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Prignitzer Polder soll drei Länder schützen

Lenzen Prignitzer Polder soll drei Länder schützen

Für rund 43 Millionen Euro soll in der Lenzer Wische ein Flutungspolder entstehen. Das vereinbarten am Freitag die Umweltminister von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen in Lenzen. Das 2200 Hektar große Gebiet kann zu­sammen mit einem Polder in Mecklenburg so viel Wasser aufnehmen, um im Hochwasser­­fall den Scheitel um 25 Zentimeter zu senken.

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Blicken zufrieden in die Elblandschaft (v.l.): die drei Umweltminister Jörg Vogelsänger, Till Backhaus und Stefan Menzel sowie Landrat Tosten Uhe.

Quelle: Andreas König

Lenzen. Die Idee stammt aus dem Jahr 1891: Ein Flutpolder in der Lenzerwische könnte im Falle eines starken Hochwassers einen Teil der Fluten aufnehmen. Das würde den Höchstwert, den Scheitel des Hochwassers, um gut und gern 25 Zentimeter senken. Genau dieses Vorhaben soll jetzt in die Tat umgesetzt werden. Die Umweltminister von Brandenburg, Jörg Vogelsänger, Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus und Niedersachsen, Stefan Wenzel, unterzeichneten am Freitag eine Vereinbarung zum Hochwasserschutz mit Hilfe eines zu bauenden Polders.

Hochwasserscheitel könnte um 25 Zentimeter gekappt werden

43 Millionen Euro soll das Projekt kosten – für den Polder Lenzer Wische. Das Eignungsgebiet ist 2200 Hektar groß., Bis auf 80 Hektar nördlich von Dömitz, liegen die Flächen in der gleichnamigen Gemeinde im Amt Lenzen-Elbtalaue und damit auf brandenburgischem Gebiet. Ein zweiter Polder im Gebiet des Floßgrabens nördlich der Löcknitz ist ebenfalls als Polder vorgesehen, um die Lenzer Wische bei Hochwasser zu entlasten. Der dort vorgesehen Polder könnte im Hochwasserfall 42,6 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen, der Polder Floßgraben weitere 35 Kubikmeter. Die Experten erwarten davon eine Kappung des Hochwasserscheitels um 25 Zentimeter.

Unterlieger im Norden würden vom Polder profitieren

Davon profitieren würden die sogenannten Unterlieger der Prignitz, also die Regionen an der Elbe, die sich stromabwärts befinden. Konkret sind das Ortschaften wie Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern, und Neu Darchau oder Hitzacker in Niedersachsen. Das ist auch der Grund, weshalb Brandenburgs nördliche und westliche Nachbarn das Projekt finanziell unterstützen: Sie profitieren im Falle eines Hochwassers davon, dass die Elbe mehr Platz zum Ausdehnen bekommt, bevor ihre jeweilige Anrainerregionen erreicht werden. „Das ist ein Zeichen gelebter Solidarität“, schätzt der Prignitzer Landrat Torsten Uhe ein. „Bei den großen Hochwassern 2002 und 2013 wurde Elbewasser in die Havelpolder geleitet. Das hat uns vor schlimmere Folgen bewahrt“, erinnerte der Landrat. Aus der mehrfach beschworenen Solidargemeinschaft der Elbanrainerländer hat sich allerdings ein Bundesland zurückgezogen. Obwohl Schleswig-Holstein von dem geplanten Polder ebenfalls Vorteile hat, beteiligt es sich nicht an den Kosten des Projektes. „Das ist bedauerlich“, sagte der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel.

Investition in Hochwasserschutz ist gut angelegtes Geld

Von einem „guten Tag für den Hochwasserschutz der Menschen der Region“, sprachen der brandenburgische Umweltminister Jörg Vogelsänger und sein Amtskollege aus Mecklenburg-Vorpommern. Das Vorhaben gehöre zum Nationalen Hochwasserschutzprogramm. Es ist 5,4 Milliarden Euro schwer. Mit seiner Hilfe sind allein in Brandenburg acht Maßnahmen des Hochwasserrückhaltes und eine der Schwachstellenbeseitigung geplant. „Das ist gut angelegtes Geld“, sagte der Umweltminister Mecklenburg-Vorpommerns, Till Backhaus. „Die Schäden der beiden großen Elbhochwasser 2002 und 2013 beliefen sich auf insgesamt 16 Milliarden Euro, von den Todesopfern ganz zu schweigen.“

Landwirte fordern Entschädigungsmöglichkeiten

Ein Problem beim Bereitstellen der Flächen sind die Eigentumsverhältnisse. Die brandenburgische Landesregierung, die das Projekt federführend betreut, möchte die Landeigentümer und -nutzer daher frühzeitig einbeziehen. „Dann muss aber auch geklärt sein, wie Landnutzer nach einem Hochwasserfalle entschädigt werden“, sagte der Bürgermeister der Gemeinde Lenzerwische, Klaus-Jürgen Borrmann. „In Lenzerwische produziert ein Verbund von Biolandwirten für Hersteller von Babynahrung. Sollte ein Hochwasser Schadstoffe eintragen, steht die Existenz auf dem Spiel“, sagt er. „Die Entschädigungen sind Teil der Vereinbarung“, antwortetet Minister Jörg Vogelsänger.

Von Andreas König

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