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Prignitz Pfarrermangel in der Prignitz
Lokales Prignitz Pfarrermangel in der Prignitz
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17:07 21.12.2017
Die Superintendentin des Kirchenkreises Prignitz, Eva-Maria Menard. Quelle: Andreas König
Perleberg

Nun auch noch Karstädt. Pfarrer Christian Gogoll, der eigentlich für den Pfarrsprengel Lindenberg (Gemeinde Groß Pankow) verantwortlich ist, hat sich bereiterklärt, in der knapp 40 Kilometer entfernten Gemeinde mit den vielen Ortsteilen auszuhelfen. Für den in Garz lebenden Geistlichen ist das eine Form der Hilfe, seine Gemeindeglieder sehen den zusätzlichen Aufwand mit Skepsis und einiger Besorgnis.

„Die Personalsituation im Kirchenkreis ist ohne Frage angespannt“, räumt Superintendentin Eva-Maria Menard ein. „Wir haben allein am Heiligabend 169 Gottesdienste und nur 28 hauptamtliche Pfarrer.“ 200 Kirchen sind zu betreuen. Zwischen ihnen liegen teilweise beachtliche Entfernungen. „Mit dem Personal geht es der Kirche wie anderen Branchen auch, es fehlt an geeignetem Berufsnachwuchs“, sagt die Superintendentin.

Für den Pfarrerberuf muss man brennen

Zwar werden in der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg/Schlesische Oberlausitz (EKBO) jedes Jahr 15 bis 20 junge Pfarrpersonen eingestellt, doch das genügt kaum, um die Lücken zu füllen. Es reicht schon gar nicht, um dem in den kommenden Jahren zu erwartenden altersbedingten Ausscheiden vieler erfahrener Geistlicher entgegenzuwirken. „Der Beruf des Pfarrers ist ein sehr schöner, anspruchsvoller und fordernder Beruf, aber man muss dafür brennen“, sagt die Superintendentin.

Viele Geistliche sind mit Herz und Seele dabei, doch bringt es das Berufsbild mit sich, dass die bei den Pfarrerinnen und Pfarrern gelegentlich das eigene Leben in den Hintergrund gerät. „Die Pfarrpersonen begleiten die Menschen ihr ganzes Leben klang, von der Geburt über die Taufe und Einschulung hin zur Trauung und irgendwann auch zur Beerdigung“, sagt Eva-Maria Menard. Das sei eine sehr wichtige Aufgabe, bedeute aber für diejenigen, die sie erfüllen, dass sie dann arbeiten, wenn andere freihaben. „Das ist auch jedem bewusst, der diesen Beruf ergreift, doch müssen die jungen Pfarrerinnen und Pfarrer ja auch dafür sorgen, dass ihre Familien nicht zu kurz kommen, und das ist gar nicht so leicht.“

Gemeindeglieder sollen stärker eingebunden werden

Oftmals lässt sich der nett gemeinte Wunsch, der Pfarrer möge ein „Schönes Wochenende“ verleben, nicht erfüllen, denn schon die regulären Gottesdienste wollen vorbereitet und gehalten werden. Kommt dann noch eine Beerdigung dazu, kann ein fein austarierter Plan zu Gestaltung der Freizeit schnell hinfällig werden.

„Wir müssen und wollen im Kirchenkreis Prignitz stärker auch die Gemeindeglieder einbinden“, sagt Eva-Maria Menard. In den klassischen Pfarrsprengeln wird das zwar praktiziert, doch kümmern sich die dort in der Kirche Aktiven verständlicherweise zunächst um das Geschehen rund um ihren eigenen Kirchturm.

Fusionen von Kirchengemeinden werden häufig angelehnt

„Der einzige Bezugspunkt der einzelnen Gemeinden im Sprengel ist die Pfarrperson. Die ist dann aber auch für viele andere Gemeinden zuständig, was mitunter dazu führt, dass sich manche Gemeinden nicht ausreichend betreut fühlen“, hat die Superintendentin festgestellt. Die Fusion von Kirchengemeinden, die laut der Grundordnung der EKBO vorgeschrieben ist, wenn nicht mehr ausreichend Seelsorger vorhanden sind, werde von vielen Menschen abgelehnt. Mehr praktikabel scheint der Superintendentin das Modell des Gemeindeverbandes zu sein. „Da arbeiten die einzelnen Gemeinden zusammen, behalten aber ihre Unabhängigkeit“, erklärt Eva-Maria Menard.

Aus den Gemeinden des Kirchenkreises Prignitz, der sich von Lenzen im Nordwesten bis Segeletz im Südosten erstreckt sowie von Havelberg bis Meyenburg sei dieser Wunsch des Öfteren geäußert worden. „Ich habe für dieses Modell viel Sympathie, aber derzeit laufen noch die Diskussionen“, sagt die Superintendentin.

Viele sind auf Berlin fixiert

Wie andere Institutionen auch wirbt der Kirchenkreis Prignitz unter den Vikaren, also den angehenden Pfarrern, die ihr Studium und das 1. Examen absolviert haben, für eine Tätigkeit in der Prignitz. „Aber viele sind auf Berlin fixiert und können sich ein Leben auf de Land kaum vorstellen“, berichtet Eva-Maria Menard.

Für die drängendsten Personalprobleme in Wittenberge, im Bereich Lenzen und in Karstädt werde es Lösungen geben, doch die Zukunft der Pfarrstellen in der Prignitz macht Superintendentin Eva-Maria Menard Sorgen. „Aber ich bin sicher, dass wir diese Probleme mit Gottes Hilfe und guten Ideen lösen“, sagt sie.

Von Andreas König

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