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Pritzwalk Die Kirche muss im Dorf bleiben
Lokales Prignitz Pritzwalk Die Kirche muss im Dorf bleiben
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02:19 10.05.2018
Brigitte Schmidtchen engagiert sich seit über 30 Jahren in der Gemeinde Giesensdorfs. Quelle: Fariba Nilchian
Pritzwalk

Manche Etappe der Kirchbaufahrt ist nur etwas für Mutige. Die hölzernen Treppenstufen zum höchsten Kirchturm der Prignitz wirken ungefähr so alt wie das Ehrfurcht einflößende Gemäuer in dem sie verbaut sind. Zwischen den Brettern schaut man viele Meter hinunter in die Tiefe der Sankt Nicolaikirche – nichts für schwache Nerven. Kein Wunder, dass die Mehrheit der Kirchfahrtgruppe die ebenerdige Führung durch den Rittersaal und die Taufkapelle bevorzugt.

Bei der Kirchenbaufahrt entdeckten die Mitreisenden interessante Details. Vor allem sahen sie aber, wie groß der Aufwand ist, die hiesigen Schmuckstücke zu erhalten.

Zwei mal im Jahr veranstaltet der Kirchenkreis Prignitz Tagestouren zu einer Auswahl der 230 Kirchen in seinem Zuständigkeitsbereich. Für Pfarrer Christian Gogoll, den Leiter des kirchlichen Bauausschusses, ist es „eine gute Gelegenheit einige unserer Kirchen auch mal von innen zu entdecken“. Doch die Kirchbaufahrt richtet sich an alle interessierten Bürger. An diesem Samstag kommen 28 Teilnehmer per Kirchen-Shuttle-Service aus Perleberg, Kyritz und Pritzwalk zusammen. Fünf Prignitzer Kirchen sollen baulich erkundet werden.

Ein Stahlseil hält das Mauerwerk

Die erste Station der Tour liegt im Zentrum von Pritzwalk, die Sankt Nicolaikirche aus dem dreizehnten Jahrhundert. Im vergangenen Jahr wurde ein Ringanker in das gewaltige Gemäuer eingezogen. Ein Stahlseil, das sich um die Kirche spannt, damit das Mauerwerk im oberen Bereich nicht weiter auseinander driftet.

Ungewöhnliche Einblicke - die Kuppeldecke der St. Nicolaikirche in Pritzwalk von oben gesehen. Quelle: Fariba Nilchian

Im hohen Gewölbe des Kirchenschiffes sind noch die Risse erkennbar, die das Problem bereits frühzeitig angekündigt haben. 510 000 Euro wurden bereits für den ersten Bauabschnitt benötigt, weitere 900 000 Euro werden für die Sanierung von Hülle und Dach kalkuliert. „In Kirchen kann man Millionen verstecken, ohne dass man sie sieht“, weiss Uwe Dummer, der stellvertretende Vorsitzende des kirchlichen Bauausschusses.

Seit über 30 Jahren engagiert sie sich für die Kirche

Von Pritzwalk aus setzt sich der Autokorso der Kirchbaufahrt ins benachbarte Giesensdorf in Bewegung. Die makellose Feldsteinkirche dort thront bei strahlendem Sonnenschein auf einem Hügel über dem kleinen Ort. Davor wartet die 80-jährige Brigitte Schmidtchen schon auf die Besucher, die sie dann fröhlich plaudernd durch den Kirchhof führt. Nur die Frage, ob sie ihren Vortrag über die Kirchengeschichte auch im Freien halten könne, lehnt sie rigoros ab. „Sie wollen doch die Kirche von innen sehen“, sagt sie entschieden und man hört etwas Stolz in ihrer Stimme.

Seit über dreißig Jahren engagiert sich Brigitte Schmidtchen für das Gotteshaus aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Die Feldsteinfassade musste vom Zement befreit werden, das Innere der Kirche wurde denkmalgerecht restauriert und die Arbeiten reißen auch heute nicht ab. „Auf der Rückseite des Altars wollen wir jetzt die verschiedenen Bauabschnitte verewigen, denn wir treten ja auch bald mal ab“, sagt sie lächelnd.

Gefahr in Mansfeld gebannt

In Rapshagen wird die Gruppe in eine kleine baufällige Kapelle geführt. Nach den Restaurierungserfolgen in Pritzwalk und Giesensdorf zeigt sich hier ein Gotteshaus, bei dem es um den blanken Fortbestand geht. „Wenn man da einen Stein raus zieht, fällt die ganze Kirche zusammen“ vermutet Rotraut George, eine Teilnehmerin der Fahrt.

Die Kirche von Mansfeld wird ist zur Zeit wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Quelle: Fariba Nilchian

Diese Gefahr ist bei der nächsten Station in Mansfeld bereits gebannt. Die eingerüstete Kirche ist derzeit für die Öffentlichkeit geschlossen und sie soll durch die aktuellen Baumaßnahmen vor dem Verfall gerettet werden. Nach einer kurzen Außenbesichtigung setzt die Gruppe sich wieder in Bewegung zu ihrer letzten Etappe. Die gotische Wallfahrtskirche von Alt Krüssow, ist weithin sichtbar.

Tische im sonnendurchfluteten Kirchgarten

Das mächtige Bauwerk war im frühen sechzehnten Jahrhundert eines der wichtigsten Pilgerziele der Region. Heute bemüht sich ein Verein in dem kleinen 100-Seelen-Dorf um den Erhalt seiner großen Kirche. Im sonnendurchfluteten Kirchgarten stehen Tische bereit und die Gruppe wird mit selbst gebackenen Kuchen und Kaffee begrüßt.

Doch bevor der letzte Schluck getrunken ist, beginnt der Vereinsvorsitzende Uwe Dummer schon seinen detailreichen Vortrag, der die Gruppe rund um das Gebäude und weiter in das Innere der Kirche führt.

An hohen Feiertagen sind die Gotteshäuser gut gefüllt

Pfarrer Christian Gogoll hat hier zum Abschluss der Fahrt eine Andacht vorbereitet, die den Teilnehmern nachdenkliche Worte und Fragen mitgibt: Was ist es, dass die Menschen an Gotteshäuser bindet? Warum bilden sich plötzlich Fördervereine, wenn längst verlassene Kirchen von Verfall und Abriss bedroht sind? Trotz der verbreiteten Abkehr von der Kirche werden die Gotteshäuser mit den entscheidenden Stationen des Lebens wie Taufe, Hochzeit und auch Beerdigungen verbunden.

An hohen Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern sind die Gotteshäuser nach wie vor gut gefüllt. Mit den Kirchen verbinden sich noch immer wichtige Bilder des Lebens, oft sind sie auch das kulturelle Zentrum von kleinen Orten. „An all diese Bilder sollten wir anknüpfen“, glaubt der Geistliche Gogoll, „denn ohne die Kirchen wäre das Leben in den Dörfern ärmer“.

Von Fariba Nilchian

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