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Prignitzer sind dem Pferdemarkt treu

Havelberg Prignitzer sind dem Pferdemarkt treu

Es ist wieder Pferdemark in Havelberg. Für Kurt Zander aus Falkenhagen, Jürgen Stüber aus Meyenburg und ihre Freunde vom Pferdemarkt-Fanclub „Die Prignitzer" ist das die schönste Zeit des Jahres. Die Männer haben verwegene Geschichten zu erzählen. Die Stadtverwaltung Havelberg hofft, den Besucherrückgang vom vergangenen Jahr überwinden zu können.

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Der Fanclub „Die Prignitzer“ auf dem Havelberger Pferdemarkt. Nur echt im grünen T-Shirt.

Quelle: Andreas König

Havelberg/Falkenhagen. Früher, ja früher, da konnte man auf dem Havelberger Pferdemarkt noch richtige Abenteuer erleben. Wenn der Pferdemarkt-Fanclub „Die Prignitzer“ auf dem Marktgelände im Havelberger Mühlenholz eintrifft, ist das für Kurt Zander aus Falkenhagen, Jürgen Stüber aus Meyenburg und die übrigen meist männlichen Pferdemarkt-Fans wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag an einem Tag. Oder besser gesagt an vier Tagen. Seit nunmehr 26 Jahren kommen die Männer aus Falkenhagen, Putlitz, Preddöhl und Meyenburg nach Havelberg. Die Urgesteine Kurt Zander und Kurt Stüber sind bereits in den 1980er Jahren in die Wiege der Prignitz gefahren, die damals zum Bezirk Magdeburg gehörte und heute in Sachsen-Anhalt liegt.

Außenthermometer aus dem Thüringer Wald waren ein Riesengeschäft

Es sind wilde Geschichten, die sich die meist schon älteren Männer erzählen: „Vor der Wende war Havelberg der einzige Ort in der DDR, wo es so ziemlich alles gab“, erinnert sich Kurt Zander. Jedes Jahr war eine andere Mangelware der Renner. 1988 waren Außenthermometer besonders gefragt. Um sie zu bekommen, musste Kurt Zander in den Thüringer Wald fahren. „Wir saßen in der Hocke im Trabi, alles ander war voller Thermometer“, erinnert sich Sohn Michael. Auf dem Markt gingen die Thermometer weg wie warme Semmeln.

Ein Zwei-PS-Taxi kutschiert Ralf Zimmermann

Ein Zwei-PS-Taxi kutschiert Ralf Zimmermann.

Quelle: Andreas König

Hahn im Karton gucken für eine Mark

Selbst zu DDR-Zeiten brauchte man Geld auf dem Pferdemarkt. Wenn es daran mangelte, waren Ideen gefragt. „Wir haben uns dann was einfallen lassen“, sagt Kurt Zander. An einem Stand mit lebendem Geflügel kaufte er einen Hahn, steckte ihn in einen Karton, machte ein Guckloch hinein und verlangte fürs einmalige In-den-Kasten-Schauen 1 Mark pro Person. „110 Leute habe geguckt, gelacht und nichts gesagt, damit die Überraschung nicht verdorben wird.“

Einmal im Jahr bekommt das Kind im Manne, was es braucht

An solchen harmlosen Vergnügen haben „Die Prignitzer“ noch heute ihr Vergnügen. Beim Erbsenschlagen beispielsweise gilt es, mit einem Vorschlaghammer eine Erbse zu treffen, die aus einem Kupferrohr auf den Amboss fällt. Neben den Ur-Prignitzern haben sich dem Club auch auswärtige Fans angeschlossen. Magnus Luchterhand aus Stralsund zum Beispiel. Er kommt seit Jahr und Tag mit seinem himmelblauen Trabi nach Havelberg. Inzwischen sind die Geschichten nicht mehr so abenteuerlich, aber die besondere, ungezwungene Atmosphäre, das Feiern in Gesellschaft und die Möglichkeit, einmal im Jahr dem Kind im Manne zu geben, was es braucht, das reiz die Männer.

Stadt Havelberg hofft auf mehr Besucher

Während sich die Prignitzer für die Eröffnung des Pferdemarktes aufwärmen, geht es bei Marktleiter Dieter Härtwig zu wie in einem Bienenkorb. Schon seit Montag strömen die Händler und Camper aufs Gelände. Die Schausteller wollen eingewiesen werden, vereinzelt trudeln noch Händler ein. Die Stadt kann jeden Gast gut gebrauchen. Zwar ist der Pferdemarkt noch immer das größte Volksfest der Region, doch die Besucherzahlen gehen zurück. Im vergangene Jahr wurden erstmals nur noch 200 000 Gäste angegeben. „Das lag sicher auch an der Buga“, vermutet Dieter Härtwig. Viele hätten im Vorfeld gedacht, Gartenschau und Pferdemarkt passen nicht recht zusammen und wären deswegen nicht nach Havelberg gekommen.

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Zu DDR-Zeitem bekam man in Havelberg auf dem Pferdemarkt das, was es sonst nicht gab. Inzwischen dominieren Pferdehandel und Trödelmarkt. Mit zuletzt auf 200 000 gesunkenen Besucherzahlen ist das Spektakel noch immer eine der größten Volksfeste der Region. Noch bis Sonntag ist im Mühlenholz jede Menge los.

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Fahrgeschäft lockt mit der vierfachen Erdbeschleunigung

An den Attraktionen kann es kaum liegen. Neben dem traditionellen Pferdehandel und dem Trödelmarkt ist der Schaustellerplatz eine der Hauptanziehungspunkte. Neu dabei in diesem Jahr ist der „Vmaxx“, eine Art einarmiger Bandit mit Fahrgondel, der die Gäste dem Vierfachen der Erdanziehungskraft in die Sitze drückt. 110 Geschäfte stehen insgesamt auf dem Handels- und Rummelplatz. „Wir hoffen, die Besucherzahlen des Vorjahres übertreffen zu können“, sagt Dieter Härtwig. Bei den Pferden ist die Entwicklung seit jeher schwankend. Über 1000 waren es nie, aber deutlich mehr als die dieses Jahr aufgetrieben 232 schon.

Polizeipatrouillen und Überwachungskameras sorgen für Sicherheit

Die allgemeine Sicherheitslage macht um Havelberg keinen Bogen. Polizei patrouilliert, private Sicherheitsdienste kontrollieren. Überwacht wird das Geschehen mit mehreren Kameras, die auch die Zufahrten und entfernter gelegene Plätze im Blick haben. Passiert ist bislang nichts.

Von Andreas König

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