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Prignitz Pfarrer Tilmann Kuhn geht
Lokales Prignitz Pfarrer Tilmann Kuhn geht
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00:17 29.01.2016
Tilmann Kuhn Quelle: Michael Beeskow
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Perleberg

Vor zwölf Jahren kam Tilmann Kuhn als Pfarrer an die Perleberger Sankt-Jacobi-Kirche. Dieser Tage packt er seine Koffer für einen Wechsel an die Marienkirche in Strausberg. In einem Gespräch mit der Märkischen Allgemeinen äußerte er sich zu den Gründen des Abschieds.

„Das ist ein Anlauf zu Veränderungen“, begründet er seinen Schritt. Tilmann Kuhn führt die jüngere Regelung in der Landeskirche an, wonach sich Pfarrer nach zehn Jahren für die Stelle, die sie innehaben, oder auch eine andere Stelle neu bewerben müssen. „Das ist eine gute Weisung unserer Kirche.“ Sie bedeute, einen Neuanfang zu wagen – persönlich, aber auch für die Gemeinde. Obwohl für ihn die Zehn-Jahres-Regelung nicht greift und er noch über eine unbefristete Anstellung in Perleberg verfügt, habe er sich doch seit einiger Zeit mit dem Gedanken an eine Veränderung getragen. Eine Veränderung in der Arbeitsstruktur oder aber eine Veränderung des Ortes.

Abschied vom Pfarramt

Über zwölf Jahre prägte Tilmann Kuhn die Kirchengemeinde in Perleberg; er wirkte aktiv im Posaunenchor und Kirchenchor mit.

Von Oktober 2011 bis Juni 2013 leitete er den Kirchenkreis Perleberg-Wittenberge als amtierender Superintendent und übernahm zusammen mit Pfarrer Volker Sparre aus Pritzwalk die Leitung des 2013 gegründeten Kirchenkreises Prignitz bis zum Amtsantritt von Oliver Günther. Zudem war er im Vorstand des Diakoniewerkes und der Stiftung zum Erhalt der Prignitzer Kirchen tätig.

Der Abschiedsgottesdienst findet am Sonntag, 21. Februar, um 14 Uhr in der Jacobikirche statt. Am 1. März tritt er seine neue Stelle in Strausberg an.

Seine Pfarrstelle übernimmt am 1. April Verena Mittermaier, Pfarrerin im Entsendungsdienst. Zusammen mit ihrem Mann werden auch die beiden Töchter (5 und 7) ins Pfarrhaus einziehen. Sie verfügt über Erfahrung als Vorstandsreferentin im Diakonischen Werk und aus der Kirchengemeinde Köpenick.

Als Superintendent Hans-Georg Furian im September 2011 Perleberg verließ, übernahm er diese Aufgabe als amtierender Superintendent für den Kirchenkreis Perleberg-Wittenberge. Auch nach der Gründung des neuen Kirchenkreises Prignitz 2013 bewarb sich Tilmann Kuhn als Superintendent. „Ich war der einzige Kandidat im Kirchenkreis, aber man wollte mich nicht“, erklärt er. „Da bestimmte Dinge mit mir nicht zu machen sind.“ Zu diesen Dingen gehört eine Verlegung der Superintendentur von Perleberg nach Bad Wilsnack, um dort die Kandidatur der Wunderblutkirche als Denkmal von nationaler Bedeutung zu unterstützen. „Dafür kirchliche Strukturen auf den Kopf zu stellen, halte ich für fahrlässig.“ Diese Meinung habe er im Kirchenkreis auch so deutlich zum Ausdruck gebracht.

Kritischer Kopf mit klaren Vorstellungen

Mit einigem Bedauern scheidet Tilmann Kuhn hingegen von der Kirchengemeinde Sankt Jacobi in Perleberg. „Ich gebe hier eine lebendige Gemeinde auf.“ Separate Teams bereiteten gut besuchte Gottesdienste in aufgelockerter Weise vor, Feiertags- und Familiengottesdienste, gemeinsame Feste im Pfarrgarten. Etwas Besonderes war der Rundfunkgottesdienst im Vorjahr, den die ganze Gemeinde gestaltete und der im gesamten Land zu hören war. Die gemeinsamen Jahre mit Hans-Georg Furian, als zwei vielköpfige Pfarrerfamilien das Pfarrhaus am Kirchplatz mit Leben erfüllten, bezeichnet Tilmann Kuhn als „Gnadenzeit“, etwas, was sich wohl nicht wiederholen wird. Für Tilmann Kuhn muss Kirche über sich hinaus wirken. „Sie muss ihr Potenzial, ihre Kompetenz in der Öffentlichkeit einbringen.“ Tilmann Kuhn brachte sich ein in das Perleberger Bündnis für Familie, das er zeitweilig leitete. Er gestaltete Gottesdienste zum Bücherfest oder zur 775-Jahr-Feier, auch die sogenannten Biker-Gottesdienste auf dem Großen Markt zum Ende der Saison für Motorrad-Fahrer. Der Pfarrer mischte sich in Debatten der Stadtverordnetenversammlung ein. Er forderte eine Umgestaltung des VVN-Denkmals auf dem Marienplatz zu einer Gedenkstätte für alle Holocaust-Opfer. Tilmann Kuhn kritisiert: „Die Bürgerschaft war nicht in der Lage, hier eine Entscheidung herbeizuführen. Sie hat sich vielmehr hinter der Denkmalpflege versteckt, die eine Umgestaltung ablehnte.“ Der Pfarrer mischte sich ein, als auf dem Großen Markt ein Fresswettbewerb stattfinden sollte. Mit einem Hungertuch protestierte er vor der Kirche, was ihm eine Anzeige wegen einer unangemeldeten Demonstration eintrug, aber den Fresswettbewerb verhinderte. Tilmann Kuhn wünscht Perleberg, dass die Stadt mit der neuen Bürgermeisterin wieder zu einer Geschlossenheit findet.

Strausberg versteht Tilmann Kuhn als eine Art Rückkehr in seine Heimat. In der Stadt lebt sein jüngster Sohn, im nahen Fürstenwalde, wo er aufgewachsen ist, wohnen seine Eltern. Obwohl sein Vater auch Pfarrer ist, schlug Tilmann Kuhn zunächst einen anderen Weg ein, er wurde Elektriker. „Ich war offen für das gesellschaftliche System der DDR“, bekennt er. Doch der Grundwehrdienst habe bei ihm zu einem Knacks geführt. Er studierte Theologie an der Humboldt-Universität und bildete in einem zweijährigen Gesangsstudium seinen schönen Bariton aus, der in seiner Prignitzer Zeit in manchem Konzert zu hören war.

Zum Kirchenkreis Oderland-Spree, in den es den 53-Jährigen nun zieht, gehört auch Lieberose, wo er seine erste Pfarrstelle übernahm. Von dort war er 2003 nach Perleberg gekommen.

Von Michael Beeskow

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