Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Prignitzer Teamleiter Preuß gibt Amt ab

Personalwechsel bei der Notfallseelsorge Prignitzer Teamleiter Preuß gibt Amt ab

Mitbegründer und Teamleiter der Prignitzer Notfallseelsorger Ulrich Preuß will zum Jahresende sein Amt abgeben. Zehn Jahre lang war er ehrenamtlich im Einsatz. Nachfolger soll sein bisheriger Stellvertreter Olaf Glomke werden. Der 70-jährige Preuß will sich künftig in der Flüchtlingsbetreuung engagieren.

Voriger Artikel
Diebe im Krankenhaus
Nächster Artikel
Georg Abel will SPD-Kandidat werden

Nach einem Suizid auf der Bahnstrecke bei Perleberg wurde die Regionalbahn evakuiert. Notfallseelsorger waren dabei.

Quelle: Norman Mundt

Pritzwalk. Im Januar 2016 wird der Leiter des Notfallseelsorgeteams Prignitz, Ulrich Preuß, sein Amt an seinen Stellvertreter Olaf Glomke abgeben. Die zehn Jahre will er aber noch voll machen. Als Mitinitiator des Teams im Landkreis hat Preuß eine Menge Aufbauarbeit geleistet. Ein bisschen wehmütig blickt der 70-Jährige da schon zurück. „Natürlich bedauere ich das auch.“

Am 11. Januar 2006 segnete Pfarrer Peter Sachse in der Perleberger Sankt-Jacobi-Kirche die ersten sieben Mitglieder des Teams ein, mit Ulrich Preuß als Teamleiter. „Damals war der Landkreis Prignitz der letzte im Land, der noch kein Notfallseelsorgeteam hatte“, erinnert er sich. Finanzielle Unterstützung gab es vom Landkreis und vom Kirchenkreis. Noch im gleichen Jahr kamen drei weitere Notfallseelsorger hinzu.

Die Teammitglieder stehen seitdem bei Unfällen Opfern und Angehörigen bei, helfen Polizeibeamten beim Überbringen von Todesnachrichten, hören Feuerwehrleuten zu, die mit einem Einsatz nicht fertig werden. Die Zusammenarbeit mit dem Notfallseelsorgeteam gebe den Polizisten beim Überbringen einer Todesnachricht Sicherheit, so die Erfahrung des 70-Jährigen. „Und wenn die Beamten bei den Hinterbliebenen ihre Meldung gemacht haben und wieder gehen, dann wissen sie, dass noch jemand da bleibt.“ Die anfangs etwas holprige Zusammenarbeit mit den Behörden und den Einsatzkräften sei inzwischen eine Selbstverständlichkeit. „Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass im Laufe der Jahre aus der Distanz eine Nähe geworden ist“, resümiert Preuß. Er und sein Stellvertreter Glomke hielten Vorträge bei Feuerwehr und Polizei, fuhren mit den Beamten auch mal Streife.

Insgesamt gehörten dem Team im Laufe der Jahre 16 Mitglieder an. Aktuell sind es acht sowie ein Kandidat. Wenn Preuß im Januar geht, bleiben sieben. „Wir brauchen ständig neue Kräfte, zehn ist die Grenze“, sagt der Teamleiter. Viele der ehrenamtlich arbeitenden Seelsorger sind berufstätig, haben Familie. So müssen die Bereitschaftsdienste entsprechend aufgeteilt werden.

Sechs mal im Jahr treffen sich die Seelsorger – Pfarrer, Psychologen, Pädagogen oder Rettungssanitäter – zur Teamsitzung. Alle Einsätze werden ausgewertet, zum Teil mit Supervisoren. Gastreferenten helfen, auch die Sicht aus anderen Blickwinkeln zu beleuchten: So gab es Vorträge von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst, Psychologen, Medizinern, der Presse, einem Bestatter, einer Notärztin im Hubschrauber oder der Katastrophenschutzbehörde. Auch in viele Katastrophenschutzübungen werden die Teammitglieder inzwischen eingebunden, etwa wenn so genannte Großschadenslagen wie ein Busunglück simuliert werden. Bis zum gestrigen Tag hatte das Team seit der Gründung 194 Einsätze. 17 waren es in diesem Jahr bisher. Allein 29 hat Preuß absolviert, etwa drei jedes Jahr. „Die waren teils sehr schwer und gingen an die Substanz.“ So betreute er Angehörige nach dem Tod zweier Kinder, einem Suizid oder tragischen tödlichen Unfällen.

Zu der Arbeit als Notfallseelsorger haben den Pfarrer im Ruhestand eine Reihe von Erlebnissen geführt, erzählt er: Todesfälle – auch von Kindern – im Bekanntenkreis, die Ermordung einer Frau, der Unfalltod eines Siebenjährigen, der beim Spielen unters Eis gerutscht war und nicht zuletzt der Unfalltod des eigenen Sohnes bewegten den Pritzwalker, sich als Notfallseelsorger anzubieten. „Diese schlimmen Erlebnisse haben mir am Ende bei dem geholfen, was ich dann gemacht habe“, sagt der 70-Jährige. „Man lernt aus dem Leid, weiß, wovon man redet.“ Für Preuß seien diese Ereignisse eine wichtige Voraussetzung dafür gewesen, eine besondere Empathie zu entwickeln. Dieses Einfühlungsvermögen will er nun bei der Betreuung von Flüchtlingen im Landkreis einbringen.

Von Beate Vogel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Prignitz

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg