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Perspektive auf und neben dem Platz

Bildungsgesellschaft und der FHV Pritzwalk ermöglichen bulgarischen Fußballern eine Zukunft in Deutschland Perspektive auf und neben dem Platz

Dass Mario Dimitrov den Schalk im Nacken hat, ist ihm anzusehen. Doch der 21-jährige Bulgare ist mehr als nur ein Spaßmacher. Genau wie Victor und Filip Mateev sowie Yulian Vladimirov ist er Fußballer.

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Die sportliche Heimat ist seit Mitte Februar dieses Jahres der Fußball- und Hockeyverein, besser bekannt als Pritzwalker PHV 03. Bisher konnten sich die jungen Männer mit ihren Mannschaftskollegen in der "internationalen Sprache verständigen, die auf allen Fußballplätzen der Welt verstanden wird", wie es Trainer Jürgen Beinio ausdrückt. Also vor allem mit Händen und Füßen.

Seit Dienstag haben die vier und der 46-jährige Bulgare Ivan Shtonov das Teilnahme-Zertifikat für den Kurs "Deutsch als Fremdsprache" in der Tasche. Insgesamt 120 Stunden haben sie mit Fremdsprachenlehrerin Annette Gieseke Vokabeln, Satz- und Zeitformen gelernt. Nun können Sie darangehen, eine Berufsausbildung in Pritzwalk zu beginnen.

Aber wie kam es zu der ungewöhnlichen Verbindung zwischen Berufsausbildung, Sprachkurs und Fußball? "Wir haben im Verein gewisse Ziele auf der einen Seite, und wir hatten personelle und teilweise auch qualitative Schwierigkeiten", sagt Jürgen Beinio. Über einen Bekannten in Brandenburg knüpfte er Kontakte nach Bulgarien und sah sich im vergangenen Jahr selbst dort um. "Es ist kein Geheimnis, dass die gegenwärtige wirtschaftliche Situation in Bulgarien nicht so gut ist", sagt Jürgen Beinio. Er habe daher gezielt Talente angesprochen und ihnen eine Perspektive in Pritzwalk angeboten. "Natürlich braucht man dafür Partner", sagt der Trainer und blickt hinüber zu Werner Schulze, dem Chef der Bildungsgesellschaft Pritzwalk. Für ihn ist das Modell "Erst die Sprache lernen, dann einen ordentlichen Beruf", ein gangbarer Weg, um dem Fachkräftemangel auf der einen Seite und den geringen Chancen junger Menschen aus Südosteuropa etwas entgegenzusetzen.

"Wir führen ja viele Gespräche mit Unternehmen", sagt Werner Schulze. "Und da hört man immer wieder, dass Unternehmer bereit wären, junge Leute einzustellen, wenn sie Deutsch könnten." Viele würden sich allerdings nicht trauen, auf diesem Weg ihr berufliches Nachwuchsproblem zu lösen.

Die Bildungsgesellschaft Pritzwalk habe genügend Erfahrung mit der Ausbildung und Beschäftigung junger Menschen und sei bereit, Firmen der Region dieses Wissen zur Verfügung zu stellen. "Mittlerweile haben wir auch Anfragen von außerhalb, etwa aus dem Wachstumskern Neuruppin, die von uns wissen wollen, wie wir mit diesem Problem umgehen", sagt Werner Schulze.

Trainer Jürgen Beinio seinerseits weiß, dass Talente wie Mario Dimitrov nicht ewig in Pritzwalk zu halten sein werden. "Aber an erster Stelle steht die berufliche Ausbildung. Wenn man die in der Tasche hat, kann man nach der sportlichen Laufbahn etwas aus sich machen", sagt Jürgen Beinio.

Untergebracht sind die bulgarischen Fußballer übrigens in einer Wohngemeinschaft in einem Wohnhaus, das der Pritzwalker Wohnungsbaugesellschaft gehört. An zwei Vormittagen pro Woche büffelten die jungen Bulgaren und der etwas ältere Ivan Shtonov Deutsch, die restliche Zeit absolvieren sie Praktika in Betrieben der Stadt. Im August soll die Berufsausbildung beginnen.

Von Andreas König

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