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Pilgerfest mit Theater

Bad Wilsnack Pilgerfest mit Theater

Ins tiefste Mittelalter wollten die Bad Wilsnacker ihre Gäste zurückversetzen, genauer gesagt ins Jahr 1433. Das lange vorbereitete Pilgerfest lockte am Samstag rund 1500 Besucher an. Es gab Marktstände, mittelalterliche Musik und ein Historienspiel. Ein 91 Jahre alte Frau gewann ein Fahrrad.

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Mittelalter-Musikanten: Die Gruppe „Wirbeley“ spielte vergnügt zum Fest auf.

Quelle: Kerstin Beck

BAD WILSNACK. Lange hatten die Bad Wilsnacker das Pilgerfest vorbereitet – am Samstag ging es nun endlich über die Bühne – zur Freude von rund 1500 Besuchern zwischen Kirche und Park. Das Fest hatte es in sich: Rund 50 „Wallfahrer“ pilgerten am Vormittag von der Plattenburg in den Festort, und bei der anschließenden Tombola war es ausgerechnet eine 91 Jahre alte, rüstige Wilsnackerin, die den Hauptgewinn, ein vom Förderverein Wunderblutkirche gestiftetes Fahrrad, gewann. Und ein sachs Jahre alter Junge aus Frankfurt am Main durfte einen Grill mit nach Hause nehmen.

Ein eigentümliches Marktspektakel im Park lud dann bis zum Höhepunkt des Festes, dem Pilgertheater, zum Bleiben ein. Denn hier gab es Selbstgemachtes aller Art, und von den 60 von den Wilsnackerinnen gebackenen Torten waren gegen 15 Uhr nur noch wenige Stücke übrig. Aber da gab es ja noch mehr: Jungen aus Afghanistan und aus Werder boten Pilgerbrote und frische Äpfel an, am Stand der Kirchengemeinde gab es Brot und Wein, selbstredend aus biologischem Anbau, dazu anderenorts polnische Pilzfladen und gebackenes Kalb am Spieß aus Groß Lüben. Die jüngsten Besucher nutzten neben dem vielen farbenprächtig Anzuschauenden auch ein Mitmach-Angebot: In Gipsformen wurden Figuren wie Kreuze und Herzchen eingeritzt und mit Zinn ausgegossen. Und einen fast echten „armen Pilger“ konnte man an einem Stand antreffen, der gezogene Wachskerzen anbot. Der mit Jacobsmuschel und Pilgerzeichen versehene Wusterhausener war voll des Lobes: „Das Fest hier hat einen ganz besonderen Charakter und eine eigene Atmosphäre – und so etwas kann nur entstehen, wenn es von den Bürgern selbst gewollt und organisiert wird.“

Etliche hundert Besucher waren es dann, die sich direkt ins Mittelalter entführen ließen. Genauer gesagt in das Jahr 1433, denn im Stück trat auch die englische Visionärin Margery Kempe auf, die nachweislich in diesem Jahr durch die deutschen Lande gepilgert war. Als wortgewaltig überzeugende Mystikerin war hier Ramona Wickel zu erleben, und wie sollte es auch anders sein: Die „Sündenwaage“ blühte alsbald der Wallfahrerin, die sich jedoch mit ihren wiederhergestellten Kräften geschwind dieser Prozedur entziehen konnte.

Doch es gab noch mehr zu sehen, denn über 50 Helfer und mehr als 30 Akteure hatten am diesjährigen Schauspiel mitgewirkt: So König Wenzel IV (Dieter Spielmann), der - in Wirklichkeit infolge seiner Unfähigkeit – doch hier wegen seiner Liebe zur selbstbewussten Spelunken-Wirtin Sophia (Simone Struck) – abgedankt war; den weihevoll-machtbegierigen und eine Schar unehelicher Bälger mit sich ziehenden Bischof (Lutz Bieck), den kaisertreuen Landgraf Ludwig IV. von Thüringen (Volker Gelthe) und dessen marienhaft-unschuldig-schön erscheinende Gemahlin (Bärbel Czapik).

Dem entgegen standen der geldgierige Bürgermeister (Toralf Hirsch), geschäftstüchtig-eigensüchtig-zerstrittene Kaufleute und Handwerker sowie als aufmunterndes Beiwerk der alles nachäffende Hofnarr (Wolfgang Kralopper).

Und ein klein wenig wurde sogar am Nimbus des allmächtig heilenden „Wunderblutes“ gekratzt, als auf dem „Fürstentag“ ein abgerissener Pilger auftrat, der sich alsbald als der aus Prag angereiste Petrus von Ach (Jochen Purps) entpuppte, der bei der klugen Wilsnacker Spital-Heilerin Appolonia (Katharina Kohse) öffentlich um ihre Hand anhielt: „Endlich bist du da, und nun frage ich dich hier vor den vielen Menschen: Willst du als meine Frau mit mir kommen?“, selbstredend ein „ja, das will ich“ erhielt und damit das Stück zu seinem wohlverdienten guten Ende führte. Und der Lohn für so viel Mühe, Ausdauer und monatelange Proben mit der Autorin und Regisseurin Bärbel Mann: ein kaum enden wollender Beifall des begeisterten Publikums.

Von Kerstin Beck

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