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Pritzwalk – Film zur Katastrophe

Als der Munitionszug explodierte Pritzwalk – Film zur Katastrophe

Eben noch saßen Soldaten und Zivilisten in einer beschwingten Komödie im Kino, als am Pritzwalker Bahnhof die Hölle losbrach. Ein mit V2-Waffen beladener Munitionszug explodierte. Das Stadt- und Brauereimuseum Pritzwalk erinnert mit der Vorführung des Streifens an das schreckliche Ereignis. Der Titel des Theo-Lingen-Films klang prophetisch: „Es fing so harmlos an.“

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Nach der Explosionskatastrophe vom 15. April 1945 räumten Pritzwalker die Trümmer beiseite.

Quelle: Museum/ Repro: König

Pritzwalk. Viel zu lachen gab es für die Menschen im April 1945 nicht mehr. Der Zweite Weltkrieg war so wie verloren. Das Prignitzer Eisenbahndrehkreuz Wittenberge war bereits heftig bombardiert worden, nun stieg Pritzwalk zum bedeutenden Eisenbahnknoten auf. Die Sowjetarmee schickte bereits Aufklärungsflugzeuge über die Dömnitzstadt. Da versprach ein Kinofilm den Menschen etwas Ablenkung von ihren bedrückenden Sorgen. Der Titel machte neugierig; „Es fing so harmlos an“, hieß der Streifen, in dem Theo Lingen nicht nur mitspielte, sondern bei dem er auch Regie führte. Der Film lief in mehreren Pritzwalker Kinos, darunter auch in dem am Bahnhof.

Der Kinobetreiber hatte die Vorstellung absagen wollen, doch die Zuschauer, darunter viel Wehrmachtssoldaten wollten unbedingt weitergucken.

Dir Geschichte spielt im Diplomatenmilieu. Die Legationssekretäre Clemens (Johannes Heesters) und Bonifatius „Boni“ Zeck sollen für ihren Minister zwar nicht die Kastanien aus dem Feuer holen, dafür aber eine rote Mappe mit Geheimpapieren. Die wichtigen Dokumente hat der Minister pikanterweise bei einem Rendezvous unter der Matratze eines Bettes in einem Hotel versteckt und vergessen, wieder mitzunehmen. Leider kann sich der Minister (Will Dohm) auch an die Nummer des Hotelzimmers nicht mehr erinnern. Es beginnt eine turbulente Jagd nach den Papieren mit Irrungen und Wirrungen und einem glücklichen Ende. zumindest im Film.

Film mit Folgen

Der Streifen „Es fing so harmlos an“ wurde 1944 von der Ufa produziert. In einer der Hauptrollen war der mit seinen feinen Manieren und seiner näselnden Aussprache beim damaligen Publikum äußerst beliebte Theo Lingen zu sehen. Er führte auch Regie.

In Pritzwalk gab es im April 1945 mehrere Kinos, in denen der Streifen wohl zu dieser Zeit lief.

Das Kino gegenüber dem Bahnhof zeigte den Film vor allem auf Wunsch von Soldaten, die sich unter den Zuschauern befanden. Trotz einiger Bedenken des Kinobetreibers.

Bei der Explosionskatastrophe verloren Hunderte Menschen ihr Leben, das Inferno zerstörte weite Teile der Stadt. Bis dahin war Pritzwalk von Kriegsfolgen verschont geblieben.

Für Pritzwalk hatte der Film kein Happy End. Kurz nach dem Einlegen der letzten Filmrolle brach auf dem Bahnhof die Hölle los. Ein sowjetisches Aufklärungsflugzeug hatte einen Teil des Munitionszuges in Brand geschossen, der an diesem schwarzen Tag auf dem Pritzwalker Bahnhof stand. Auf den Waggons lagerten unter anderem V-2-Raketen, Hitlers Vergeltungswaffe für den „Endsieg“. Die Detonationen dauerten bis nach Mitternacht an. Wie viele Menschen an diesem Tag ihr Leben verloren, ist nicht genau bekannt. Allein im Kino befanden sich zur Unglückszeit 350 Personen.

„An sich ist der Film ein belanglose Klamotte „ sagt die Pritz­walker Museumsleiterin Katja Rosenbaum. „Aber durch die Explosionen verloren hunderte Menschen ihr Leben, und Kino, wie auch der Bahnhof wurden vollständig zerstört. Der Film wurde so zur bitteren Ironie für die Stadt und ihre Bewohner.“

Das Museum hat keine Kosten und Mühen gescheut, den Film zu besorgen um ihn aufzuführen. Die letzte Szene, welche die unglückseligen Besucher damals noch sagen, soll die sein, als Will Dohm seiner Filmpartnerin einen Blumenstrauß überreicht.

Wie die persönliche Geschichte von Menschen oft mit einem bestimmten Lied oder Film verbunden ist, mutierte diese harmlose Komödie für die Stadt Pritzwalk und ihre Menschen zum Katastrophenfilm. Die Explosionskatastrophe von vor 70 Jahren wirkt sich bis heute auf das Leben in der Stadt aus.

Gezeigt wird „Es fing so harmlos an“ am Mittwoch, 8,. Juli, ab 19.30 Uhr im Konzertsaal der Kreismusikschule. Der Eintritt kostet 4, ermäßigt 2 Euro.

Von Andreas König

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