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Prignitz Pompeji Brandenburgs in Freyenstein
Lokales Prignitz Pompeji Brandenburgs in Freyenstein
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12:00 29.05.2015
Museologin Stephanie Kroll (l.) zeigt Journalisten die Figur "Heinrich Bettelhering". Quelle: Björn Wagener
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Freyenstein

Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann nennt es „das Pompeji Brandenburgs“; für Joachim Wacker vom Landesamt für Denkmalpflege ist es die „bedeutendste derartige Anlage in Europa“. Etwas Vergleichbares habe man zuvor „überhaupt noch nicht gesehen“. Mit Superlativen wurde gestern nicht gespart. Schließlich wird der fertiggestaltete Archäologische Park in Freyenstein am 6. Juni offiziell eröffnet. Medienvertreter durften sich gestern schon einmal näher umschauen.

Auf einer 25 Hektar großen Fläche hinter der ehemaligen Schule können Besucher eine Reise ins Mittelalter unternehmen. Der Weg führt in das ehemalige Freyenstein, das 1287 verlassen wurde. Die eigentliche Attraktion sind die Keller der alten Häuser, die zum Teil nur 30 Zentimeter unter der Erdoberfläche liegen. Entdeckt wurden sie 1980 bei Kabelverlegearbeiten. Das wahre Ausmaß dieser archäologischen Rarität wurde aber erst Anfang des neuen Jahrtausends festgestellt. 2003 präsentierte der Professor für Grabungstechnik und spätere Projektleiter Thomas Schenk erstmals seine Forschungsergebnisse und wies schon damals auf die sehr außergewöhnliche Entdeckung hin.

Nahezu einzigartig mache den Park vor allem die Tatsache, dass sich mit den Funden beweisen lasse, dass hier eine Stadt „systematisch und schnell“ errichtet wurde. Zudem seien der Zustand und die Dichte der Funde bemerkenswert. Bis heute seien mehr als 100 Keller gefunden worden, berichtete Stephanie Kroll. Die Diplom-Museologin von der Potsdamer Agentur „Kreativköpfe“ war für die Gestaltung des Areals zuständig. Dass die Fläche ein erhebliches touristisches Potenzial bietet, war zwar von Anfang an klar, aber gleichzeitig gab es ein Problem: Wie sollte man Touristen etwas präsentieren, das sich unter der Erde befindet? „Anfangs hatte keiner so recht eine Idee“, erinnert sich Thomas Schenk. Doch es wurde eine Diskussion in Gang gebracht. Fachleute und Kommune vereinte ein gemeinsames Ziel, dem man sich Stück für Stück näherte. Ab 2007 wurde es konkret. Damals startete der erste von drei Bauabschnitten auf dem Gelände. Jetzt ist geschafft, was damals begann.

Besucher gelangen über eine hölzerne „Straße“ ins „Städtchen“, flankiert von Figuren aus Corten-Stahl, dessen Rostschicht gewollt ist. Im Mittelpunkt steht Heinrich Bettelhering, den die Besucher via Audio-Guide auf seinem Weg in die Stadt begleiten können. Er kommt mit Handwerkern und Bewohnern ins Gespräch, während er seinen Wagen rappelnd über das Pflaster zieht. Das Ganze ist wie ein Hörspiel angelegt, erarbeitet von Thomas Schenk und eingesprochen von professionellen Schauspielern. Daneben gibt es auf einem zweiten Kanal auch sachliche Informationen. Zentraler Punkt auf dem Gelände ist ein Schutzbau, der exemplarisch einen frei gelegten Keller umgibt. Elf rote begehbare Gitterboxen kennzeichnen weitere Keller, die zum Teil auch einsehbar sind.

Einen Blick unter die Erde erlauben zudem wie aufgeklappte Erdspitzen inszenierte Gebilde. Eine alte Pflasterstraße wurde frei gelegt; die ehemalige Burganlage wird präsentiert, und es gibt einen nachempfundenen Marktplatz – ebenfalls aus Corten-Stahl. Ein begehbares Stadttor begrenzt das Areal. Drei Hütten, zum Teil noch in Bau, bieten nicht nur Schutz vor Schauern, sondern beinhalten auch sogenannte „Guckis“ – Stereoskope, die einen dreidimensionalen Einblick in die damalige Stadt erlauben. Ausgestellte Fundstücke im Empfangsbüro sowie allerlei Mitbringsel für Touristen runden das Angebot ab.

Seit 2007 wurden laut Frank Wilcke vom städtischen Bauamt insgesamt 1,6 Millionen Euro in den Park investiert – allein im dritten Bauabschnitt 905 000 Euro, die zu 75 Prozent gefördert wurden. Touristisch vermarktet werden soll der Park vor allem als Bestandteil der „Zentralen archäologischen Orte“ (ZAO), einem Projekt, das sieben Bodendenkmale (fünf im Kreis Prignitz, zwei in Ostprignitz-Ruppin) „wie auf einer Perlenkette“ verbindet, wie Jörg Gehrmann gestern sagte. Er hofft auf viele Gäste, vor allem auch Schulklassen. Christine Neumann, die als städtische Angestellte Besucher durch den Park führt, sieht den Archäologischen Park Freyenstein als „riesengroße Chance“.

Von Björn Wagener

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