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Platz in Prignitzer Schulen wurde knapp

Flüchtlingskinder mussten mitunter warten Platz in Prignitzer Schulen wurde knapp

Die Flut an Flüchtlingen traf die Bildungslandschaft in der Prignitz ebenso wie alle anderen Bereiche. Auch wenn das Staatliche Schulamt auf die Anforderungen vorbereitet gewesen sei, wie Schulrat Harald Schmidt sagt, mussten in der Prignitz manche Flüchtlingskinder auf einen Platz in einer weiterführenden Schule warten.

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Mädchen aus Flüchtlingsfamilien lernen Deutsch als Fremdsprache.

Quelle: dpa

Pritzwalk/Neuruppin. Für den fast 16-jährigen Sahid* aus Afghanistan ist es enorm wichtig, gut Deutsch zu sprechen. „Wir wollen zuerst die Sprache lernen und dann das Abitur machen“, erzählt er – auf Deutsch. „Wenn ich in Deutschland bleiben will, ist die Sprache ganz wichtig.“ Sahids Traumberuf ist Arzt. Er kam vor sieben Monaten aus Afghanistan, wo er eine zwölfjährige Schulausbildung begonnen hatte.

Samira* aus Syrien ist seit elf Monaten in Deutschland. Die 14-Jährige besucht die 7. Klasse und lernt am liebsten Sprachen: Französisch – da hat sie eine 1 – und natürlich Deutsch. Aber auch Geschichte mag sie. Gerade hat Samira in einem Französischwettbewerb gewonnen. „Ich möchte mal Schriftstellerin werden“, sagt sie. Die beiden besuchen das Pritzwalker Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasium.

Deutsch als Fremdsprache in Nachmittagskursen

Während die Grundschulen und Oberschulen im Landkreis alle ausländischen Schüler aufnehmen, wie sie kommen, suche sich das Pritzwalker Gymnasium laut Schulleiter Harald Glöde die Zugänge aus. „Wir sind wohl eines der wenigen Gymnasien im Kreis, das Flüchtlinge unterrichtet.“ So seien im vergangenen Jahr auf einen Schwung sowohl EU-Ausländer als auch Flüchtlinge – auch ein unbegleiteter Minderjähriger – am Gymnasium aufgenommen worden. Sie kommen aus der Ukraine, Weißrussland, Rumänien, Syrien und Afghanistan. Die 13 Jugendlichen nehmen in den Regelklassen am Unterricht teil und lernen zusätzlich in Nachmittagskursen Deutsch als Fremdsprache.

Grundvoraussetzung für den Besuch der Ausländer am Goethe-Gymnasium sind Englischkenntnisse. „Wer das nicht kann, für den bringt das hier nichts“, sagt Harald Glöde. Wenn die Flüchtlinge Englisch können, beherrschen sie außerdem die lateinischen Buchstaben und können so auch Deutsch leichter lernen. Für die beim Abitur geforderte zweite Fremdsprache könnten sie eine Prüfung in Arabisch oder Farsi ablegen, so der Schulleiter. Einfach ist die zusätzliche Aufgabe für die Lehrer sicher nicht. „Die Kollegen haben die Kinder in den Unterricht bekommen und müssen jetzt damit umgehen“, sagt Schulleiter Glöde. Dabei seien die Pritzwalker nicht ganz unerfahren, „weil wir immer mal Gastschüler aus dem Ausland bei uns haben“, erinnert er.

Auf die Schulen der Kreise verteilt

Insgesamt werden im Landkreis Prignitz 262 Schülerinnen und Schüler aus Flüchtlingsfamilien oder unbegleitete minderjährige Flüchtlinge beschult, im Landkreis Ostprignitz-Ruppin sind es 364. Darüber informierte Gordon Hanning vom Staatlichen Schulamt Neuruppin.

In Grundschulen der Prignitz werden aktuell 164 Kinder beschult, an weiterführenden Schulen lernen 98 Schüler. In OPR haben die Grundschulen 280 Flüchtlingskinder in ihre Klassen aufgenommen, 84 gehen in weiterführende Schulen.

Schulen mit einer besonders hohen Anzahl an Flüchtlingskindern sind in der Prignitz die Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule in Pritzwalk, die Grundschule Wittenberge, die Grundschule Geschwister Scholl in Perleberg, die Oberschule mit Grundschulteil in Glöwen und die Friedrich-Gedike-Oberschule in Perleberg.

In Ostprignitz-Ruppin haben die folgenden Schulen besonders viele Neuzugänge aufgenommen: die Karl-Liebknecht-Grundschule Neuruppin, die Grundschule „Doktor Salvador Allende“ in Rheinsberg, die Astrid-Lindgren-Grundschule in Wusterhausen/Dosse, die Prinz-von-Homburg-Schule in Neustadt/Dosse und schließlich auch die Carl-Diercke-Schule Oberschule in Kyritz.

Bei diesen Schülern stehe allerdings nicht die Frage, ob sie den Schulabschluss schaffen. Die betreffenden Kollegen machen sich deshalb Gedanken, wie sie mit den Anforderungen umgehen können. „Wenn die Klasse zum Beispiel eine Arbeit schreibt, holen sie die betreffenden Schüler nach vorn, um die Leistung im erklärenden Gespräch oder an der Tafel abzufragen.“ Andere überlegen, ob sie für die Flüchtlingskinder die Aufgabenstellung sprachlich etwas einfacher formulieren.

Während Flüchtlingskinder im Grundschulalter in der Prignitz meist sofort einen Platz in einer Klasse bekamen, dauerte das bei größeren Kindern oder unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen auch schon mal ein paar Monatee. Nicht nur für private Helfer, auch für Abgeordnete in Perleberg war das ein Thema. Laut sagen will dazu aber kaum einer etwas. Immerhin gibt es in Deutschland die Schulpflicht.

Schulpflichtfrage schon lange thematisiert

Harald Schmidt, Schulrat am Staatlichen Schulamt in Neuruppin, versichert, dass seine Behörde auf die „Problemlage“ vorbereitet gewesen sei: „Wir haben die Schulpflichtfrage in der Prignitz schon lange thematisiert.“ Seit 2013 die ersten Flüchtlinge angekommen seien, habe das Schulamt über die schulische Bedarfslage nachgedacht, sagt Schulrat Schmidt – auch über den Personalzuwachs. „Die reine Platzkapazität an den Schulen ist irgendwann ausgereizt. Hier müssen wir nachsteuern.“

Leider gebe es im Landkreis Prignitz nicht ausreichend Plätze in den Klassen, vor allem in den Jahrgangsstufen 8 und 9. Deshalb sei in Wittenberge eine „voll curriculare“, also am Lehrplan orientierte Gruppe eingerichtet worden, in der die größeren Schüler – zusätzlich zu ihrem Regelunterricht – Deutsch lernen. Dort können die Teilnehmer jahrgangsübergreifend bis zu einem Jahr unterrichtet werden. Ähnliche Gruppen gibt es in Perleberg und Glöwen, so der Schulrat. Ab dem folgenden Schuljahr soll es dem Bedarf entsprechend weitere Zuweisungen im Schulsystem geben, kündigte Harald Schmidt an. Im laufenden Schuljahr seien indessen keine zusätzlichen Regelklassen vorgesehen. „Das geht nicht von jetzt auf gleich.“

Zusätzliche Lehrer sind nicht immer da

Rein räumlich gibt es nach Aussage von Danuta Schönhardt, Leiterin des Geschäftsbereichs Bildung und Jugend beim Landkreis Prignitz, aber kein Problem. Der Kreis ist als Schulträger für die weiterführenden Schulen für „die Absicherung der räumlichen Voraussetzungen“ zuständig. Nach Hinweisen im Perleberger Sozialausschuss, wonach die Aufnahme größerer Kinder in den Schulen problematisch sei, habe man sofort nachgefragt: „Aber wir haben keine bestätigten Fälle“, sagt die Geschäftsbereichsleiterin. „Räumliche Kapazitäten ab der 7. Klasse sind jedenfalls da.“

Für die Einrichtung der Klassen müssten aber zusätzliche Lehrer zur Verfügung stehen – „die sind nicht immer da“, sagt die Geschäftsbereichsleiterin. Der Kreis stehe aber in regem Kontakt mit Schulrat Schmidt. „Wir arbeiten an einer Lösung zur Aufnahme der Einzugliedernden.“ Unter den Zugereisten seien immer auch Menschen aus Ländern, für die der Aufenthalt in Deutschland rechtmäßig ist. „Für die jungen Menschen gilt nicht nur eine Schulpflicht, sondern auch ein Schulrecht“, betont Schönhardt. Etwas weitere Wege zur weiterführenden Schule müssten die Kinder freilich mitunter zurücklegen – genauso wie die, die hier geboren wurden. „Kann eine Zuweisung nicht an die gewünschte Schule erfolgen, tritt wieder der Landkreis auf den Plan und organisiert die Schülerbeförderung. Das ist kein Problem.“

Sahid kann sich gar nicht vorstellen, nicht zur Schule zu gehen: „Ich würde gern viel mehr Deutsch lernen. Die anderen Fächer sind schwer für uns, weil wir die Sprache nicht so gut verstehen.“ In der Schule gefällt es ihm fast besser als Zuhause, obwohl er sich dort sehr wohl fühlt. Aber es sei ein bisschen langweilig. Die deutsche Familie, bei der er wohnt, unterstütze ihn sehr: „Wir machen abends Hausaufgaben und lernen deutsche Wörter.“

*Namen geändert

Von Beate Vogel

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