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Pritzwalk: Stents und Bypass für Abwasserkanal

Unterwegs in den Lebensadern der Stadt Pritzwalk: Stents und Bypass für Abwasserkanal

Mit spezielle Glasfasermatten und Epoxidharz sanierten Mitarbeiter der Firma Induka den Pritzwalker Abwasserkanal. An der Kreuzung Havelberger Straße/Grünstraße brachten sie sogenannte Kurzliner in die mehr als 80 Jahre alten Steingutrohre ein und pressten mit Druckluft gegen die undichten Stellen. Das Verfahren ähnelt technisch einer Herz-OP.

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David Kiepke prüft anhand des Kamerabildes auf dem Monitor den Erfolg der Reparaturarbeiten.

Quelle: Andreas König

Pritzwalk. Langsam aber präzise gleitet der Kurzliner durch das Kanalrohr. Ab und zu ruft David Kiepke eine Zahl aus dem Schacht nach oben. Sein Kollege Tobias Görn hält kurz inne, dann montiert er den nächsten Druckschlauch, und die Fahrt durchs Pritzwalker Kanalnetz geht weiter.

Die beiden Mitarbeiter der Firma Induka reparieren seit Montag Schadstellen in einem der größten Abwassersammler der Stadt Pritz­walk. In Auftrag gegeben hat die Arbeiten der Trinkwasser- und Abwasserzweckverband Pritzwalk. „Die Leitungen wurden im vergangenen Jahr von uns per Kamerafahrt inspiziert“, sagt Ulrich Hartfuß. Er ist technischer Betriebsleiter der Firma und sieht auf der Baustelle nach dem Rechten.

Nach einer Stunde ist der Riss dicht

Wo das Befahren mit der Kamera Mängel in den Steingutrohren zutage gefördert hat, kommt in der Regel das Kurzliner-Verfahren zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein Packersystem, auf dem eine spezielle Glasfasermatte aufgerollt wird. Mit einem Dreikomponenten Epoxidharz wird das Glasfasergewebe auf die schadhafte Stelle gebracht und unter einem Druck von 1,5 Bar an das schadhafte Rohr gepresst. Nach etwa einer Stunde ist der Riss dicht und das Rohr kann wieder seiner Aufgabe gerecht werden. Während dieses Vorgangs kann das Abwasser durch den Kurzliner strömen – ähnlich einem Bypass. „Ich sage ja immer, im Prinzip ähnelt unsere Arbeit technisch gesehen, einer Herz-OP“, sagt Ulrich Hartfuß. „Die Kurzliner-Technik dichtet und verstärkt die Leitungen wie ein Stent. Und irgendwie sind ja die Wasser- und Abwasserleitungen auch die Lebensadern einer Stadt.“

Ampelanlage war außer Betrieb

Während der Bauarbeiten, die am Dienstag beendet wurden, war die Ampelanlage an der Kreuzung Havelberger-/Grünstraße ausgeschaltet. Stattdessen regelte eine Baustellenampel den Verkehr. Am Nachmittag konnte David Kiepke den weißen Schutzanzug, den er wegen des Epoxidharzes trug ablegen. Die Kamerafahrt zeigte „Operation gelungen“.

Von Andreas König

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