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Prignitz Pritzwalk hat viel Potenzial
Lokales Prignitz Pritzwalk hat viel Potenzial
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00:22 02.12.2015
Pritzwalker Gymnasiasten mit Regisseurin Manuela Goschy (Mitte) und Professor Hermann Voesgen.
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Pritzwalk

Die meisten Lacher konnte „der Skeptiker“ für sich verbuchen. Das „Pritzwalker Urgestein“ war eine von sieben Rollen, mit denen die szenische Lesung „Ein Jahr nach Clegg & Guttmann – Die 7 Künste von Pritz­walk“ besetzt war. In der Galerie der Kunstfreunde Pritzwalk hatten sich am Freitagabend rund 50 Zuschauer eingefunden. Sie wollten sehen und hören, was die Pritz­walker im Nachhinein vom Kunstprojekt „Die 7 Künste von Pritz­walk“ halten.

Das Publikum bedachte die Akteure der szenischen Lesung mit großem Applaus. Quelle: Andreas König

Vier Studenten der Kulturarbeit an der Fachhochschule Potsdam hatten im Sommer Interviews geführt und Leute auf der Straße befragt, wie sie ihre Stadt sehen, ob die „7 Künste“ etwas bewirkt haben und was das sein könnte. Als Autorin und Dramaturgin hatte Manuela Goschy die Antworten so zueinander in Beziehung gesetzt, dass eine Art kritisches Stadtgespräch dabei entstanden ist. Die Antworten der Pritzwalker wurden dabei teilweise im Dialekt eingesprochen, so dass sie eine ganz eigene Wahrhaftigkeit entfalteten. „In Pritz­walk braucht jeder ’ne Extraeinladung, ansonsten passiert nischt“ zum Beispiel oder „Was ist das eigentlich, Pritzwalk? – Bildungsferne Landschaft in der Prignitz.“ Zwar gab es im Sommer 2014 eine regelrechte Aufbruchstimmung, aber „für die Mehrheit der Pritzwalker war das, als wäre irgendwo ein Sack Reis umgefallen und im Rathaus ist man auch nicht gerade inspiriert“. Dass sich der Verein Kunstfreunde Pritzwalk während des Projekts gefunden hat, sehen die Befragten als Errungenschaft. Aber das Potenzial, das darin steckt, werde nicht genügend genutzt, sondern eher benutzt, „um hier und da das Image aufzubessern. Kürzlich zum Beispiel kamen die Vertreter aus der neuen Partnerstadt in Frankreich. Und wo bringt man die hin? In die Ausstellung im Kunstverein.“

Thomas Voigt gab den Beobachter im Fernsehen. Quelle: Andreas König

Doch die Befragten waren nicht nur skeptisch. Die Stadt und ihre Menschen haben jede Menge Potenzial, aber sie brauchten den Anstoß von außen. „Mit dem Projektteam da war so ’ne Truppe hier. Da sind Dinge möglich geworden, da hätte vorher im Traum keiner dran gedacht.“

Für die Kreativen in der Stadt ist Kunst aber auch kein Hobby. „Die müssen davon leben. Die können Pritzwalk nicht in ihrer Freizeit retten.“ Die Frage: „Wer macht denn so ’ne Stadt, die im Rathaus oder die auf der Straße?“ wurde ganz klar beantwortet: „Na, die auf der Straße.“ „Und was war die Message dahinter?“, fragt der Skeptiker. „Nicht sitzen und warten, sondern Arsch bewegen.“

Die Arbeit der Studenten und Schüler wurde mit großem Applaus bedacht. „Das müsst ihr unbedingt noch mal aufführen“, sagte zum Beispiel Vizebürgermeister Ronald Thiel.

Celien Wegert, eine der Schülerinnen, berichtete, wie einige Mitschüler und sie der Stadt ein Projekt für die Nutzung des damals noch leerstehenden Rossmann-Marktes unterbreitet hatten. „Wir wollten ein Mehrgenerationen-Café dort etablieren“, sagte sie. „Aber in der Stadtverwaltung wurden wir mit unserer Idee ausgelacht. Wir sollten erst einmal ein Finanzierungskonzept einreichen. Das schreckt schon ab.“ Die Idee wurde mehrfach gelobt. Professor Hermann Voesgen, dessen Studenten die Interviews geführt hatten, griff die Begebenheit auf. Er schlug vor, einen „Ideengeber“ für ein Jahr bei der Stadt zu installieren. So ähnlich wie die Stadtschreiber in manchen Orten. Natürlich müsste die Stadt den Ideengeber bezahlen und eine Wohnung bereitstellen. „Aber das dürfte ja kein Problem sein.“

Horst Kontak, Vorsitzender der oftmals als leuchtendes Beispiel genannten Kunstfreunde, verwies darauf, dass von den einstmals sieben leerstehenden Geschäften lediglich noch zwei frei sind. Ins Gästebuch der Kunstfreunde Pritz­walk habe sich ein englischer Besucher verewigt, ergänzte Kurator Gerrit Gohlke: „Er schrieb ’I like this City.’ Ich mag diese Stadt.“

Von Andreas König

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