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Prignitzer mit rheinischem Dialekt

Josef Jordans ist seit 60 Jahren Chorsänger Prignitzer mit rheinischem Dialekt

Das ist ein seltenes Jubiläum: Josef Jordans ist seit sechs Jahrzehnten Chorsänger. Der 76-jährige Rheinländer ist mittlerweile in der Prignitz heimisch geworden und singt im Prignitzchor Pritzwalk. Dieser gestaltet zum Jubiläum am 25. Juni ein gemeinsames Konzert mit Jordans’ rheinischem Heimatchor.

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Josef Jordans (hinten rechts) ist leidenschaftlicher Chorsänger

Quelle: Atzenroth

Pritzwalk/Tetschendorf. „Ich fühle mich als Prignitzer“, sagt Josef Jordans. Aus den Reihen seiner Mitstreiter im Prignitzchor Pritzwalk ertönt da kein Widerspruch, sondern nur ein Zusatz: „Aber einer mit rheinischem Dialekt.“ Denn seine eigentliche Herkunft kann der 76-Jährige im Gespräch nicht verleugnen. Aber seit nunmehr zwölf Jahren lebt er nunmehr in der Prignitz. Und er ist hier sofort angekommen. „Ich kenne kein Heimweh“, betont Jordans.

Das ist nicht selbstverständlich und hat zunächst auch mit einem sehr traurigen Ereignis zu tun. Denn 2004 starb Josef Jordans’ Frau, die er zuvor siebeneinhalb Jahre gepflegt hatte. Danach musste er Abstand gewinnen und sich erholen und machte eher zufällig Urlaub in Sewekow, also ganz weit weg von den traurigen Erinnerungen. „Nach 14 Tagen ging es mir besser“, erzählt der doch eigentlich lebenslustige Senior. Offenbar tat ihm die Umgebung gut, so gut, dass er einen Immobilienmakler aufsuchte, um mal das Angebot an Häusern zu sondieren. Und tatsächlich: Ein Angebot in Tetschendorf (Stadt Wittstock) stach ihm sofort ins Auge. „Innerhalb von zehn Minuten war alles geregelt“, berichtet er, „und ich habe es keine Sekunde bereut.“ In seiner alten Heimat habe er alles verkauft.

Chorprobe des Prignitz-Chors

Chorprobe des Prignitz-Chors

Quelle: Atzenroth

In Tetschendorf wohnt er noch heute, fühlt er sich gut integriert und bringt sich ins Dorfleben ein. So betreut er die dortige Seniorengruppe. Aber das i-Tüpfelchen für die gelungene Integration eines Neu-Prignitzers mit rheinischem Migrationshintergrund war sicher, dass er hier mit vielen Gleichgesinnten sein großes Hobby ausleben kann: Denn Josef Jordans ist seit 60 Jahren begeisterter Chorsänger, und seit 2012 bereichert er den Prignitzchor mit seiner Stimme. „Ich hab’s gut geschafft, vor allem dank der Leute im Chor“, freut er sich heute, „ich habe nie erwartet, dass ich hier so gut aufgenommen werde – ich fühle mich hier wohl.“

Sein Sängerjubiläum soll nun gefeiert werden. Das wird geschehen beim diesjährigen Sommerkonzert des Prignitzchors, das für Sonnabend, 25. Juni, geplant ist. Dabei gestaltet der Chor das Konzert nicht alleine – als Gäste kommen die Chorsänger vom MGV Germania Schelsen aus Jordans früherer Heimat bei Mönchengladbach.

Infos zu Konzert und Ehrung

Beim Konzert am Sonnabend, 25. Juni, um 15 Uhr im Sudhaus der alten Brauerei werden sowohl der Prignitzchor Pritzwalk als auch die Gäste vom MGV Germania Schelsen jeweils 15 Lieder zu Gehör bringen, bevor sie dann gemeinsam zum Abschluss das Prignitzlied singen.

Das Repertoire des Prignitzchors reicht übrigens von „Kein schöner Land“ und „Ännchen von Tharau“ bis hin zu „Es gibt kein Bier auf Hawaii“. Der MGV Germania Schelsen wartet unter anderem mit dem „Kriminaltango“, „Mein kleiner grüner Kaktus“ und einem eigenen „Ave Maria“ auf. Karten gibt es nur an der Abendkasse zum Preis von fünf Euro.

Für die Ehrung von Josef Jordans wird eigens Hans-Hermann Litzenberg nach Pritzwalk kommen, seines Zeichens Vorsitzender des Singekreises Prignitz-Ruppin im Brandenburgischen Chorverband. Es stehen allerdings auch noch zehn weitere Auszeichnungen an.

Der Prignitzchor Pritzwalk freut sich übrigens auch über jeden Nachwuchssänger. Geprobt wird immer dienstags um 19.30 Uhr in der Pritzwalker Musikschule.

Als 15-Jähriger kam Josef Jordans zum Gesang. Im Kirchenchor St. Josef Schelsen sammelte er seine ersten gesanglichen Erfahrungen, und dann beim MGV Germania Schelsen. Es folgten zwischenzeitliche Gastspiele beim MGV Haiden Mönchengladbach und beim Werkschor der Firma Teekanne in Düsseldorf. Dort arbeitete er auch als Schlosser, und für die Entwicklung dieses Chors hat er große Hochachtung, dies sei mittlerweile ein „Meisterchor“.

Von 1975 bis 2012 sang er dann wieder für den MGV Germania Schelsen und zeitgleich für den Kirchenchor St. Antonius Wickrath. Seine Frau teilte sein Hobby erst ganz zum Schluss und trat 2003 dem Kirchenchor bei. Dem ist Josef Jordans dafür noch heute dankbar: „Der Kirchenchor hat meine Frau getragen.“

Weihnachtslieder mit „weltlichem Touch“

Nun also ist er im Pritz­walker Chor aktiv, und dazu auch noch im katholischen Kirchenchor. Doch beinahe wäre es schon vor dem Beginn nicht dazu gekommen. „Ich wollte singen und las in der Zeitung, dass der Prignitzchor dringend Männer sucht.“ Jordans wusste, dass der Chor auf dem alten Brauergelände in der Kreismusikschule probte. Als er erstmals den Hof der Mälzerei betrat, erschallte dort Technomusik. Die ist Josef Jordans ein Gräuel, und er machte auf dem Absatz kehrt. Dabei lief er drei jungen Frauen in die Arme. Die erwiesen sich als Mitglieder des Prignitzchors, konnten ihn überzeugen, dass die Technomusik mit dem Chor nichts zu tun hat, und nahmen ihn mit zur ersten Probe. Und es war ähnlich wie mit seinem Umzug: Er hat die spontane Entscheidung nicht bereut. „Ich singe gerne hier“, sagt Josef Jordans und schwelgt in Erinnerungen an eine schöne Feier mit mehreren Chören zu seinem 75. Geburtstag im vergangenen Jahr.

Gesanglich hat Josef Jordans Vorlieben, schwärmt von einem Ave Maria auf Russisch, das in seinem Heimatchor gesungen wird. „Ich habe sehr gerne Schubert gesungen, deutsches Liedgut, das klassische Volkslied“, erzählt Jordans, „aber ich singe kein Englisch.“ Das mag er gar nicht, obwohl er ansonsten ein Kosmopolit ist und per Kreuzfahrt schon die komplette Südhalbkugel der Erde erkundet hat. Gefragt nach den Unterschieden zwischen seinen früheren Chören und denen in Pritzwalk, fallen ihm zwei ein: Jordans bevorzugt es, nach Noten vom Blatt zu singen, doch Katrin Schiefelbein, Leiterin des Prignitzchors, bevorzugt beim Proben eine andere Vorgehensweise – aber irgendwie können sich alle gut damit arrangieren. Der zweite Unterschied ist für Jordans „die andere Art, Weihnachtslieder zu singen“. Jordans: „Hier hat das mehr einen weltlichen Touch.“ An dieser Stelle ist er dann doch sehr vom Kirchenchor geprägt.

Zufrieden in der Prignitz

Zufrieden in der Prignitz: Josef Jordans.

Quelle: Atzenroth

Nun aber freut er sich auf das Konzert, das seine alte und seine neue Heimat zusammen auf die Bühne bringt. Bislang kennen sich die Sänger von hüben und drüben noch nicht. „Nur mein Neffe war mal hier“, erzählt Jordans – womit auch klar ist, dass die Musik wohl der Familie im Blut liegt. Wenn die Gäste um Chorleiter Gregor-Maria Heidel gemeinsam mit den Gastgebern vom Prignitzchor gesungen haben, wird beim Griechen Jordans Sängerjubiläum gefeiert.

Ein Lied singen beide Chöre übrigens gemeinsam zum Abschluss: das Prignitzlied.

Von Bernd Atzenroth

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