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Pfarrer verlässt nach 30 Jahren die Region

Dannenwalde Pfarrer verlässt nach 30 Jahren die Region

Nach fast 30 Jahren im Amt ist Pfarrer Hans-Georg Scharnbeck (55) in Dannenwalde aus dem aktiven Dienst verabschiedet worden. Die MAZ sprach mit ihm über den bewegenden Abschiedsgottesdienst und seine weiteren Pläne. Scharnbeck wird in Berlin Krankenhausseelsorger.

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Pfarrer Hans-Georg Scharnbeck.

Quelle: Konstantin Normann

Dannenwalde. Nach fast 30 Jahren im Amt, wurde Pfarrer Hans-Georg Scharnbeck (55) in der Dannenwaldener Kirche aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Mit einem Gottesdienst dankten ihm am Montag Gemeindemitglieder und auswärtige Gäste für seinen unermüdlichen und vor allem persönlichen Einsatz im Dienst der Kirche. Die MAZ sprach mit ihm über den bewegenden Abschiedsgottesdienst und seine weiteren Pläne.


MAZ:
Sie waren 29 Jahre in der Region um Kolrep als Pfarrer tätig. Wie haben Sie Ihren Abschiedsgottesdienst am Montag erlebt?

Hans-Georg Scharnbeck: Es war überwältigend. Es waren so viele Menschen da, das hätten wir nie erwartet. Die Kirche war übervoll, es standen sogar den ganzen Gottesdienst über Menschen im Regen an der Kirche, um über offene Türen mit dabei zu sein. Das haben wir so überhaupt nicht erwartet. Dannenwalde hat schon die größte Kirche hier in unserer Region. Wir haben über 250 Sitzplätze. Es haben drinnen ganz viele Menschen gestanden in allen Ecken und draußen halt eben auch noch. Es waren bestimmt zirka 400 Menschen bei dem Gottesdienst dabei. Zu Beginn des Gottesdienstes kam auch schon die erste Überraschung: Es hatten die Kitakinder aus Dannenwalde Lieder vorbereitet. Die Kirchenältesten, der Chor unter der Leitung von Kantor Michael Schulze, und die Band haben mit ganz viel Liebe und Engagement diesen Gottesdienst vorbereitet und auch die Kirche besonders schön geschmückt. Auch die Worte des amtierenden Superintendenten des Kirchenkreises Prignitz Alexander Bothe haben mich sehr berührt. Es war alles sehr bewegend, weil wir, meine Frau und ich, gespürt haben, wie wir doch die Menschen in den vergangenen Jahren erreicht haben.

Was erwartet Sie an Ihrem neuen Arbeitsplatz als Krankenhausseelsorger in Berlin?

Hans-Georg Scharnbeck: Eine sehr interessante und spannende Aufgabe. Ich werde im Klinikum Benjamin Franklin in Steglitz, einer Klinik mit über 1000 Betten, arbeiten. Dort gibt es zwei evangelische Krankenhausseelsorger und einen katholischen Kollegen. Neben der evangelischen Kollegin bin ich dort der zweite evangelische Seelsorger. Es ist eine andere Arbeit als bisher, wobei Seelsorge in der Vergangenheit schon ein Teil meiner Arbeit gewesen ist. Für mich war die Seelsorge schon immer sehr wichtig, ich hab hierzu auch eine Spezialausbildung gemacht. Es ist mir ein ganz wichtiges Anliegen, für die Menschen in schwierigen Situationen da zu sein. In der Krankenhausseelsorge ist es so, dass wir auf die Stationen gehen, um die Patienten, wenn sie es wünschen, zu betreuen und um für die Angehörigen da zu sein. Gleichzeitig sind wir aber auch Ansprechpartner für die Mitarbeiter und Ärzte in allen Belangen rund um ihre Arbeit und auch in persönlichen Fragen. Wir sind auch gefragt, wenn es um ethische oder humanistische Fragestellungen geht. Das sind ja auch immer schwierige Entscheidungen in vielen Dingen und da ist es ganz wichtig, dass wir zur Verfügung stehen und im Gespräch mit den Betroffenen sind. Und um unsere Unabhängigkeit zu wahren, arbeiten wir zwar in den Kliniken als Seelsorger, sind aber Angestellte des Kirchenkreises. So werde ich auch Andachten und Gottesdienste in der Krankenhauskapelle halten, die für alle offen ist.

Wie sind Sie dazu gekommen nach fast 30 Jahren in der Prignitz Krakenhausseelsorger in Berlin zu werden?

Hans-Georg Scharnbeck: Ich habe besonders in den letzten beiden Jahren gespürt, dass ich meinen Dienst als Gemeindepfarrer auf dem Land mit so vielen Gemeinden nicht mehr so ausüben kann, wie ich es möchte und verstehe. So kam es gerade in diesem Jahr immer wieder zu gesundheitlichen Pro-blemen und ich war über neun Wochen im Krankenhaus. Im Frühjahr, als ich gerade aus dem Krankenhaus kam, wurde die Stelle am Klinikum Benjamin Franklin ausgeschrieben und meine Frau und ich, wir haben entschieden, ich versuche es und bewerbe mich.

Wie haben die Gemeindeglieder von Ihnen Abschied genommen?

Hans-Georg Scharnbeck: Mit ganz viel Herzlichkeit und vor allem Dankbarkeit. Das konnten wir an diesem Tag im Gottesdienst und auch beim Kaffeetrinken bei den vielen Grußworten und den persönlichen Verabschiedungen spüren. Viele, viele sind gekommen, Menschen aus unserer ganzen Region, auch viele, die nicht Gemeindeglieder sind, viele junge Leute mit ihren Kindern, die ich getauft habe, sowie ehemalige Konfirmanden, die jetzt Studenten oder Lehrlinge sind, oder längst im Berufsleben stehen. Das hat uns sehr bewegt. Wir hatten auch Gäste aus unseren Partnergemeinden Hamminkeln, Brünen und Wertherbruch am Niederrhein im Kirchenkreis Wesel. Nach dem Gottesdienst gab es noch mal ein großes Zusammensein in der Gaststätte Vehlow. Das war auch überwältigend. Die ganze Vehlower Gaststätte war knüppeldicke voll. Viele Gemeindeglieder haben leckere Kuchen und Torten gebacken und der Vehlower Wirt hat dies mit seinem Team toll gemeistert.

Wenn Sie auf Ihre Zeit im Amt zurückblicken, was ja doch fast drei Jahrzehnte sind, was empfanden Sie als Ihre größte Herausforderung?

Hans-Georg Scharnbeck: Ich weiß nicht, ob man da nur eine nennen kann. Ich hab ja in der DDR-Zeit angefangen. 1987 wurde ich Vikar und in den Dienst in Kolrep eingeführt. Das war ja die Zeit, in der viele Menschen in den Westen gegangen sind. Aber alle, die hier geblieben sind, mussten sich ja den damaligen Problemen bei uns stellen. Das war eine ganz spannende Zeit. Und nach der Wende dann die Chance, die Freiräume, die wir vorher als Kirche ja gar nicht hatten, zu nutzen: Wie die Zusammenarbeit mit den staatlichen Institutionen, zum Beispiel der Religionsunterricht an den Schulen. Ich habe sehr gerne erst in der Vehlower Grundschule und dann in Demerthin unterrichtet. In Demerthin gehören wir als Kirche mit dem Angebot des Religionsunterrichtes selbstverständlich zum Schulalltag dazu. Oder auch die Arbeit in der Notfallseelsorge gemeinsam zum Beispiel mit der Polizei tätig zu sein, um Todesnachrichten zu überbringen und für die Angehörigen da zu sein. Das war ja in der DDR undenkbar.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an Ihre bisherige Amtszeit?

Hans-Georg Scharnbeck: Das Schönste waren die Begegnungen mit den einzelnen Menschen, egal ob jung oder alt, und die gemeinsamen Gottesdienste aller Kirchengemeinden.

Viel Freude hat uns, meiner Frau und mir, immer das Singen und die Gemeinschaft in unserem Dannenwalder Kirchenchor bereitet. Die Kontakte und gegenseitigen Besuche mit dem Partnerchor aus Hamburg Alten Eichen waren auch immer wieder ein Höhepunkt. Der Kantor aus Hamburg war bei der Verabschiedung auch dabei. Aber auch das Musizieren in der Band unseres Kolreper Pfarrsprengels war für mich stets etwas Besonderes. Wir haben bei Taufen, Trauungen, Konfirmationen und beim Heilbrunnfest moderne Kirchenmusik zur Ehre Gottes gespielt. Das ist immer gut angekommen.

Auch noch etwas, was mich sehr berührt: Wir haben in Kolrep von 2000 bis 2002 einen alten Stall beziehungsweise eine alte Scheune zu einem Gemeindezentrum umgebaut – unsere Pfarrscheune. Viele ehrenamtliche Helfer und Handwerker haben mit viel Liebe und Engagement über zwei Jahre mitgebaut. Die Scheune wird neben der Gemeindearbeit auch für die Kommune genutzt, da diese ja in Kolrep keine eigene Immobilie hat. Was mich auch besonders bewegt, ist der Kirchbauverein, der sich in Brüsenhagen gegründet hat und dem dieses Jahr Fördermittel für Sanierungsmaßnahmen zugesagt wurden. Besonders ein junges Ehepaar hat mit ganz viel Liebe, Zeit und Durchhaltevermögen dies stetig vorangetrieben und sich gekümmert.

Was wünschen Sie sich für die Gemeindemitglieder?

Hans-Georg Scharnbeck: Ich wünsche mir, dass auch nach unserem Weggang die Menschen gemeinsam aneinander wachsen und weiterhin, trotz der immer länger werdenden Wege, gerne in die Kirche kommen und gemeinsam Gottesdienste feiern. So möchten wir, meine Frau und ich, die Gelegenheit nutzen und uns auf diesem Wege bei allen bedanken, die uns an diesem Tag mit so lieben Wünschen, guten Gedanken und vielen, vielen Überraschungen beschenkt haben. Wir sagen Ihnen allen von Herzen Dank.

Von Anja Schael

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