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Prignitz Pilotprojekt des Weissen Rings Prignitz
Lokales Prignitz Pilotprojekt des Weissen Rings Prignitz
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00:18 28.02.2016
Henk van Essen (l.) und Bernd Riese. Quelle: Michael Beeskow
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Perleberg

Der Weg zum Weissen Ring ist nicht immer leicht. „Da gibt es einen ganzen Wald an Angeboten“, erklärt Henk van Essen, stellvertretender Leiter der Opferorganisation in der Prignitz. Mit einem Pilotprojekt für Brandenburg geht der Verein im Landkreis nun neue Wege.

Henk van Essen schildert das Problem. Das Opfer einer Straftat kommt zur Polizei und erstattet Anzeige. Auch wenn das Opfer offensichtlich einer Hilfe Bedarf, die Beamten dürfen den Weissen Ring darüber nicht informieren. „Der Datenschutz verbietet die Weitergabe persönlicher Daten“, erklärt Henk van Essen. Die Organisation hat jetzt eine kleine, handliche Broschüre „Standards für die Opferhilfe im Weissen Ring“ erarbeitet, in der sie ihre Tätigkeit vorstellt. Das Heftchen dürfen Beamte weiter geben. Hierüber besteht ein Übereinkommen mit der Polizeiinspektion Prignitz. Inzwischen liegen die Hefte in allen Dienststellen aus. „Auch in jedem Streifenwagen dürften die Hefte inzwischen liegen“, berichtet Henk van Essen. Nicht selten erfahren Opfer, erstmals durch Polizeibeamte von der Existenz des Weissen Rings. „Wir wollen Kriminalitätsopfer besser und schneller erreichen“, begründet Henk van Essen die Aktion.

Auch das Kreiskrankenhaus macht mit

Mit einer Veranstaltung wurde am Donnerstag auch das Kreiskrankenhaus in Perleberg in die neue Aktion einbezogen. In der Runde der Pflegeverantwortlichen aller Stationen stellte der Vertreter des Weissen Rings das Projekt vor. Pflegedienstleiter Bernd Riese zeigte sich aufgeschlossen. „Unser Pflegekräfte haben bereits einen Flyer“, berichtete er. Aber es sei wichtig, dem Thema immer wieder Aufmerksamkeit zu schenken. „Das Krankenhaus ist natürlich ein Anlaufpunkt für Opfer von Kriminalität, besonders die Notaufnahme und die Psychiatrie.“ Allerdings sei Perleberg nicht Berlin- Moabit. „Wir haben diese Fälle, aber bestimmt nicht täglich.“

Aus seiner Erfahrung weiß er, wie wenig Opfer mit ihrer Situation fertig werden. „Ach, ich muss eine Anzeige erstatten“, heißt es mitunter bei der Versorgung in der Notaufnahme. Das Kreiskrankenhaus bietet sozialdienstliche Hilfen an, vermittelt etwa Kontakte zu Behörden. Nach der stationären Behandlung auf der Suchtstation, wird auch die Aufnahme in Selbsthilfegruppen vermittelt. „Aber wir bringen keinen nach Hause. Unsere Grenze ist das Krankenhaus“, erklärt der Pflegedienstleiter.

Ähnlich wie die Polizei darf auch das Krankenhaus bei offensichtlichen Gewalttaten nicht aktiv werden. „Wir können aber sagen, dass es dieses Angebot vom Weissen Ring gibt“, erklärt Bernd Riese. Doch es gibt auch Ausnahmen bei eindeutigen Verletzungsmerkmalen bei Kindern werden Jungendamt oder die Polizei informiert. Dies gilt auch für Menschen unter Betreuung und Schwerstbehinderte. „Die anderen aber sollen damit umgehen können“, verweist der Pflegedienstleiter auf die Rechtslage.

Sieben Mitarbeiter betreuen derzeit mehr als 30 Fälle

Henk van Essen sprach am Donnerstag von einem Startschuss für die Ausbreitung des Pilotprojektes. Der Holländer, der in Perleberg lebt, und seit fünf Jahren sich im Weissen Ring ehrenamtlich engagiert, sieht eine Zunahme von Opfern, die sich an den Weissen Ring wenden. Aktuell betreuen die sieben Mitarbeiter in der Prignitz mehr als 30 Fälle.

Darunter sind Missbrauchsfälle an Kindern, Opfer von Gewalttaten oder Stalking. Betreut werden aber auch Familien von Drogenabhängigen. Das ist nicht einfach, berichtet Henk van Essen, der auch Landespräventionsbeautragter des Weissen Rings in Brandenburg ist. Es handelt sich um einen junge Mann, der randaliert und gewalttätig wird, aber jede Kooperation, jede Behandlung ablehnt. Der Drogenabhängige wird früher oder später ein Fall für die Justiz, befürchtet Henk van Essen. Der Weisse Ring versucht zu helfen so gut es geht. „Wir hoffen, dass wenigstens die Familie darüber nicht kaputt geht.“

Von Michael Beeskow

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