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Prignitz Plattdeutsch soll in der Pflege Fuß fassen
Lokales Prignitz Plattdeutsch soll in der Pflege Fuß fassen
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00:20 18.09.2017
Neuland: Die Betreuungskräfte aus verschiedenen KMG-Einrichtungen verfolgten das niederdeutsche Seminar mit Interesse. Quelle: Christamaria Ruch
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Pritzwalk

Die Wittstocker Plattsprecher betraten am Donnerstag im KMG-Klinikum in Pritzwalk Neuland. Dort absolvierten 20 Betreuer aus verschiedenen KMG-Standorten und Bundesländern eine turnusgemäße Schulung. Zum Abschluss des Tages erfuhren die 20 Frauen aus erster Hand, wie Platt zum Türöffner bei den Patienten in der Pflege wird.

„Platt ist eine Verbindung zu den Patienten. Wir möchten damit auch etwas für sie tun und sie in ihrer Erstsprache respektieren“, sagte Heidi Schäfer. Sie ist Motor und Akteurin für Plattdeutsch in der Region Wittstock sowie auf Landes- und Bundesebene. In Wittstock gewinnt Plattdeutsch seit zwei Jahren immer mehr Bedeutung im Pflegealltag. „Ich bin froh, dass sich die Geschäftsführung der KMG Wittstock damals diesem Sprachansatz geöffnet hatte“, so Schäfer. Auch in weiteren Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten der Dossestadt setzt sich Platt in der Pflege seitdem mehr und mehr durch.

Mit dem Seminarangebot in Pritzwalk halten die Plattsprecher vom Verein für Niederdeutsch im Land Brandenburg Wort. Erst im März präsentierten deren Wittstocker Mitglieder in ihrer Heimatstadt erstmals ein auf die Pflege in Brandenburg zugeschnittenes plattdeutsches Wörterbuch und eine Lern-CD unter dem Titel „Platt helpt – Platt is cool.“ Damals machten die Plattsprecher die Zusage, dass zukünftig auch Patienten und Bewohner in den weiteren KMG-Kliniken und Pflegeeinrichtungen von dem niederdeutschen Sprachangebot profitieren.

Ingrid Meckelburg und Heidi Morling tauschten sich mit Kathrin Leu (v.l.), Pflegedienstleiterin am KMG-Klinikum in Pritzwalk, über das plattdeutsche Pflegewörterbuch aus. Quelle: Christamaria Ruch

Ingrid Meckelburg, Heidi Morling und Ulrich Gäde aus Wittstock liehen letztes Jahr ihre Stimmen bei dem Einspielen der plattdeutschen Pflege-CD. Sie gestalteten nun mit Heidi Schäfer den Nachmittag. Das dazugehörige Wörterbuch vereint auf 28 Seiten im Taschenformat A 6 mehr als 300 Vokabeln sowie über 100 Redewendungen aus dem Alltag in Krankenhaus und Pflegeeinrichtungen.

„Ich bin gespannt und gleichzeitig abwartend, ob wir zukünftig etwas aus unseren Bewohnern auf Platt herauskitzeln können“, sagte Kathrin Leu, Pflegedienstleiterin am KMG-Klinikum in Pritzwalk. Ähnlich äußerte sich die Qualitätsbeauftragte Katrin Hübscher: „Ich bin neugierig. Platt wird immer seltener in unseren Häusern gesprochen. Wenn wir uns darauf einlassen und uns schulen, können wir eventuell die Bewohner erreichen.“ Die niederdeutsche Sprache ist die zweithäufigste Regionalsprache in Europa. Nach der in Spanien beheimateten katalanischen Sprache gehört das Niederdeutsche zu den Spitzenreitern unter den Regionalsprachen.

Platt weckt Erinnerungen an Kindheit

„Platt ist für viele Menschen Mutter- und Erstsprache“, sagte Referent Heinrich Siefer von der katholischen Akademie in Stapelfeld (Niedersachsen). Die Erstsprache vermittelt „Emotionen, Geborgenheit, Sicherheit und Wertschätzung.“ Kommt Platt in der Pflege zum Einsatz, weckt das auch Erinnerungen an die Sicherheiten in der Kindheit, so Siefer. An Demenz erkrankte Menschen fallen „zu 100 Prozent in ihre Erstsprache zurück“, sagte Heidi Schäfer. „Wenn Platt die Erstsprache eines Menschen ist, ist das bei Alzheimerpatienten das letzte Buch in der Bibliothek“, sagte Siefer in bildhafter Sprache. Gespräche auf Platt eignen sich bestens, die Lebensqualität der erkrankten Menschen zu verbessern. Heidi Schäfer weiß aus ihren Gesprächen in Pflegeeinrichtungen, dass sich „die Patienten nicht freiwillig als Plattsprecher zu erkennen geben. Aber wenn sie mit ein paar Worten auf Platt angesprochen werden, schließt das ihr Herz auf.“ Heinrich Siefer pflichtete dem bei: „Die niederdeutsche Sprache ist der Schlüssel zur Seele des Menschen.“

Brandenburger Pilotprojekt

Das Wittstocker Projekt „Platt in der Pflege“ ist seit 2015 als Brandenburger Pilotprojekt vom Sozialministerium in Potsdam anerkannt.

Dieses Ministerium unterstützte auch die Herausgabe von Wörterbuch und CD mit finanziellen Mitteln in Höhe von 7600 Euro.

Beide Medien wurden im März dieses Jahres jeweils in einer Auflage von 1000 Stück herausgegeben. Sie sollen in ganz Brandenburg in Krankenhäusern, Pflegediensten und medizinischen Fachschulen verteilt werden und zum Einsatz kommen.

Mit Hilfe dieses Projektes soll die niederdeutsche Sprache zukünftig in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen eine Rolle spielen. Und soll gleichzeitig eine Tür zur Kindheit der betroffenen Patienten öffnen. cmr

Ein Aufenthalt im Krankenhaus oder in einer anderen Pflegeeinrichtung zählt zu den seelischen Notsituationen. Auch wenn Patienten im Krankenhaus aufgenommen werden, über ihre Krankheit reden sollen und den Alltag dort erleben – ein Gespräch auf Platt kann zum Türöffner werden. Die vier Wittstocker Plattsprecher bauten dann in der Gruppenarbeit erste Hemmschwellen bei den Betreuungskräften ab. „Das hat ja hier noch ordentlich an Fahrt aufgenommen“, fasste Heidi Schäfer abschließend zusammen. Die Betreuungskräfte sprachen und sangen gemeinsam auf Platt. „Wie nun in Pritzwalk die niederdeutsche Sprache in die Ausbildung der Fachschüler aufgenommen wird, ist noch offen“, so Schäfer.

Von Christamaria Ruch

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