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Pinnower will Löschung seiner Daten

Uwe Zach wurde erkennungsdienstlich behandelt Pinnower will Löschung seiner Daten

Ist er Täter oder Opfer? Uwe Zach aus Pinnow (Gemeinde Karstädt) hatte Ärger mit der Polizei. Eine Firma, deren Geschäftsführer er war, hatte betrügerische Internet-Geschäfte gemacht. Allein: Er will davon nichts gewusst haben, denn er verdient als Treuhand-Geschäftsführer für Limited-Firmen sein Geld und gibt für diese nur seinen Namen her.

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Die Geschäfte müssen weitergehen: Uwe Zach hat einen Ersatzlaptop, auch wenn er eigentlich mit Daten arbeiten müsste, die sich auf den von der Polizei beschlagnahmten Rechnern befinden.

Quelle: Bernd Atzenroth

Pinnow. Es sorgte schon für ein wenig Aufsehen in dem kleinen Ort Pinnow (Gemeinde Karstädt), als am Gutshaus auf einmal die Polizei aufkreuzte, um die Räume zu durchsuchen und Computer und alle Arten von Speichermedien sowie Kontounterlagen zu beschlagnahmen und mitzunehmen. Auch Uwe Zach, der das einst heruntergekommene Gutshaus 2001 erworben hatte, war überrascht, wie er der MAZ erzählte, weniger noch von dem Einsatz selbst als von seiner Vehemenz. Nunmehr stand der Geschäftsmann ohne Arbeitsmittel da, die Geschäfte mussten ruhen. Mehr noch: Er musste sich in der Polizeiinspektion Perleberg einer erkennungsdienstlichen Behandlung unterziehen lassen.

Was aber war die Ursache für den Einsatz Mitte Februar? Der Hintergrund ist eine Ermittlung in Bayern gegen eine Firma, bei der Zach als Geschäftsführer eingetragen ist. Die Firma, eine Limited, wird des Internetbetrugs im großen Maßstab beschuldigt – 400 000 Euro Schaden sollen dabei entstanden sein. Hochwertige Gegenstände – Kleidung, Schmuck - sollen verkauft und nicht versendet worden sein.

Ein Geschäftsführer, der nichts mit seiner Firma zu tun hat

Uwe Zach bestreitet auch gar nicht, bei der Firmengründung als Geschäftsführer eingetragen worden zu sein. Nur: Von den Geschäften will er nichts gewusst haben. Denn Uwe Zach ist so etwas wie ein Leih-Geschäftsführer, und er ist dies schon für 416 Firmen gewesen. Er tritt immer dann auf, wenn der eigentliche Firmeninhaber bei der Anmeldung seines Geschäfts nicht in Erscheinung treten will, und kooperiert dabei seit 2012 mit dem Münchner Unternehmen Companea, das ihn quasi an Gründer einer Limited vermittelt und gegen Honorar als Geschäftsführer einsetzt.

„Meine Aufgabe ist dann, zum Notar zu gehen und alles anzumelden. Damit verdiene ich mein Geld, und danach habe ich nichts mehr mit der Firma zu tun“, erklärt Uwe Zach, der beteuert, dass solcherlei legal ist – noch. Denn der Gesetzgeber ist offenbar bemüht, diese Regelung wieder abzuschaffen, die es seit Einführung der britischen Limited als mögliche Rechtsform einer Gesellschaft in Deutschland gibt – schon 2016 werden Einschränkungen bei der Anonymisierung von Unternehmern über die Einsetzung eines Treuhandgeschäftsführers eingeführt. Bisher aber sei all dies rechtens gewesen, und es sei meist gut gegangen, wie Uwe Zach nicht müde wird zu betonen.

Uwe Zach hielt seinen Namen für einen Betrüger her

Diesmal aber nicht: Zach, der ansonsten durch seine Straußenzucht bekannt ist, hielt seinen Namen für einen Betrüger her. Und so suchte das Amtsgericht Bamberg in der Prignitz um Amtshilfe nach. Dagegen hat Zach im Grunde nichts, schließlich sei nachweisbar, dass er nicht der eigentliche Geschäftsführer der Firma sei. Die zuständige Staatsanwältin in der Zentralstelle Cybercrime Bayern in Bamberg, die er nach der Durchsuchung kontaktiert habe, hätte ihm gegenüber auch gemeint, dass er im Grunde eher Opfer denn Täter sei.

So wunderte sich Zach, der auch schon Mitglied im Wirtschaftsausschuss der Gemeinde Karstädt war, darüber, warum die Prignitzer Polizei so hart an die Sache herangegangen sei. Ein Blick zu Hause in die Unterlagen von der Polizei ließ ihn aus allen Wolken fallen: Als Anlass für den Einsatz wurde hier ein Raub im Pritzwalker Nettomarkt aus dem Jahr 2014 aufgeführt – ein Versehen, wie sich dann herausstellte und wie auch von der Pressestelle der Polizeidirektion in Neuruppin gegenüber der MAZ bestätigt wurde. Nicht bestätigt wurde Zachs Behauptung, dass die Prignitzer Polizei aus eigenem Antrieb gehandelt habe – man habe auf ein Amtshilfeersuchen reagiert. Die Staatsanwältin in Bamberg war bislang für eine Stellungnahme zum Thema nicht zu erreichen.

Neuer Laptop musste her

Mit dem im Übrigen längst aufgeklärten Vorfall in Pritzwalk hat Uwe Zach nichts zu tun. Seine Aufregung wurde dadurch aber noch größer. Er wollte die Korrektur seiner Unterlagen und eine Löschung seiner erkennungsdienstlich gesicherten Daten. Doch auch das brachte ihm keine für ihn zufriedenstellende Lösung der Angelegenheit. Denn nun wurde in den Unterlagen gegen ihn geltend gemacht, dass schon im Jahr 2013 etwas gegen ihn vorgelegen habe – weshalb die Daten nicht gelöscht werden sollten. Er sei „bereits 2013 wegen Softwarepiraterie in Form gewerbsmäßigen Handelns polizeilich in Erscheinung getreten“, heißt es nun.

Genau deswegen seien auch die Ermittlungen in der Prignitz geführt worden, erklärte dazu Dörte Röhrs von der Polizeidirektion Neuruppin – es gab diese Eintragung und den neuen Verdacht, genug Grund aus Sicht der Prignitzer Polizei, um zu handeln. Das Ergebnis dieser Ermittlungen war zuletzt noch offen, die Polizei ist von dem Verdacht auch nach einer jüngsten Nachfrage nicht abgerückt. Uwe Zach hingegen bestreitet, mit diesem Vorwurf überhaupt irgendetwas zu tun, geschweige denn überhaupt jemals Kenntnis davon bekommen zu haben – auch nicht von der Polizei.

Uwe Zach erhält seine Computer erst nach und nach wieder. In seinem Arbeitszimmer steht ein neuer Laptop – die Geschäfte müssen weitergehen.

Von Bernd Atzenroth

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