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Prignitz Pritzwalker Postmitarbeiter streiken
Lokales Prignitz Pritzwalker Postmitarbeiter streiken
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13:40 01.07.2015
Sieben Kolleginnen und ein Kollege streiken vor der Post in Pritzwalk. Quelle: Foto: Beate Vogel
Pritzwalk

„Ich stehe hier, weil meine Gewerkschaft dafür eintritt, dass die Post gleichen Lohn für gleiche Arbeit zahlt“, sagt Karsten Trostmann. Der Postmitarbeiter zog sich am Mittwochmorgen gemeinsam mit sieben gewerkschaftlich organisierten Kolleginnen die leuchtend gelbe Verdi-Weste an und trat vor dem Verteilzentrum in der Pritzwalker Poststraße in den Streik _ bis auf Weiteres. Was die Pritzwalker Postler fordern, ist vielschichtig: Während Trostmann vor allem dafür einsteht, dass 26 Jahre nach der Wende in Deutschland die Kollegen in den östlichen Ländern endlich 100 Prozent des westdeutschen Lohnes bekommen sollen, setzen sich seine Mitstreiterinnen gegen die Vergabe und die Ausgründung von Diensten ein.

„Von der Fremdvergabe sind vor allem die Paketzusteller betroffen“, weiß Annemarie Teupel. Diese würden woanders eingesetzt – zu schlechteren Arbeitsbedingungen. So hat bekanntlich die Post mit der Gründung der Tochter DHL Delivery 49 regionale Gesellschaften angemeldet, in denen die Mitarbeiter als reine Paketzusteller zum günstigeren Logistiktarifvertrag bezahlt werden. Mit DHL unterläuft die Post den eigenen Tarifvertrag, kritisierte die Gewerkschaft Verdi.

Gleiches Geld für gleiche Arbeit

Das Lohngefüge bei der Post weist ein erhebliches Ost-West-Gefälle auf. So bekommen Kollegen zum Beispiel im Baden-Württembergischen Freiburg einen Stundenlohn von 18 Euro. Die Postmitarbeiter in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verdienen dagegen nur gut 11 Euro in der Stunde – für die gleiche Arbeit.

Postmitarbeiter, die im herkömmlichen Zustellbetrieb Briefe und Pakete zustellen, erhalten für ihre Arbeit rund 30 Prozent mehr Lohn als reine Paketzusteller zum Beispiel bei der Post-Tochter DHL Delivery, die über den Logistiktarif bezahlt werden.

Die Arbeitszeitregelung hat die Gewerkschaft Verdi im Frühjahr gekündigt. Auch da gibt es Unterschiede: Während die einen festen Zeitrahmen haben, arbeiten andere nach dem Motto: Zugestellt wird, bis alles abgearbeitet ist _ ohne Ausgleich.

Während ihre Kolleginnen im Verteilzentrum in Minimalbesetzung die Lieferungen sortieren – und für sie mitarbeiten – streiken draußen die Gewerkschafter für die anderen mit. Die Pritzwalker Postmitarbeiter fordern aber eine einheitliche Behandlung für alle. „Da wird viel Druck aufgebaut“, hat Gabi Busse festgestellt. „Man spielt mit der Angst der Leute, die oft nur noch für drei Monate eingestellt werden“, so Annemarie Teupel. Ihre Kolleginnen sind 21, 30 oder 35 Jahre beim Unternehmen, arbeiten gern in ihrem Job. Das merkt man, wenn sie erzählen.

Dabei seien bei der Post insgesamt die Arbeitsbedingungen schlechter geworden. „Wir besetzen 20 Touren mit 16 Zustellern“, beschreibt Sandra Nobereit die Lage. Von Pritzwalk aus werden die Bereiche Pritzwalk, Groß Pankow, Putlitz und Meyenburg betreut. Durch den steigenden Online-Handel lässt sich das permanente Aufkommen an Sendungen mit dem vergleichen, was sonst nur um die Weihnachtszeit anlag.

Auch der Kündigungsschutz für die Kollegen laufe Ende 2015 aus. „Man kann die Leute dann aus betriebsbedingten Gründen von heute auf morgen kündigen“, sagt Sandra Nobereit. „Der Vorstandsvorsitzende Frank Appel hat seinen Aktionären versprochen, innerhalb von fünf Jahren den Gewinn auf fünf Milliarden Euro zu steigern“, erklärt Annemarie Teupel. „Und das geschieht auf unsere Kosten.“ Die Pritzwalker Postler fordern, dass es zu einer vernünftigen Einigung kommt, dass keine Touren mehr verkauft werden und dass der Kündigungsschutz bis 2020 bestehen bleibt.

Auf einem Transparent unterzeichneten die Pritzwalker Postmitarbeiter für ihre Forderungen. Quelle: Beate Vogel

Den Rücken stärkte den Postmitarbeitern am Mittwoch ihr Gewerkschaftsvertreter Frank Norkus. Er brachte Neuigkeiten von anderen Standorten, versorgte die Pritzwalker mit aktuellen Informationen. Auf einem großen Transparent, das durch die Region geht, konnten die Streikenden für ihre Forderungen unterschreiben. 32 000 Kollegen befinden sich laut Norkus derzeit im Ausstand. „Wir müssen alle ein Stück runterkommen“, sagte er. „Es darf nicht sein, dass die Leute beschimpft werden, die reingehen, und die, die draußen streiken, als faul bezeichnet werden.“ Die meisten Passanten zeigten jedenfalls mit einem Gruß oder einem Lächeln Verständnis für die Postmitarbeiter.

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Von Beate Vogel

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