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Pilgerzeichen ist der „Fund des Monats“

Bad Wilsnack Pilgerzeichen ist der „Fund des Monats“

Im Archäologischen Landesmuseum im Brandenburger Paulikloster wurde als „Fund des Monats“ ein aus Wilsnack stammendes Pilgerzeichen vorgestellt. Das Zeichen wurde im Jahr 2007 beim Ausbau der Ortsdurchfahrt in Oranienburg gefunden. Wie es dorthin kam, ist unklar.

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Die vier mal vier Zentimeter großen Pilgerzeichen waren begehrte Mitbringsel aus der Wallfahrt nach Wilsnack. Dieses Stück ist jedoch eine Nachbildung.

Quelle: Kerstin Beck

Bad Wilsnack. Irgendwann zwischen 1384 und 1552: Jeden Tag kommen in den kleinen, aber über die Grenzen der deutschen Lande hinaus berühmten Ort Fremde, die wochen- und monatelange Strapazen hinter sich haben. Sie gehen zu Fuß; manche sind ärmlich, manche mit Umhang und Hut oder Kappe reicher gekleidet. Hier in Wilsnack, das lange noch kein „Bad“ ist, sind sie am Ziel ihrer Reise angelangt, erbitten und erflehen sich die Gnade des heiligen Wunderblutes – zum Sündenablass, aber auch zur Heilung ihrer Krankheiten.

Bevor es wieder zurückgeht, erwerben die reicheren unter den Pilgern ein geweihtes Andenken. Hergestellt von einem Gießer, der bei Havelberg lebt, wird es vor der gewaltigen Kirche für teures Geld verkauft: ein Pilgerzeichen. Das aus Blei gegossene, etwa vier mal vier Zentimeter große Souvenir sieht aus, als wenn drei Münzen zu einem auf der Spitze stehenden Dreieck zusammengeschweißt wären; die beiden oberen sind mit einem Kreuz bekrönt. In den Bildfeldern der Hostienabbildungen – denn darum handelt es sich bei den „Münzen“ – gibt es Darstellungen der Passion und Auferstehung: oben links der Gekreuzigte, oben rechts der auferstandene Christus, der sich mit Siegesfahne aus dem Grab erhebt, unten ist Christus an der Geißelsäule zu sehen.

Ziel der Anbetung der Pilger

Ziel der Anbetung der Pilger: der Wunderblutschrein in der Wilsnacker Kirche.

Quelle: Kerstin Beck

Das bleierne Zeichen ist nicht nur der Beweis dafür, dass man am viel gepriesenen Pilgerort gewesen ist: Göttlichen Schutz, Hilfe und Segen bis zum Lebensende soll dieses wertvolle Andenken seinem Träger fortan bringen.

Aber wie so oft kommt es manchmal anders, als man denkt. Räuberische Überfälle auf einsamen Wegen, einem städtischen Markt oder in einer erbärmlichen Herberge fordern ihren Tribut. Manch ein Pilger muss, um zu überleben, auch einmal das Wertvollste, was er besitzt – und das ist dieses Andenken – an gierige Zöllner oder habgierige Händler weitergeben. Und das Schicksal nur einiger heiliger Zeichen ist gewiss: Sie werden Jahrhunderte später bei Ausgrabungen ans Tageslicht gebracht.

Wann und wie das Pilgerzeichen aus Bad Wilsnack, welches in der ständigen Ausstellung im Brandenburger Paulikloster zu sehen ist und am Donnerstag als „Fund des Monats“ von Michael Schneider in einem halbstündigen Referat vorgestellt wurde, nach Oranienburg kam, steht in den Sternen. „Es wurde 2007 innerhalb der archäologischen Begleitung während des Ausbaues der dortigen Ortsdurchfahrt gefunden“, informierte der Historiker. „Und vollständig ist das im Flachguss hergestellte Stück leider auch nicht mehr – die beiden bekrönenden Kreuze fehlen hier!“

Die Pilgerzeichen haben sich europaweit verbreitet

47 Wilsnacker Pilgerzeichen sind bis jetzt gefunden worden. Ihre Verbreitung ist europaweit: Der westlichste Fundort ist das in der englischen Grafschaft Norfolk gelegene Kings Lynn. Interessanterweise stammte ausgerechnet aus diesem Ort eine Dame aus besseren Kreisen: Margery Kempe. 1433 ist die Mystikerin im vermutlichen Alter von 60 Jahren auch zum Wunderblut nach Wilsnack gepilgert und hat ihre Erlebnisse in ihrer Schrift „The book of Margery Kempe“ festgehalten.

Über das niederländische Nieuwlande, im Süden Rotenburg ob der Tauber und Nürnberg, im Osten bis hin zum polnischen Gdansk und im Norden über das dänische Solberg bis hin zum schwedischen Alvastra, welches ab 1143 ein Zisterzienserkloster besaß, reichen weitere Fundorte. Sehr gut erhalten ist zum Beispiel das im mecklenburgischen Grabow gefundene Zeichen: Es ist unversehrt und wird in das 15. Jahrhundert datiert.

Glocken tragen das Pilgerzeichen

Im Übrigen tragen zwei Glocken in der Wilsnacker Wunderblutkirche sowie eine Glocke in der Klein Lübener sowie in der Boberower Kirche das Pilgerzeichen, und in Lenzen wurde vor etlichen Jahrzehnten bei einer Ausgrabung eine Pilgerflasche gefunden – Indizien für die vielen Wege, die nicht nur nach Rom, sondern auch nach Wilsnack führten.

Von Kerstin Beck

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