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Prignitzer schwimmt gegen den Strom

Unabhängige Versorgung Prignitzer schwimmt gegen den Strom

Hans-Joachim Knablowski aus Brügge will sich komplett autark mit Energie versorgen. Er nutzt seit Jahren Geothermie und lässt das Brauchwasser von der Sonne erwärmen. In letzter Konsequenz will er sich jetzt auch vom Stromversorger unabhängig machen: mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach seines Einfamilienhauses.

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Die rote Fläche zeigt, wo die Photovoltaikmodule auf dem Dach von Knablowskis Haus liegen sollen.
 

Quelle: Beate Vogel

Brügge.  Hans-Joachim Knablowski geht es enorm gegen den Strich, von den Stromversorgern abhängig zu sein. Auch ist der Einfamilienhausbesitzer aus Brügge (Amt Meyenburg) überzeugter Gegner der Atomkraft. Nachdem Knablowski schon seit mehreren Jahren verschiedene regenerative Energien für die Eigenversorgung nutzt, will er sich jetzt auch mit elektrischer Energie komplett selbst versorgen. Dafür nutzt er eine Variante, für die er keinen großen Eigenkapitalstock benötigt: Er mietet eine Photovoltaikanlage. In wenigen Tagen – voraussichtlich kommende Woche – wird sie auf dem Dach seines Hauses installiert.

1994 bis 1996 haben Hans-Joachim Knablowski und seine Frau Gisela ihr Einfamilienhaus errichtet. „Damals sind wir von Messe zu Messe gefahren und haben uns informiert, was so alles möglich ist“, erinnert sich der 68-Jährige. Die beiden entschlossen sich, ihr Einfamilienhaus am Ortseingang von Brügge „nach den modernsten Bedingungen“ anzuschließen. „Das beginnt beim Mauerwerk“, sagt Knablowski, „wir haben eine innen liegende Isolierung.“ Gleich zu Beginn kam die kleine Solaranlage für Warmwasser aufs Dach. Mit Brennwerttechnik wurde mit Gas die Fußbodenheizung betrieben, die die Knablowskis im gesamten Haus haben verlegen lassen. „Das war damals der neueste Stand der Technik“. sagt der Bauherr.

Kaum war alles fertig, seien aber die Gaspreise enorm in die Höhe gegangen. „Da haben wir uns bald entschlossen, die Heizwärme über Geothermie zu gewinnen.“ Vier Schächte mit je etwa 80 Metern Tiefe wurden im Garten gebohrt. Tiefer seien die Bohrer nicht gekommen, erinnert sich der Brügger. „Liegt wohl Felsen drunter.“ Üblicherweise benötige man je Quadratmeter Wohnfläche im Haus einen Meter Tiefenbohrung. 15 000 Euro hat das Ehepaar damals investiert. „Das hat sich komplett amortisiert“, versichert Knablowski. Es sei die günstigste Variante für die Bedürfnisse der beiden. Ein Nachteil: Weder die Warmwasseraufbereitung auf dem Dach noch die Geothermienutzung laufen ohne Strom. Die Solaranlage läuft über eine Umwälzpumpe, die Fußbodenheizung nutzt die Flächenpumpe und einen Verdichter. Der Stromverbrauch ist entsprechend hoch, ihn zu reduzieren, kaum möglich. „Seit Jahren suche ich nach einer Möglichkeit, wie ich diese Misere umgehen kann“, berichtet der Hausbesitzer. Die Investition in Höhe von 30 000 Euro für eine Photovoltaikanlage (PVA) auf dem Dach sei einfach zu hoch.

Vergütung für die Hausbesitzer

Eine unabhängige Energieberatung – etwa über unabhängige Berater der Verbraucherzentrale, die auch ins Haus kommen – eignet sich am besten, um die eigenen Verbräuche und Bedürfnisse auszuloten.

Die Installation von Solaranlagen wird bei Eigenheimen als Wertsteigerung gesehen, da sie langfristig eine deutliche Verringerung der Betriebskosten verspricht.

Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist unter anderem die Höhe der Einspeisevergütung für Hausbesitzer geregelt, die 20 Jahre lang für den ins öffentliche Netz eingespeisten Strom gezahlt wird. Sie unterliegt immer wieder Anpassungen. Seit dem 1. April 2015 beträgt der Satz für neu installierte Photovoltaikanlagen bis 10 Kilowatt Leistung 12,47 Cent je Kilowattstunde Solarstrom. Die Vergütung sinkt monatlich ab.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hilft bei der Finanzierung zum Beispiel von Photovoltaikanlagen, Windparks oder Tiefengeothermieanlagen – auch Privatpersonen, die zumindest einen Teil des Stroms ins öffentliche Netz einspeisen.

Informationen zu Solaranlagen auf Eigenheimen gibt es unzählige im Netz zum Beispiel über www.aktion-pro-eigenheim.de, www.photovoltaik-angebotsvergleich.de, www.solaranlagen-portal.com.

 Neuerdings gibt es einen Weg, sagt der 68-Jährige. „Indem man eine solche Anlage mietet.“ Das Investitionsvolumen liege beim Anbieter und beschränke sich für den Nutzer auf die monatliche Miete für die Anlage. Die Knablowskis haben ein Kosten-Nutzen-Rechnung machen lassen: „Danach könnten wir etwa 70 Prozent der Stromkosten sparen.“ Die Installation und die Versicherungstechnischen Dinge übernehme der Anlagenbesitzer, in diesem Fall einer aus Süddeutschland. „Das Plus an Strom, das ich ins Stromnetz einspeise, weil ich es nicht verbrauche, gehört mir“, sagt Knablowski. Die Einspeisevergütung wird gemäß den Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von dem Tag an gezahlt, an dem die Anlage ans Netz geht. Knablowski lässt sich dafür über das Meldeportal bei der Bundesnetzagentur registrieren. Vorteil des Anlagenbesitzers: Er hat feste Mieteinnahmen für die nächsten 20 Jahre. „Diese Methode versetzt auch kleine Haushalte und Kleinstverdiener in die Lage, selbst Strom zu erzeugen“, ist der Brügger überzeugt. Sein eigener Strom habe so auf Ewigkeit den festen Preis. Drei Fakten laufen in die Berechnungen für die Photovoltaikanlage mit ein, erklärt der 68-Jährige: Die Miete für die PVA, der Eigenverbrauch und die Einspeisevergütung. Knablowski wird 160 Euro zahlen – für eine große Anlage. Für kleinere zahle man ab 50 Euro im Monat. „Die setzt man dann in Relation zum Strompreis.“ Und das sei ja noch gar nicht zu Ende, ist Knablowski überzeugt: „Wer weiß, wo der noch hingeht.“

Die komplette Dachfläche von Hans-Joachim Knablowskis Haus  wird demnächst mit Solarmodulen bedeckt

Die komplette Dachfläche von Hans-Joachim Knablowskis Haus wird demnächst mit Solarmodulen bedeckt.

Quelle: Beate Vogel

Wenn man eine solche Anlage benutzt, müsse man allerdings seinen Lebenswandel umstellen, sagt der Brügger. Während andere ihre Stromfresser wie die Waschmaschine nachts betreiben, müssen das Nutzer von Photovoltaikanlagen eben am Tage machen. „Man muss ein paar Gewohnheiten ändern, eben umdenken.“ Sollte die Photovoltaikanlage einmal ausfallen, bezieht Familie Knablowski einfach Strom aus dem öffentlichen Netz. „Die technischen Voraussetzungen dafür sind dann da“, weiß der 68-Jährige. Er ist überzeugt: „Wenn nur eine Million Haushalte ihre Stromversorgung umstellen, kann man wieder ein Atomkraftwerk abschalten.“ Die Nutzung der Atomenergie sei „wie eine Granate, die in der Ecke liegt“. Vor allem als Prignitzer hat er dazu eine gespaltene Meinung: „Keiner soll sagen, er ist vom Lager im Salzstock in Gorleben nicht betroffen.“ Schon aus diesem Grund habe er sich entschieden, voll und ganz auf die regenerativen Energien zu setzen.

Von Beate Vogel

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