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Prignitz Prignitz: Engpässe befürchtet
Lokales Prignitz Prignitz: Engpässe befürchtet
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02:17 24.12.2015
In der Kita „Piccolino“ ist das Zusammensein von Kindern aus verschiedenen Ländern schon längst Normalität geworden. Quelle: Michael Beeskow
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Perleberg

Manches hat sich in der Kita „Piccolino“ in Perleberg geändert. Es gibt Essen ohne Schweinefleisch, die Flüchtlingskinder gewöhnen sich allmählich an unser Mischbrot. Und die Erzieherinnen wundern sich nicht mehr, wenn der Vater erscheint, um noch einmal bestätigt zu haben, was mit der Mutter bereits abgesprochen ist.

Die Kita „Piccolino“ ist gut ausgelastet. Die Flüchtlingskinder kommen ab drei Jahren in die Kita, die meisten befinden sich in der Vorschulgruppe. „Das ist ein Kommen und Gehen“, berichtet Cornelia Schreiber. „Viele sind bald wieder weg, wenn die Eltern woanders eine Arbeit gefunden haben“, hat die Kita-Leiterin beobachtet.

Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, gehören inzwischen zum Bild wohl jeder Kita und Schule im Landkreis. In Perleberg besuchen 100 Mädchen und Jungen die Kindereinrichtung „Piccolino“. „Elf Kinder wurden nicht in Deutschland geboren“, berichtet Leiterin Cornelia Schreiber. Auch wenn dieser Tage fast ausschließlich von den Kriegsflüchtlingen aus Syrien gesprochen wird, die Flüchtlings-Asylkinder in „Piccolino“ kommen vor allem aus Tschetschenien, Afghanistan und Tunesien. Cornelia Schreiber wundert sich ein wenig über die momentane Aufregung, wenn es ums Thema Integration geht. „Das ist für uns kein neues Problem, seit zehn Jahren haben wir Kinder mit ausländischen Wurzeln.“ Russlanddeutsche, Rumänen, Albaner, Chinesen und in jüngster Zeit eben auch aus arabischen Ländern wie Syrien oder Iran.

Kommunikation mit den arabischen Eltern ist schwierig

Die Kommunikation mit den arabischen Eltern ist nicht ganz einfach. „Wer diese Sprache kennt, kann uns sehr helfen“, sagt die Kita-Leiterin. Ehrenamtliche Unterstützung ist für sie wichtig. Meist kommt über das Englische eine Verständigung zustande. „Allerdings werden die Kinder sehr schnell zu Übersetzern“, berichtet Cornelia Schreiber. Nach einem halben bis dreiviertel Jahr können sie Deutsch sprechen. Die Kita hat jedoch auch das Glück, über das Bundesprogramm „Offensive frühe Chancen“ eine Förderung zu bekommen. Eine Kollegin kann zur Vermittlung von Sprachkenntnissen freigestellt werden. Allerdings befinden sich lediglich vier Prignitzer Kitas in diesem Programm.

Kitas und Schulen in Perleberg kommen langsam an ihre Aufnahmefähigkeit, hat jüngst der Kreistagsabgeordnete Hartmut Schneider (SPD) festgestellt. Die Awo-Kita wird von sieben Asylbewerberkindern besucht, Hort „Piccolino“ besuchen elf Kinder, den der Rolandschule drei Kinder. Die beiden Grundschulen Rolandschule und Schollschule haben drei beziehungsweise 18 Asylbewerberkinder aufgenommen. Noch geht die Stadt davon aus, dass zusätzliche Kapazitäten in Kitas und Schulen nicht geschaffen werden müssen. Wie der Landkreis im November mitteilte, besuchen inzwischen 109 Flüchtlingskinder Schulen in der Prignitz, davon 42 Grundschulen und 57 weiterführende Schulen.

Seiteneinsteiger werden gebraucht

Angesichts von etwa 400 Flüchtlingen und Asylbewerbern, die allein in diesem Jahr vom Landkreis noch aufgenommen werden sollen, befürchten Kreistagsabgeordnete bald Engpässe bei der Aufnahmemöglichkeit an Schulen. Die Räumlichkeiten seien sicher nicht das Problem, aber die Zahl der Schüler in den Klassen. Hartmut Schneider meinte, wenn bei 30 oder 31 Schülern keine neuen Klassen aufgemacht würden, dann werden sich die Lernbedingungen für alle verschlechtern.

Gordon Hoffmann, Vorsitzender des Schulausschusses und CDU-Landtagsabgeordneter, befürchtet, dass die vom Land in Aussicht gestellten zusätzlichen Lehrerstellen nicht ausreichen werden. Ohnehin bestehe bei Lehrern, die Deutsch als Fremdsprache vermitteln, ein extremer Mangel. Um Stellen besetzen zu können, werde das Land wohl auf Sozialarbeiter und Seiteneinsteiger ausweichen müssen. Hartmut Schneider denkt in diesem Zusammenhang an das ehemalige Studienseminar für Lehrer in Neuruppin: „Das sollte man wieder beleben.“

Dass die Schulen bei der Aufnahme von Flüchtlingskindern an Grenzen stoßen, weist das Landesamt für Schule und Lehrerbildung zurück. „Landkreisweit stehen noch ausreichend Schulplätze zur Verfügung“, erklärt Dietmar Menzel, der die Regionalstelle in Neuruppin leitet. Er schränkt allerdings ein, „wenn auch im weiterführenden Bereich nicht immer an der gewünschten Schule“.

Welche Kapazitäten der Schulträger in Zukunft gestellt werden müssen, darüber kann das Landesamt keine Aussage treffen. „Wir sehen, wo der Bedarf ist, und reagieren darauf“, erklärt Dietmar Menzel. Das Land habe großzügig Lehrerstunden zur Verfügung gestellt. In der Prignitz stehen aktuell für neun Vorbereitungsgruppen 188 Lehrerwochenstunden bereit, in der Ostprignitz-Ruppin sind es 270 Lehrerwochenstunden für elf Vorbereitungsgruppen. Zahlreiche weitere Vorbereitungsgruppen sollen eingerichtet werden, so auch an den Oberstufenzentren. Für das Ü-7-Verfahren (Übergang von der Grundschule zu weiterführenden Schulen) erwartet Dietmar Menzel spürbare Veränderungen.

Gut 7200 Kinder können betreut werden

In Ostprignitz-Ruppin können derzeit gut 7200 Mädchen und Jungen in kommunalen oder privaten Kitas sowie bei Tagespflegepersonen und Horten betreut werden. Allerdings sind dabei bereits Ausnahmen berücksichtigt. Laut dem aktuellen Kitaplan 2015/16 gibt es 6880 Plätze.

Die Auslastungsquote in den kreisweit über 80 Kitaeinrichtungen liegt bei über 90 Prozent. Wird allein die Regelkapazität betrachtet, sind die 6880 Plätze zu 96,5 Prozent ausgelastet. Werden die Kitas mitgerechnet, in denen ausnahmsweise mehr Kinder betreut werden dürfen (die dann weniger Platz zum Spielen haben), beträgt die Auslastungsquote immer noch 92,1 Prozent.

Die Zahl der betreuten Kinder in Ostprignitz-Ruppin ist im Vergleich von 2012 zum Juni 2014 bereits deutlich um 300 gestiegen. Ein Grund dafür ist, dass immer mehr Eltern ihr Kind in einer Kita betreuen lassen, auch wenn es noch keine drei Jahre alt ist. Den Rechtsanspruch darauf gibt es wieder seit August 2013 im Land Brandenburg. Seitdem wird und wurde in vielen Kitas mit Hilfe des Landes in Spiele und Mobiliar für Kinder unter drei Jahren investiert.

Von Michael Beeskow

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