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Pilotprojekt Elektrobus

Nahverkehrsbetriebe beobachten die Entwicklung Pilotprojekt Elektrobus

Bislang fahren Elektrobusse in Deutschland vor allem in Pilotprojekten. Diese Woche rollte ein Elektrobus durch die Prignitz - zur Probe und zum Kennenlernen. Mehrere Branchenvertreter sind zur Präsentation nach Putlitz gekommen, denn Elektromobilität ist für den öffentlichen Nahverkehr ein brandaktuelles Thema.

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Der Bus in der Pritzwalker Marktstraße bei einem kurzen Zwischenstopp während der Probefahrt.

Quelle: Claudia Bihler

Putlitz. Der Bus fährt an, das übliche Ächzen ist zu hören, als die pneumatischen Bremsen gelöst werden. Auch Luft- und Rollgeräusche sind im Bus der tschechischen Firma SOR hörbar – im Innenraum fehlt nur das monotone Dieselbrummen. Von außen ist nichts zu hören – der Bus bewegt sich auf leisen Reifen und erntet den einen oder anderen überraschten Blick von Passanten.

Das Gefährt mit seinen acht Metern Länge ist im Rahmen einer Europatour von Hamburg nach Putlitz gekommen. Thomas Flemming, Vorstand der Prignitzer Leasing (PLAG) in Putlitz, ist Lizenznehmer bei dem tschechischen Unternehmen und will die Busse nun in den fünf ostdeutschen Bundesländern vermarkten. Doch als der Bus bei der PLAG an die Steckdose angeschlossen wird, brennen bei Thomas Flemming erst einmal die Sicherungen durch: Der Schaden beschränkt sich aber auf ein paar Schmelzsicherungen, weil die Akkus zu schnell zu viel Strom auf einmal ziehen wollen. Doch Roman Tichy und Busfahrer Zdenek Salda von der SOR versprechen: Es geht auch noch schneller. Acht Stunden im Normalbetrieb, 90 Minuten beim Schnellladen, dann sind die Akkus wieder voll. Der Bus hat dann im Autobahn- und Überlandverkehr eine Reichweite von knapp 250 Kilometern, im Stadtverkehr von 200. Die 120 Kilometer von Hamburg aus hat der SOR also mit einem halben „Tank“ geschafft, ein Ausflug nach Pritzwalk ist noch drin.

Beim Ausflug nach Pritzwalk ist auch Frank Rüdiger-Gottschalk, Geschäftsführer des Westprignitzer Reisedienstes in Weisen, an Bord. Wie er sind mehrere Branchenvertreter zur Präsentation nach Putlitz gekommen, denn Elektromobilität ist für den öffentlichen Nahverkehr ein brandaktuelles Thema. Das Dach seiner Betriebsgebäude habe er sich schon mit Photovoltaik-Modulen vollgepackt. Und seit zwei Jahren beobachtet er ein Elektrobus-Projekt in Niedersachsen. „Der Bus, den ich jetzt kaufe, wird hoffentlich der letzte Dieselbus sein“, meint Gottschalk, der seine rund 60 Busse auch in Schülerbeförderung und Linien-Verkehr einsetzt.

Zwar ist die Investition in einen Elektrobus mit gut 400000 Euro noch wesentlich höher als für einen Diesel, der rund 220 000 Euro kostet. Dennoch zeigen sich auch die Mitarbeiter anderer Nahverkehrsgesellschaften beeindruckt. Bodo Libert, Wittstocker Niederlassungsleiter der Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft, staunt: Statt mit einer normalen Dieseltankfüllung mit rund 250 Euro ist der Elektrobus mit 50 Euro zufrieden. „Wir müssen den Einsatz für Elektrofahrzeuge dennoch gut durchkalkulieren“, sagt Libert, „denn es ist ja nicht nur der Strom, der teurer werden kann.“ Nötig ist auch die entsprechende Ladetechnik für mehrere Fahrzeuge gleichzeitig und ein zweites Akkupack für 50 000 Euro wird bei langer Laufzeit auch noch fällig.

Dennoch beobachten die heimischen Logistiker die Entwicklung intensiv. Flemming: Hier wird so viel regenerative Energie gewonnen, die auch da verwendet werden sollte, wo sie anfällt.“ Tilo Hahn von der Schienenverkehrsgesellschaft Regioinfra kann sich vorstellen, Elektrobusse als Fahrzeuge im Schienenersatzverkehr einzubinden: „Zumal wir bereits eine Trasse für Windstrom neben unsere Bahnlinie von Pritzwalk nach Meyenburg verlegt haben, weil der Windpark Frehne II nicht mehr im Umspannwerk Falkenhagen angeschlossen werden konnte.“

Frank Rüdiger-Gottschalk wartet zwar derzeit noch die Langzeittests ab, ist aber zuversichtlich: Die Reichweite der Busse sei genügend groß. Im Schülerverkehr kann ein Bus zwischen Hin- und Rückfahrt noch einmal ans Netz. Rüdiger-Gottschalk: „Mit eigenem Strom wird man unabhängig vom Mineralölmarkt. Und allein das verschafft schon ein Wohlfühlgefühl.“

Von Claudia Bihler

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