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Prignitzer in Sorge um zweiten Bildungsweg

Immer weniger Anmeldungen zum Abendschulabitur Prignitzer in Sorge um zweiten Bildungsweg

Drei Jahre lang büffelten Michael Peters und seine Mitschüler, um das Abitur an der Abendschule in Wittenberge zu machen. Mitten im letzten Schuljahr wechselte die Zuständigkeit von der Kreisvolkshochschule zum Oberstufenzentrum. Die meisten haben ihr Abi jetzt in der Tasche. Der Schülersprecher hätte sich etwas mehr Rücksicht gewünscht.

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Peter Michael hat sein Abi an der Abendschule abgelegt.

Quelle: Foto: König

Wittenberge. Das Abiturzeugnis haben die meisten in der Hand. Drei Jahre lang quälten sich die Prignitzer Abendschüler, um ihr Abi auf dem zweiten Bildungsweg abzulegen. Jetzt bekamen sie ihr Zeugnis überreicht, in einem einigermaßen würdevollen Rahmen. „Es war nicht ganz leicht“, sagt Klassensprecher Peter Michael. Und das lag nicht nur daran, dass die Abendschule, wie der zweite Bildungsweg volkstümlich genannt wird, generell kein Zuckerschlecken ist. „Als wir anfingen vor drei Jahren, waren wir 18 Schüler“, der älteste über 50“, erinnert sich Peter Michael. Er selbst hat Tischler gelernt, in seinem Beruf aber nie genug verdient. „Das meiste, was ich als Tischler mal bekommen habe, waren 7,50 Euro die Stunde“, erzählt der junge Mann. Mit einem zweijährigen Dienst bei der Bundeswehr wollt er die Folgen der Weltwirtschaftskrise nach 2009 überbrücken, doch als er ins Zivilleben zurückkehrte, musste er feststellen, dass sich am Lohnniveau in der Tischlerbranche nicht viel verbessert hatte. „Also wollte ich etwas anderes machen, und dafür brauchte ich das Abitur“, erzählt er. Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, das bedeutete, von Montag bis Donnerstag jeden Abend von 17 bis 22 Uhr die Schulbank drücken, Bücher wälzen, lernen und vor allem, den inneren Schweinehund bekämpfen. „Ich habe mich oft gefragt: Warum tust du dir das an?“, aber letztlich wollte ich mein Ziel erreichen“, berichtet der 26-Jährige, der ursprünglich aus Pritzwalk stammt.

Einschränkungen gab es 2013, als das Hochwasser die Elbestadt in Atem hielt. Und dann kam der Wechsel in der Zuständigkeit für die Abendschule im Februar 2015. Der Kreistag ordnete die Erwachsenenbildung dem Oberstufenzentrum zu. „Die Folge war, dass wir unsere Zeugnisse noch einmal nachreichen mussten“, sagt Peter Michael. Als die Prüfungen anstanden, waren noch sieben Abendschüler übrig, sechs haben es letztlich geschafft. „Laut Schulsatzung soll Rücksicht darauf genommen werden, dass es sich in der Regel um Berufstätige handelt, die viel Schweiß und Tränen für eine bessere Bildung auf sich nehmen“, sagt Peter Michael. Seiner Auffassung nach hätte man den Abendschülern etwas mehr entgegenkommen sollen. „Wie man hört, sind es immer weniger, die das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholen wollen. Es gibt ja ein Recht auf kostenlose Bildung. Ich hoffe, es bleibt in der Prignitz erhalten.“

„Es stimmt, wir haben weniger Anmeldungen“, sagt OSZ-Schulleiter Jan Meyerhoff. „Aber was die Zeugnisse angeht, mussten wir noch Mal nachprüfen.“ Trotz des Zuständigkeitswechsels soll der zweite Bildungsweg aber weiter allen offenstehen.

Von Andreas König

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