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Prignitz Polnische Autorinnen zu Gast in Meyenburg
Lokales Prignitz Polnische Autorinnen zu Gast in Meyenburg
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02:16 06.11.2015
Ursula Kramm Konowalow las aus ihren „Poetischen Wanderungen“, die sich ebenfalls in der Anthologie finden. Quelle: Beate Vogel
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Meyenburg

„Dzien dobry“ hieß es am Montagabend im Meyenburger Schloss – „Guten Tag“ auf Polnisch. Zum Lesekreis für Erwachsene, den die Meyenburger Bibliothek jeden Monat veranstaltet, waren neben deutschen auch polnische Autorinnen gekommen. Das Literatur-Kollegium Brandenburg gastierte zu seinem 25-jährigen Bestehen mit der Anthologie „Kindheit in Deutschland – Kindheit in Polen“. Zweisprachig blieb es auch den ganzen Abend.

Der Poesie der gelesenen Worte tat dies keinen Abbruch: Die Prignitzer Poetin Ursula Kramm Konowalow stellte Gedichte aus dem Band „Poetische Wanderungen“ vor. Die wundervollen Illustrationen dazu stammen von der polnischen Grafikerin Johanna Wieruszewska-Kurek und sind jetzt in einer kleinen Ausstellung in der unteren Etage des Schlosses zu sehen. So komplex die Texte der Dichterin sind, so poetisch klingen sie in Polnisch. Nur eben anders.

Dass die Poesie der Geschichten bei der Übersetzung verloren geht, glauben die Autorinnen aber nicht. „Es hängt viel von der Zusammenarbeit mit dem Übersetzer ab“, sagte Lucja Dudzinska. „Der Übersetzer muss auch Künstler sein“, meinte Heinrich von der Haar. Dabei trage auch der Autor selbst Verantwortung, findet Justyna Fijalkowska: „Wenn es zu schwierig ist, sollte er es nicht zum Übersetzen geben.“

Autorin Lucja Dudzinska, die in Poznan ein Kultur- und Bildungszentrum leitet und in ihrer Freizeit Geschichten schreibt, erzählte in ihrem Beitrag von einer Frau und ihren Erlebnissen auf dem Weg ins Erwachsenenleben: „Vom kantigen Schulranzen, bepackt mit allem Wissen, zwei Maikäfer in einer Streichholzschachtel, von der Schule heimwärts läuft sie ...“ Justyna Fijalkowska übersetzte – mal ins Deutsche – mal ins Polnische. Ihre anrührende Geschichte aus der Sammlung beschrieb eine wildromantische Kindheit beim lieben Opa auf dem Land, von Spielen im sommerlichen Obstgarten und der ersten kleinen Liebe.

Heinrich von der Haar, im Münsterland aufgewachsen, schilderte eine harte, aber dennoch schöne Kindheit auf einem Bauernhof in den 50er Jahren. Und schon wurde deutlich, dass es nicht nur nationale, sondern schon regionale Unterschiede in den autobiografisch geprägten Lebensgeschichten gibt: Heinrich von der Haar erzählte vom kargen Leben in der Großfamilie, in der die Mutter das neunte Kind bekommt in einer Zeit, in der alles geteilt werden musste – Kleidung, Mahlzeiten, Betten. Die Zukunft war ungewiss, der Zusammenhalt aber groß. „Viele Dörfer waren damals am Untergehen“, berichtete er. Und wenn die einen viele Kinder hatten und die anderen keines, „dann kam es vor, dass der Pfarrer kam und sagte: ’Gib doch eins ab, ihr habt doch genug’“, erzählte der Autor.

Heinrich von der Haar hat die Sammlung aus Prosa und Gedichten von 27 deutschen und polnischen Autoren herausgegeben. „Wir wollten über die Grenzen gehen“, sagte der Vorsitzende des Literaturkollegiums. Nicht nur literarisch. Er habe sich gedacht, dass das mit Kindheitserinnerungen besonders leicht geht. „Es war schön, mit den polnischen Autoren ins Gespräch zu kommen, zumal beiderseits immer noch Vorbehalte bestehen.“ Die Idee sei, Brücken zu bauen, bestätigte Lucja Dudzinska. In Gedichten, Kurzgeschichten oder Romanauszügen finden sich die Schicksale mehrerer Generationen, aufgewachsen von kurz nach dem Krieg bis kurz vor der Wende, in der DDR, in Polen oder in Westdeutschland.

„Die Kindheit ist das Fundament für das Erwachsenenleben“, befand Ursula Kramm Konowalow. Alle haben sie erlebt, viele erinnern sich gern daran. Und die Autoren schreiben gern darüber, Lucja Dudzinska sogar seit ihrer Kindheit. Das verbindet die Autoren in dem Band bei allen Unterschieden – egal, welche Nationalität sie haben. Justyna Fijalkowska: „Ich glaube, als Kind hat man alles ganz intensiv erlebt, auch die Gefühle. Kinder sehen alles – ob jemand traurig ist oder ob es ein Geheimnis gibt. Und das ist toll.“

Von Beate Vogel

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