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Prignitzer Erhebungen von kurios bis künstlich

Welttag der Berge Prignitzer Erhebungen von kurios bis künstlich

In der Region gibt es etliche Erhebungen, hinter denen sich besondere Geschichten verbergen. Die einen haben mit Kinderfreuden zu tun, die anderen mit der Kriegswaffenproduktion im Zweiten Weltkrieg. Eine Spurensuche zwischen Lindow und Lenzen.

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In Kyritz gab es seit dem 18. Jahrhundert einen Kugelfangberg.

Kyritz. Der „Welttag der Berge“, der alljährliche 11. Dezember, soll die Menschen auf die Besonderheiten und Probleme von Bergregionen aufmerksam machen. In flacheren Regionen jedoch sind es schon Hügel, die als Berge gelten, und die für viele Menschen eine ebenso große Bedeutung hatten und haben wie für die Völker zu Füßen eines Watzmanns oder einer Zugspitze.

So wurden in der Vergangenheit zahlreiche Erhebungen im Flachland etwa als Kultstätten genutzt, zugleich auch als Richtstätten. Noch heute sind auf Karten Galgenberge ausgewiesen. Sie gab es in Städten wie Perleberg und kleineren Dörfern wie Kemnitz bei Pritzwalk. Doch dort an der B 189 ist das höchstens noch zu erahnen – wie ebenso manch anderer Prignitzer „Berg“ und seine Nutzung. Beispielsweise wurden Südhänge vor Jahrhunderten vielerorts mit Wein bepflanzt. Auch diese Weinberge sind nur noch auf Karten verzeichnet, ohne tatsächlich noch solche zu sein. In Gantikow und Nackel gab es sie.

Statt eines Galgens oder Weinreben sind stattdessen auf so mancher Erhebung und bei ausreichend Schnee Rodler anzutreffen. Rodelberge gibt es überall.

Galgen oder Wein: jeder Berg hat seine eigene Geschichte

„Nicht zu vergessen sind die künstlichen Berge“, sagt der Kyritzer Jens Masuch, der in Sieversdorf eine Firma für Geoinformationssysteme betreibt. Beruflich hat er mit sämtlichen Geländeformen zu tun. „Da gibt es etwa den sogenannten Kugelfangberg am Kyritzer Untersee“, sagt Masuch. Was es mit diesem „Berg“ auf sich hat, weiß Stadthistoriker Herbert Brandt: „Als Kyritz im 18. Jahrhundert Garnisonstadt war und die Abteilung der Gelben Reiter auch exerzierten und schießen musste, wurde dort dieser Hügel aufgeschüttet. Es ist heute noch zu sehen wo die Schießbahn angelegt war“, erklärt Brandt. „Die Kyritzer Schützen haben mit großer Wahrscheinlichkeit nach Abzug des Militärs diese Anlage genutzt, bis sie einen eigenen Schießstand auf dem Schützenplatz an der Stärkefabrik mit zwei Kugelfangbergen errichtet haben.“ Am Untersee erinnert noch die Straßenbezeichnung daran. Ansonsten ist das Gelände zu einer Bungalowsiedlung geworden.

Ähnlich kurios ist die Geschichte von vier Bergen inmitten des Dreetzer Waldes: Gut getarnt arbeitete dort während des Zweiten Weltkriegs eine Pulverfabrik der Deutschen Sprengchemie. Zur Pulverherstellung wurden die gleichgroßen, runde Berge aufgeschüttet, die der Dreetzer Volksmund noch heute als Ölberge kennt. Der aufmerksame Kraftfahrer kann sie im Winter von der Straße zwischen Dreetz und der Bundesstraße 5 aus sehen oder auf dem Weg nach Bartschendorf. Auch an die Tragik sei erinnert, die mit ihnen zusammenhängt aufgrund der Tausenden Zwangsarbeiter, die es dort einst gab.

Darüber zu sinnieren, bieten jedoch andere, bedeutendere Tage Anlässe genug als ausgerechnet dieser internationale Tag der Berge.

Von Matthias Anke

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