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Pritzwalk: Am Ende wurde es laut

Bürgerdialog der AfD Pritzwalk: Am Ende wurde es laut

Der erste Bürgerdialog der AfD in Pritzwalk drehte sich vor allem um Landwirtschaftsthemen: Bauernsterben, Vergreisung, Massentierhaltung. Doch dann kamen Flüchtlingskrise und die Asylpolitik zur Sprache. Tumultartiger Lärm brandete auf, als Christa Pfeiffer aus Pritzwalk verkündete, sie werde ein Patenschaft über eine Flüchtlingsfamilie übernehmen.

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Suchten den Bürgerdialog (v.l.): Reinhard Oldenburg, Christina Schade, Sven Schröder.

Quelle: Andreas König

Pritzwalk. „Geradeaus und dann immer rechts lang!“ Der Ordner der Alternative für Deutschland weist den rund 50 Teilnehmern am ersten AfD-Bürgerdialog den Weg in die Alte Mälzerei in Pritzwalk. Statt der bisherigen Demonstrationen will der Kreisverband Prignitz der AfD mit Bürgern ins Gespräch kommen. Am liebsten freilich würde er mit den „Gegendemonstranten diskutieren“, wird er später sagen. Doch zunächst muss überhaupt ein Gespräch in Gang kommen. Die AfD-Landtagsfraktion hat ihren energiepolitischen Sprecher Sven Schröder aus Potsdam-Mittelmark nach Pritzwalk entsandt und Christina Schade aus Märkisch-Oderland, wirtschaftspolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Dörfer vergreisen

Anfangs ist es eher ein vorsichtiges Abtasten. Während Sven Schröder sich dazu bekennt, vor allem gegen „Windräder in Brandenburger Wäldern“ zu sein, klagt Christina Schade ihr Leid, dass „alle Anträge, die wir von der AfD einbringen, abgelehnt werden“. Eine Zeit lang dreht sich die Diskussion mehr oder weniger um Landwirtschaft. Zunächst fordert Alwin Peter aus Wittstock, Deutschland solle endlich einen „Friedensvertrag bekommen“, damit das „Versailler Diktat“ beendet würde und Deutschland die volle Souveränität bekomme. Im Übrigen habe er nichts gegen Ausländer. Sven Schröder sagt, „die Landespolitik Brandenburgs hat nicht viel mit der Souveränität Deutschlands zu tun“. Auf das Feld der Verschwörungstheorien werde er sich nicht begeben. Karl-Friedrich Sauer aus Uenze beklagt, dass „die Dörfer vergreisen, dass es eine Enteignungspolitik gebe und das Bodenreformland nicht zurückgegeben wurde. AfD-Mann Sven Schröder fordert die Rückkehr zu „kleinteiliger Landwirtschaft mit regionaler Wertschöpfungskette in bäuerlicher Art „ohne Massentierhaltung“. Das wiederum bringt Karl-Friedrich Schült aus Heiligengrabe in Rage. „Essen Sie Honig?“, ruft er in Richtung Podium und behauptet „50 000 Bienen in einer kleinen Kiste, das ist auch Massentierhaltung“. Doch ihm geht es vor allem darum, die Arbeit in landwirtschaftlichen Großbetrieben zu verteidigen. Er arbeitet nämlich selbst in solch einem. Arnold Blum, Landwirt aus Glövzin (Karstädt), beklagt, dass die kleinen bäuerlichen Betriebe ruiniert werden, weil „Rechtsanwälte, Reiseunternehmen und Heuschrecken“ das Land gekauft haben.

Am Ende ging es doch noch um die Asylpolitik

Günter Leutloff aus Quitzow, war früher Präsident des Bauernbundes, später kam er zu den Montagsdemos gegen Hartz IV des Prignitzer „Aktionsbündnisses für Arbeit und soziale Gerechtigkeit mit, jetzt besucht er AfD-Veranstaltungen. Zu den Beiträgen der Landwirte nickt er zustimmend.

Fast scheint es, als würde die Diskussion langsam austrudeln, da spricht ein „Lennart“ an, worauf alle gewartet haben. Wie steht die AfD zum Thema Asyl?“ fragt er. Schließlich würden Asylsuchende ihre Pässe ins Mittelmeer werfen. Die AfD-Abgeordnete Christina Schade sagt: „Wir können das schaffen, wir sind ein reiches Land“. Das Publikum horcht auf, dann fragt sie „Was ist eigentlich mit der Asylindustrie? Es gibt Leute, die haben ein abgeschlossenes Asylverfahren und können nicht abgeschoben werden.“

Christa Pfeiffer von den freien Wählern fragt, „Was macht eigentlich Pritzwalk für die AfD attraktiv? Hier gibt es doch noch kaum Flüchtlinge? „Seien Sie doch froh“, tönt es lautstark aus dem Saal. Die Pritzwalkerin verkündet: „Wenn eine Flüchtlingsfamilie nach Pritzwalk kommt, werde ich eine Patenschaft übernehmen.“ Tumultartiges Zwischenrufen ist die Quittung. Ein korpulenter AfD-Mann stimmt nicht zu, aber er sagt „Erst mal danke für Ihren Mut.“

Von Andreas König

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