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Prignitzer Brandstifter verurteilt

Landgericht Neuruppin Prignitzer Brandstifter verurteilt

Drei Mal zündelte ein 21-Jähriger im Keller eines Mehrfamilienhauses in Karstädt. Die Bewohner mussten evakuiert werden, das Haus war unbewohnbar. Das Landgericht Neuruppin verurteilte den Mann, der auf dem geistigen Stand eines 14-Jährigen ist, zu einer Bewährungsstrafe. Er muss für zwei Jahre in eine sozialtherapeutische Wohneinrichtung.

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Vor dem Landgericht Neuruppin wurde am Freitag ein 21-jähriger Brandstifter verurteilt.

Quelle: dpa

Karstädt. Gleich drei Mal brannte es im Januar in einem Mehrfamilienhaus an der Straße der Freundschaft in Karstädt.

21-Jähriger für drei Brände verantwortlich

Verantwortlich dafür war der 21-jährige David H., der mit seinen Eltern im selben Haus wohnte. Am Freitag wurde der sehr kindlich wirkende junge Mann vom Landgericht Neuruppin zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Für das Gericht stand fest – das hatte David H. auch zugegeben – dass er am Morgen des 14. Januar mit einem brennenden Lappen einen Kellerverschlag in Brand setzen wollte. Das Feuer konnte rechtzeitig gelöscht werden. Zwei Stunden später brannte es dann richtig. David H. hatte eine brennende Papiertüte in den Keller geworfen.

Großer Feuerwehreinsatz

„Es gab eine große Aufregung und einen riesigen Feuerwehreinsatz“, sagte Oberstaatsanwalt Andreas Pelzer. Die Bewohner wurden evakuiert, drei erlitten Rauchgasvergiftungen, das Haus war unbewohnbar. Es entstand ein Sachschaden von über 50 000 Euro. Sie hätten nur ansatzweise anhand von Bildern die Dramatik nachvollziehen können, die sich dort abgespielt haben müsse, sagte die Vorsitzende Richterin Sandra Marks. „Da fehlen einem die Worte.“Nach zehn Tagen konnten die Mieter ihre Wohnungen beziehen. Da brannte es am 24. Januar wieder, diesmal in der elterlichen Wohnung des Angeklagten.

„Ich finde es unglaublich. Die Leute können zurück ins Haus und umgehend wird ein neues Feuer gelegt“, sagte Andreas Pelzer. Für ihn und das Gericht war das, anders als von David H. behauptet, kein Versehen, sondern Absicht. „Es sollte richtig Aktion sein.“ Dabei ging auch der Oberstaatsanwalt davon aus, dass der Angeklagte Menschen nicht in Gefahr bringen wollte, aber wusste, wie gefährlich so eine Brandstiftung sein kann.

Genau das bezweifelte Verteidiger Andreas Winkler. David H. habe die Brände legen wollen, das ja, aber, dass er andere damit in Gefahr bringen wollte, daran habe er seine Zweifel. „Soweit denkt David H. nicht. Er erkennt das Gefahrenpotenzial nicht.“ Laut Gutachten fehlt dem Angeklagten die geistige Reife. Demnach befindet er sich auf dem Entwicklungsstand eines Zwölf- bis 14-Jährigen. Sein Intelligenzquotient liegt zwischen 50 und 60.

Warum der Angeklagte gezündelt hat, konnte während der Hauptverhandlung nicht geklärt werden. „Wir haben den Eindruck, dass er diese Frage selbst nicht beantworten kann“, sagte Richterin Marks.

Jugendgefängnis nicht die richtige Strafe

Für das Gericht lag die Schwierigkeit darin, die richtige Strafe für David H. zu finden. Anders als der Staatsanwalt, der drei Jahre Jugendstrafe für angemessen und notwendig ansah, hielt das Gericht den Jugendstrafvollzug nicht für geeignet. Zwar sei dieser nach erzieherischen Maßstäben ausgerichtet. „Aber eine Jugendstrafanstalt wird auch von ihren Insassen geprägt“, so Marks. Und die seien andere Typen als der Angeklagte – und vor allem normal intelligent. Das Gericht hatte die große Befürchtung, dass David H. dort nicht den dringend notwendigen Reifungsprozess machen würde. Denn er könne sich schon nicht gegen Jüngere oder Gleichaltrige durchsetzen. Er würde also seine ganzen Ressourcen dafür einsetzen, nicht unterzugehen, nicht aber für seine Weiterentwicklung.

Bewährungsstrafe, aber nicht nach Hause

Deshalb erteilte das Gericht dem 21-Jährigen als Bewährungsauflage, zwei Jahre in einer rund um die Uhr betreuten Wohneinrichtung mit sozialtherapeutischer Behandlung zu leben. Weg von der „Wohlfühlglocke Familie“, wie es die Jugendgerichtshilfe formuliert hatte. Die Bewährungszeit läuft über vier Jahre. Ein Bewährungshelfer wird ihm zur Seite gestellt. „Wir gehen davon aus, dass zwei Jahre ausreichen, damit Sie dann eigenverantwortlich und nicht mehr ohne Ziel in den Tag hinein leben können“, sagte Richterin Marks.

Von Dagmar Simons

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