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Pritzwalk: Wahlanalyse im Ortsverein

SPD-Ortsverein setzte sich mit AfD auseinander Pritzwalk: Wahlanalyse im Ortsverein

Auch wenn in Brandenburg und in der Prignitz nicht gewählt wurde, bewegten die Pritzwalker Sozialdemokraten die Wahlergebnisse vom vergangenen Wochenende. Den Fehler, die AfD zu unterschätzen, werden sie auf jeden Fall nicht machen. Mit der eigenen Schwäche setzten sie sich durchaus selbstkritisch auseinander.

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Ein wenig ratlos und enttäuscht waren die Pritzwalker Sozialdemokraten nach den Wahlen in drei Bundesländern.

Quelle: FotoS (3): Atzenroth

Pritzwalk. Auch in Pritzwalk wäre es jetzt wohl nicht viel anders gekommen: diese Vermutung hegten die Pritzwalker Sozialdemokraten angesichts der Wahlergebnisse der Alternative für Deutschland in Sachsen-Anhalt. Die rechtskonservative Partei hatte im Nachbarland, das gleich auf der anderen Seite der Elbe beginnt, aus dem Stand ein Ergebnis von 24 Prozent geholt. Warum das so ist, darüber diskutierten Mitglieder des Ortsvereins auf ihrer jüngsten Mitgliederversammlung und schlugen dabei auch selbstkritische Töne an.

Mit immer mehr Flüchtlingen drehte sich die Stimmung

Seit geraumer Zeit schon ist die AfD mit Veranstaltungen und Kundgebungen auch in Pritzwalk präsent. „Es ist zu leicht zu sagen, dass das nur Neonazis sind“, meinte der Stadtverordnete Jörg Schilling und berichtet von der Enttäuschung vieler Menschen. „Zuerst sind die Flüchtlinge positiv aufgenommen worden“, fuhr Schilling fort, der sich selbst um Flüchtlinge kümmert. „Aber das drehte sich, als ihre Zahl auf eine Million zuging.“ Dietmar Thurmann will aber den Aufstieg der Parteienkonkurrenz am rechten Rand nicht nur an der Flüchtlingskrise festmachen: „Das schwelt ja schon lange, weil die Volksparteien nicht in der Lage sind, dem Volk aufs Maul zu schauen“, meinte er.

In eine ähnliche Richtung ging die Einlassung von Siegbert Winter: „Die gefühlt Abgehängten haben sie gewählt“, konstatierte er. Er beklagte, wie andere Redner auch, dass die SPD mit ihren Erfolge in der Bundesregierung wie der Einführung des Mindestlohns nicht zu den Wählern durchdringe. Wegen der „unverantwortlichen Haltung“ von Horst Seehofer und der CSU hätten sich die meisten Anwesenden gewünscht, dass es in der großen Koalition geknallt hätte – bis hin zu deren Bruch.

Pelzer: „Man kann die Flüchtlinge doch nicht einfach verrecken lassen“

Einen anderen Ansatz vertrat Rotraut Pelzer: „Den Deutschen geht’s doch wirklich gut, verglichen mit den Flüchtlingen jetzt und auch denen nach dem Zweiten Weltkrieg. Ich stehe hinter dem, was Frau Merkel sagt.“ Sie sei „froh, dass unsere SPD ihr nicht in den Rücken fällt“. Empört zeigte sie sich aber hinsichtlich der Haltung der europäischen Nachbarstaaten in der Flüchtlingskrise: „Was sind denn das für Nachbarn? Es geht nicht, dass die nur einfach die Vorteile aus der EU ziehen und ihre Pflichten nicht erfüllen wollen“, meinte sie, „man kann die Flüchtlinge doch nicht einfach verrecken lassen. Wenn ich das jeden Tag sehe, könnte ich heulen“, so die ehemalige Vorsitzende der Pritzwalker Stadtverordnetenversammlung.

Die Landtagsabgeordnete Ina Muhß, die zusammen mit dem SPD-Kandidaten bei der Bürgermeisterwahl in Groß Pankow, Georg Abel, später hinzukam, fand das Abrutschen der SPD in Sachsen-Anhalt auf zehn Prozent „schrecklich“. Sie berichtete, wie die SPD-Landtagsfraktion den Wahlausgang bewertete: „Streiten und Zanken bringt nichts – wir müssen geschlossen auftreten und brauchen starke Führungspersönlichkeiten.“ Die aber habe man in Brandenburg.

Unterschätzen werden die Sozialdemokraten die AfD jedenfalls nicht. So leicht werde sie wohl nicht verschwinden. Leicht sarkastisch bemerkte Siegbert Winter, dass das am ehesten wohl gehe, wenn CDU und AfD eine Koalition eingingen, „dann hat Frau Merkel die in fünf Jahren an die Wand koaliert“.

Von Bernd Atzenroth

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