte die Frage: „Was ist Kunst? Ist das Kunst, wenn ich ein Kunstwerk abmale?“

Auch viele Perleberg-Bilder entstanden

Mit dem Abstand von mehr als 70 Schaffensjahren sagt Hans Seiler: „Kunst hat nichts mit nachmachen zu tun. Die künstlerische Arbeit erfordert viel Nachdenken.“ Das sehen nicht allzu viele so. Hans Seiler, den es nach dem Weltkrieg – er wurde als Soldat schwer verwundet –, nach Perleberg verschlug, hat gerade dies an seinem Wirkungsort erfahren müssen. Das breite Publikum hat Hans Seiler vor allem als Maler postkartentauglicher Bilder wahrgenommen, mit Motiven aus der historischen Perleberger Altstadt. Ein stimmungsvolles Winterbild vom Großen Markt, anheimelnde Winkel und Gassen, der Blick vom Malerwinkel zur Jacobikirche. „Das habe ich gemalt, weil die Leute das haben wollten“, sagte Hans Seiler. Künstlerische Freiheiten kamen bei den Perlebergern weniger gut an. Hans Seiler berichtet eine kleine Begebenheit. Er hatte das Haus einer Nachbarin gemalt und der Frau sein Bild gezeigt. „Na, wie gefällt dir dein Häuschen?“ fragte er. Es war der Frau anzumerken, dass sie nicht begeistert war. Schließlich hielt sie Seiler vor: „Die neuen Kellerfenster sind ja gar nicht zu sehen.“

Das Malen geht Hans Seiler inzwischen nicht mehr so leicht von der Hand, obwohl er in ihr noch immer den Bewegungsdrang seiner Kindertage spürt. „Aber das Nachdenken fällt schwerer.“ Über sein Alter, im April wird er immerhin 96, macht sich Hans Seiler weniger Gedanken: „Ich mache einfach weiter.“

Von Michael Beeskow

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